Sonntag, 21. Oktober 2018
Solidaritätsanzeige

Sonderseite des Russia ReporterTransnationale Chemiekonzerne wie Dow Chemical oder Union Carbide lassen offenbar Umweltaktivisten im indischen Bhopal geheimdienstlich überwachen. Gruppen wie die »Yes Men« engagieren sich für eine Entschädigung der Opfer der verheerenden Chemiekatastrophe von 1984. Damals waren in einem Werk der Union Carbide of India Limited rund 40 Tonnen Methylisocyanat (MIC) in die Atmosphäre freigesetzt und trieben in einer Giftgaswolke dicht über dem Boden durch ein angrenzendes Elendsviertel- Von den unmittelbar betroffenen rund 500.000 Menschen starben nach offiziellen Angaben 1.600 Menschen sofort und rund 6.000 weitere an den unmittelbaren Nachwirkungen. Bis heute summiert sich die Zahl der Opfer auf mindestens 20.000 Personen. Rund 100.000 Menschen leiden heute unter chronischen und unheilbaren Krankheiten, die sich offensichtlich zum Teil weitervererben können; Noch heute ist jede vierte Geburt in Bhopal eine Totgeburt. Sich vor den Opfern dieser Katastrophe zu schützen, ist den Konzernen offenbar einiges wert. Beauftragt wurde dafür der private US-Nachrichtendienst Stratfor.

Unter anderem dieser Fakt geht jedenfalls aus rund fünf Millionen E-Mails hervor, die der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt wurden. Die Dateien stammen offenbar aus einem dem »Anonymous«-Kollektiv zugeschriebenen Hackerangriff auf die Homepage von Stratfor im vergangenen Dezember und umfassen den Zeitraum von Sommer 2004 bis Ende 2011. Am heutigen Montag begann Wikileaks in Kooperation mit 24 Medien aus aller Welt, den Schriftverkehr zu verbreiten. Stratfor verurteilte das als »bedauerlichen, unglücklichen und illegalen Bruch der Privatsphäre« und warnte, der Inhalt einiger veröffentlichter Dateien könne verfälscht sein. Man selbst werde zu deren Inhalt keine Stellung nehmen.

Deshalb kommentiert Stratfor auch nicht die Berichte, wonach der Coca-Cola-Konzern ebenfalls zu den Klienten gehört. Der Konzern hatte Stratfor demnach im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver beauftragt, die Tierrechtsorganisation PETA zu überwachen, um deren Aktivisten rechtzeitig erkennen zu können.

Stratfor war in der Öffentlichkeit bislang vor allem für seine Analysen bekannt war, die der Dienst auf seiner Homepage und per E-Mail verbreitete. Einer ebenfalls von Wikileaks veröffentlichten Kundenliste zufolge zahlen jedoch Computer- und Erdölunternehmen wie Dell, Chevron oder Intel sowie die US-Luftwaffe und US-Marines Zehntausende Dollar an den Dienst. Nur für ein Mailabo dürften diese Summen nicht geflossen sein. Enge Beziehungen pflegte Stratfor offenbar auch zur Investmentbank Goldman Sachs.

Unter Berufung auf israelische Quellen verbreitete Stratfor zudem Spekulationen über den Gesundheitszustand des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Mitarbeiter des Dienstes träumten zudem in ihrer internen Korrespondenz davon, für Chávez und den bolivianischen Präsidenten Evo Morales einen tödlichen Hubschrauberunfall zu inszenieren.

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