Montag, 18. Juni 2018
Solidaritätsanzeige

General Stanley McChrystalBarack Obama hat den hageren General Stanley McChrystal gefeuert. Er war seit letztem Jahr Chef der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan. Der 55-Jährige hatte mehrmals mit abfälligen Bemerkungen über das Vorgehen seiner Regierung in Afghanistan auf sich aufmerksam gemacht - jetzt hat Obama, der an der Heimatfront gegen die Ölpest kämpft, endgültig genug.

 

Die Ausgabe erscheint zwar erst morgen, Freitag, hat aber schon vorher für viel Wirbel gesorgt. Auf der Website des Rolling Stone erschien unter dem Titel »Der abtrünnige General« die Vorabveröffentlichung einer Reportage über McChrystal. Dort greift er das offizielle Washington auf plumpe Weise an; so lästert er etwa über »Weicheier im Weißen Haus«.

Obama zitierte ihn daraufhin am Mittwoch zu sich in die Pennsylvania Avenue. Zuvor hatte der Präsident dem General »mangelhaftes Urteilsvermögen« attestiert. Nach einer halben Stunde verließ ein geduckter McChrystal den Präsidentensitz. Daraufhin erklärte Obama, der General habe seinen Rücktritt angeboten. Die Entscheidung sei ganz klar nur »eine personelle, keine politisch-strategische«, so der »Friedens«-Nobelpreisträger. So viel zum Change.

Als neuer Capo in Afghanistan wurde General Petraeus, bis dato Chef der US Central Command und Chef der US-Truppen im Irak, eingesetzt. Obamas entschiedenes Eingreifen in der Affäre wurde von allen Seiten her begrüßt. So auch von Washingtons Statthaltern in Kabul – obgleich der dortige BBC-Korrespondent berichtet, »Präsident« Karsai und seine Marionettenregierung seinen eigentlich höchst unzufrieden über die Entscheidung Obamas.

Die »neue« US- und NATO-Strategie für Afghanistan, welche fortan von Petraeus exekutiert werden wird, kann getrost als Reinfall bezeichnet werden. Obgleich die NATO vorgibt, am Hindukusch für den »Schutz der Zivilbevölkerung« zu sorgen, ist der Weltöffentlichkeit schon lange klar, wie der Hase wirklich läuft. Tagtäglich fallen immer noch zahllose Menschen und Soldaten dem blutigen Konflikt zum Opfer. Unter Bush wurde das ohnehin geschundene Land überfallen (es sei hier angemerkt, dass die NATO damit sogar gegen ihre eigenen Regeln verstoßen hat; der Bündnisfall ist nie eingetreten. Nicht Afghanistan, sondern mehrheitlich saudische Attentäter – und damit kein Staat – haben 9/11 zu verantworten). Die Taliban, welche von den USA während der sowjetischen Militärmission in den 80ern massiv unterstützt wurde, gewinnt wieder an Zulauf. Obgleich es sich zweifelsfrei um eine religiös-reaktionäre Organisation handelt, besteht sie dennoch nicht aus den dummen Primitivlingen, als welche sie oft in den bürgerlichen Medien dargestellt werden. Mit Krieg ist die Taliban nicht zu besiegen. Das hat schon die Rote Armee bitter lernen müssen. Und das wissen die Warlords. Und eigentlich weiß es auch das Pentagon.

Ideen sind nicht auszumerzen. Und auch das weiß die Taliban-Elite: die Beteuerung der Amerikaner, jetzt mehr auf die Zivilbevölkerung eingehen zu wollen, muss auf jeden Afghanen wie ein schlechter Witz wirken. Nach fast neun Jahren Krieg, welcher nur Zerstörung, Elend und Tod sowie eine US-hörige Regierung statt Frieden, Demokratie und Souveränität gebracht hat, war dieser Einsatz der erste, welcher die zynische Fratze von Bushs »Krieg gegen den Terror«, ja »Kreuzzug« trug. Obamas Ziel, die Truppen im Land um ca. 30.000 auf 150.000 bis August aufzustocken, höhnt dem »Friedens«-Nobelpreis. Die NATO muss sich einmal mehr den berechtigten Vorwurf gefallen lassen, keinen Frieden stiften zu wollen, sondern eine permanente Okkupation aufrecht zu erhalten. Diese dient dazu, die geopolitischen Interessen seiner imperialistischen Mitgliedsstaaten zu sichern (Ex-Bundespräsident Horst Köhler hat ja auch nur wiederholt, was im Weißbuch der Bundeswehr seit Jahren steht. So viel Ehrlichkeit muss man der rhetorischen Flachzange dann doch anrechnen). Autonomen Nationen kann man eben nur schwer Rohstoffe zu eigenen Konditionen abnehmen. Afghanistan verfügt über 570 Mio. m³ Öl, das benachbarte Turkmenistan die viertgrößten Gasreserven der Welt. Und über den Iran wollen wir gar nicht erst reden.

Wenn es irgendeinem Soldaten oder Offiziellen im Westen ernst mit dem Frieden ist (und trotz aller berechtigter Skepsis soll es solche geben), muss dieser Krieg beendet werden. Die Taliban werden nicht aufgeben. Die Befreiung des afghanischen Volkes, ein Wiederaufbau des Landes kann nur gelingen, wenn man die Taliban nicht nur als militärischen Gegner, sondern v.a. als Gesprächspartner ernst nimmt. Ein Dialog – gerade zwischen so widersprüchlichen Parteien - mag mühselig sein. Aber er kostet kein Blut. Es gilt, mit folgender Forderung beginnen: Ami, go home! Aber auch: NATO, go home. Wie unrühmlich die Rolle Berlins in dem Krieg ist, muss nicht näher erörtert werden.

Dass diesen Forderungen Folge geleistet wird, ist aber leider aufgrund der Ausrichtung der NATO als imperialistisches Zweckbündnis leider unwahrscheinlich. Die Geschichte hat mehr als einmal gezeigt, dass auch in Krisensituationen immer noch genügend Kohle fürs Militär da ist. Da ändern auf lange Sicht auch die Merkelschen Sparmaßnahmen in der Bundeswehr wenig daran.

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