Sonntag, 19. August 2018
Solidaritätsanzeige

Hansgeorg Hermann kommentiert in der Tageszeitung junge Welt den Macron-Besuch bei Donald Trump:

Frankreichs ehemalige Justizministerin Christiane Taubira hat sicher recht, wenn sie das öffentliche Gefummel Emmanuel Macrons und seines Kollegen Donald Trump nicht nur aus politischer sondern auch aus biologischer Sicht bewertet sehen will. Die dunkelhäutige sozialistische Politikerin hat in den Gängen und im Plenum der französischen Nationalversammlung ihre Erfahrungen gemacht mit gewissen Herren Kollegen und deren Rassismus und Sexismus.

Das ist ja das Schreckliche an Trump und seiner »speziellen Beziehung« zu Macron, dass die beiden längst eine Hundertschaft von Psychoanalytikern beschäftigen, die unbedingt jeden minutenlangen Händedruck, jedes Ohrgeflüster, jeden Wangenkuss, den weißen Hut Melanias und die mageren Beine Brigittes untersuchen müssen. Gefragt wäre dagegen eine Analyse, die klären könnte, was an Realpolitik hinter dem seltsamen Gehabe der beiden Machos steckt.

Wenn Macron und Trump sich minutenlang die Hände halten und den Rücken beklopfen, dann ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis auf die vielen Übereinstimmungen von zwei Männern, deren Karrieren im Raubtierkapitalismus wuchs, beschleunigt wurde und schließlich im höchsten Staatsamt ihren vorläufigen Abschluss fand. Wenn sich die beiden umarmen, dann lassen die Bosse der Waffenschmieden Lockheed-Martin und Dassault die Champagnerkorken knallen. Wenn sich die beiden zarte Worte ins Ohr sprechen, dann hören die Kinder und Mütter in Syrien die nächsten Bomben fallen. Und wenn die beiden ihre »Solidarität« feiern, dann wissen die Streikenden in Frankreich, dass sie unter diesem Präsidenten nicht mit Gefühlsduseleien rechnen dürfen.

»Gemeinsam« mit den USA, mit Trump, will Macron »eine neue Welt« konstruieren. Welche das sein soll, beschrieb er nicht im Detail. Wenn er das aber mit Trump machen will, dann wird sein neuer Kosmos von Mauern umstellt sein. »Gemeinsamkeit« kennt Trump nur insofern, als er sein politisches Ich, den Präsidenten der USA, erfolgreich mit dem daraus resultierenden Gewinn des Geschäftsmannes und Großkapitalisten Trump gekoppelt hat. Auch Macron, der Männerfreund und Bruder im Geiste, im finanzkapitalistischen Geschäft zum Mehrfachmillionär geworden, führt »sein« Frankreich wie der allein entscheidende Boss einer Aktiengesellschaft. Der Unterschied zu Trump: Macron hat sich auch historisch und kulturell gebildet und verankert. Er hält sich bei Gelegenheit für Louis XIV, Napoleon und Charles de Gaulle in einer Person.

Die Waffenbrüder Trump und Macron sind sich in einem Punkt völlig einig: Man braucht Kriege dort, wo Erdöl aus der blutgetränkten Erde strömt. Frieden und Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Völkern braucht man daher nicht.

Quelle:

Pressemitteilung der Tageszeitung junge Welt


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