Angesicht von Personalmangel, fehlender Schutzausrüstung gegen das Coronavirus und anderer Probleme, bei denen sich die Bosse weigerten, sich zu bewegen, sahen sich 1.400 gewerkschaftlich organisierte Krankenpflegerinnen und -pfleger und 2.000 gewerkschaftlich organisierte Hilfskräfte des Krankenhauswesens der Universität von Chicago im US-Bundesstaat Illinois gezwungen, in den Streik zu treten.

Der Personalmangel ist in Chicago ebenso wie im ganzen Land das Hauptproblem. Die Gewerkschaft hat eine lange Kampagne geführt, um die Bundesstaaten dazu zu bewegen, Krankenhäusern ein Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Patienten aufzuerlegen, wobei New York und Illinois die letzten beiden Staaten waren, in denen eine Gesetzgebung dazu anstand.

Die Gewerkschaft INA verband ihre Streikankündigung mit einem erneuten Aufruf an die Gesetzgeber in Illinois und an die Demokratische Regierung, den Gesetzentwurf HB2604 zu verabschieden, der das Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Patienten regelt. Eine unabhängige Studie von Forschern der University of Pennsylvania zeigte, dass die meisten Krankenhäuser sowohl in Illinois als auch in New York das empfohlene Mindestverhältnis von Pflegepersonal zu Patienten unterschreiten, so die Gewerkschaftsvorsitzende Doris Carroll, die im Krankenhauskomplex von Chicago arbeitet.

Der Personalmangel zwang die INA auch dazu, vor kurzem das größte Krankenhaus, Amita Health, in Joliet zu bestreiken. 700 im Pflegebereich beschäftigte Menschen beteiligten sich daran, nach zwei Wochen Aussperrung erkämpften sie einen neuen Vertrag mit Lohnerhöhungen, aber auch hier weigerte sich die Krankenhausleitung, sich in der Frage der Quoten zu bewegen.

Krankenhäuser, einschließlich der Einrichtungen in Illinois, betreiben auf nationaler Ebene und von Bundesstaat zu Bundesstaat Lobbyarbeit gegen die Gesetzgebung zur Patientenquote. Sie stehen unter dem Druck der Krankenversicherungsindustrie, die Kosten zu senken, was wiederum die Gewinne der Versicherer in die Höhe treibt. Die Krankenhauschefs reagieren darauf, indem sie sie in der Pflege kürzen.

„Die Verhandlungen begannen Anfang dieses Sommers, aber nach 18 Verhandlungssitzungen weigert sich das Krankenhaus, sich an einer substantiellen Diskussion über das Erreichen einer sicheren Personalbesetzung zu beteiligen, indem es eine Grenze für die Anzahl der Patienten festlegt, die jeder Krankenschwester zugewiesen werden können, eine Politik, die auch als ‚sichere Patientengrenzen‘ bekannt ist“, erklärte Carroll. „Sichere Personalbesetzung ist das wichtigste Thema in den neuen Vertragsverhandlungen.“

Personalmangel ist auch ein Problem für die 2.000 Büro-, Fach-, Technik- und Wartungsmitarbeiter, so der örtliche Präsident Palmer der Gewerkschaft SEIU. Das gleiche gilt für die Arbeitsbedingungen, einschließlich des Mangels an persönlicher Schutzausrüstung für alle Beschäftigten gegen die Corona-Pandemie. Zu den weiteren Forderungen des Personals gehören eine bessere Auslastungspolitik, um Burnout zu verhindern, und ein Verbot der Auslagerung ihrer Arbeitsplätze. Und sie wollen einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde. Die Beschäftigten stimmten Anfang September mit einer Mehrheit von 94 Prozent für den Streik.

„Wir werden unsere kollektive Macht nutzen, um für unsere Familien und Gemeinden zu gewinnen“, bekräftigte Palmer „Wir sind fertig mit Spielen“, fügte Programmdienstberaterin Lavitta Stewart hinzu. „Wir sind fertig mit ihrem Mangel an Einfühlungsvermögen“, fügte Lavitta Stewart hinzu. „Und wir sind fertig mit ihrem Mangel an Respekt. Die Arbeiter sollten nicht 10 bis 12 Dollar pro Stunde verdienen. Das ist einfach nur krank.“

Beide Ortsgewerkschaften haben außerdem beim Illinois Public Employment Relations Board (Amt für öffentliche Arbeitsbeziehungen) eine Klage gegen das Krankenhaussystem eingereicht, weil es sich weigert, in gutem Glauben zu verhandeln.

Quelle:

UZ – Unsere Zeit