Mittwoch, 21. November 2018
Solidaritätsanzeige

Auf Sendung trotz Abschaltung: Journalisten von ERTGriechenlands Journalisten üben massenhaft Solidarität mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ERT, der in der vergangenen Woche auf Beschluss der Regierung praktisch ohne Vorankündigung abgeschaltet wurde. 2900 Mitarbeiter sitzen auf der Straße, doch sie lassen sich nicht entmutigen und setzten ihre Arbeit fort. Währenddessen traten die Journalisten der privaten Rundfunksender in den Streik, auf vielen Kanälen blieb der Bildschirm schwarz oder fielen zumindest die Nachrichten aus. Einige Sender, so der Kanal »902« der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) übernahmen das Programm, das die gefeuerten Kollegen produzierten. Dieses war zunächst auch noch auf der Homepage ert.gr zu sehen, die jedoch im Laufe des Tages abgeschaltet wurde.

 

Nach Bekanntwerden der Schließungsanordnung waren gestern abend Tausende Menschen zum Rundfunkgebäude geströmt und es besetzt. Die ganze Nacht über fand eine Protestkundgebung mit zahlreichen bekannten Bands statt, gemeinsam wurden auch die Widerstandslieder aus dem Kampf gegen die faschistische deutsche Besatzung und die Militärdiktatur gesungen.

Die Proteste bleiben nicht auf die Journalisten beschränkt. Für den morgigen Donnerstag rufen die Gewerkschaften zu einem landesweiten Generalstreik auf. Erinnert wird von vielen daran, dass dies das erste Mal in über 70 Jahren ist, dass ERT abgeschaltet wurde. Selbst die deutschen Besatzer wagten in den 40er Jahren nicht, die Griechen ohne Rundfunk zu lassen.

Die putschartige Abschaltung von ERT durch die Regierung könnte deshalb Beobachtern zufolge dazu führen, dass die Gräben zwischen den verschiedenen Oppositionsgruppen zumindest zeitweilig überbrückt werden können. In der vergangenen Nacht jedenfalls standen Aktivisten der KKE neben Mitgliedern der Linkspartei Syriza am Rundfunkgebäude. Gewarnt wird auch, dass sich an der Frage der Abschaltung auch eine drohende neue Koalition abzeichnen könnte, denn neben der konservativen Nea Demokratia verteidigen nur die Neofaschisten der Chrysi Avgi die Anordnung der Regierung, während die ND-Koalitionspartner PASOK und DIMAR auf Distanz gegangen sind.

Während das Kabinett den Schritt mit Verschwendung im Rundfunk begründet, verweisen die Protestierenden darauf, dass ohne ERT kein Sender mehr Kinder- und niveauvolle Kulturprogramme produziert. Auch die Filmförderung und das eigene Orchester fallen weg, was als kulturpolitisch verheerend bewertet wird.

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