18 | 07 | 2019

Solidarität aus MarburgMarburger AktivistInnen haben am Sonntagabend nach einer Kundgebung am Rudolphsplatz als Reaktion auf die anhaltenden Proteste in der Türkei spontan das Aktionsbündnis »Taksim ist überall und überall ist Widerstand« . Das Bündnis orientiert sich dabei an dem gleichnamigen bundesweiten Aktionsbündnis. Die Kundgebung verlängerte das Marburger Aktionsbündnis als Mahnwache über die Nacht hinweg. Für den heutigen Montag ruft es um 16 Uhr zu einer weiteren Kundgebung auf.


 
Das Aktionsbündnis verfolgt auch das Ziel, die Solidarität mit dem Taksim-Protest in Marburg besser zu organisieren und zu vernetzten. Das Aktionsbündnis geht davon aus, dass die Bewegung in der Türkei an Stärke gewinnen wird. Zudem will es die Anliegen und Ziele der Protestbewegung in der Türkei in den Fokus der Berichterstattung rücken. Gründe der Proteste sind neben der Polizeigewalt und der autoritären Politik der AKP-Regierung, eine Reihe von strukturellen Problemen. »So führt diese Politik zu einer Verschärfung sozialer Ungleichheiten und der Unterdrückung Oppositioneller, u.a. durch die Inhaftierungen von regierungskritischen JournalistInnen, GewerkschafterInnen und AnwältInnen«, führt Esra aus. Zudem wurden weitere Reformen des Bildungssystems durchgeführt, mit denen die Erdoğan-Regierung eine »fromme Generation heranziehen« will. Darüber hinaus wird versucht, legale Abtreibung abzuschaffen und das faktische Verbot von Alkohol in den Städten einzuführen.

Daneben spielt besonders die Umstrukturierung von Städten, auch bezogen auf die Wohnraumsituation und den Zugang zu öffentlichem Raum, eine entscheidende Rolle. Gerade dieses Thema wurde von den Protesten um den öffentlichen Gezi-Park aufgegriffen. Ohne sich mit der Lage in türkischen Großstädten zu vergleichen, sieht das Bündnis hier Parallelen zur aktuellen Situation in Marburg. Die Verdrängung aus der Nordstadt und die Wohnraumsituation im Stadtzentrum folgen einer neoliberalen Logik der Profitmaximierung, welche im Widerspruch zu demokratischen Verfahren steht und zu gesellschaftlichen Ausschlüssen führt.
 
»Wie stark grundlegende demokratische Rechte in diesem Zusammenhang eingeschränkt werden, wurde zuletzt in den vergangenen Tagen in vielen Städten in der Türkei und auch während der Blockupy-Aktionstage in Frankfurt deutlich«, erklärt Berivan, die die Nacht auf dem Rudolphsplatz verbrachte.
 
Für die aktuellen Entwicklungen in der Türkei tragen auch Regierungen der BRD eine Verantwortung. Jahrelang wurde der autoritäre, anti-demokratische Kurs der AKP-Regierung politisch unterstütz. Auch militärisch besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen deutschen Rüstungsunternehmen und dem türkischen Staat, welche es dem türkischen Militär ermöglicht einen nun fast 30 Jahre andauernden Krieg gegen die kurdische Opposition zu führen. Zu dieser Situation sagt Martin: »Das ist nur ein Grund mehr, auch in der BRD auf die Straße zu gehen«. Das Aktionsbündnis ruft deshalb heute für 16 Uhr zu einer Protest-Kundgebung auf dem Rudolphsplatz auf.

Weitere Informationen: http://taksimmarburg.wordpress.com/

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