Mittwoch, 12. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Igor Strelkow im Fernsehstudio. Foto: ScreenshotAm gestrigen Dienstag strahlte der »Erste Republikanische Kanal«, der offizielle Fernsehsender der Donezker Volksrepublik, ein Gespräch mit Igor Strelkow, dem Oberkommandierenden der Donezker Volksmiliz, aus. Der Blog »The Vineyard of the Saker« veröffentlichte am heutigen Mittwoch eine von Gleb Bazov übersetzte englischsprachige Transkription des Gesprächs, in dem Strelkow unter anderem begründet, warum sich die bewaffneten Kräfte der Volksrepublik aus Slowjansk zurückgezogen haben. Der Fernsehsender ist - nach eigenen Angaben - aufgrund eines Hackerangriffs inzwischen zumindest online nicht mehr zu empfangen.

Wir dokumentieren nachstehend die von Dagmar Henn ins Deutsche übersetzte Transkription des Gesprächs.

 

Gastgeber: Guten Tag, heute begrüßen wir in dem Studio des ersten Fernsehkanals der Republik den Verteidigungsminister und Vorsitzenden des Sicherheitsrats, Igor Iwanowitsch Strelkow, der eine Ansprache an die Bürger der Volksrepublik Donezk halten will…

Igor Strelkow (IS): Guten Tag.

Gastgeber(GG): Und den Leiter der Volksmiliz der DNR, Pawel Gubarew.

Pawel Gubarew (PG): Guten Abend.

GG: Igor Iwanowitsh, bitte fahren Sie fort.

IS: Ich möchte alle Zuseher, die mich jetzt sehen und hören, willkommen heißen und sagen, dass ich, in diesem für die Menschen der Donezker Republik sehr schwierigen Moment,  froh bin, hier bei Ihnen zu sein und dass ich gemeinsam mit Ihnen unser gemeinsames Mutterland Russland verteidigen kann, das, wie ich glaube, von den Grenzen der Staatsformation, die Ukraine genannt wird, bis in den Fernen Osten reicht.
Es ist ganz genau Russland, für das wir hier kämpfen, und in Verbindung damit für die Rechte der Republiken von Donezk und Lugansk. Wir kämpfen für Ihr Recht Ihre Sprache selbst zu bestimmen, Ihre Kultur, Ihre Lebensweise, und Ihr Recht, sich von jenen zu befreien, die Ihnen von Menschen aufgezwungen werden, für die Ihr Land und Ihre Gesellschaft nur die Objekte politischer Machenschaften und unterschiedlichster finanzieller Spekulationen sind. Menschen, die von außen kontrolliert werden und sich nicht einmal bemühen, dies zu verbergen. Das ist, was wir bekämpfen und weiter bekämpfen werden. Und ich hoffe, dass wir weiter Ihre Unterstützung genießen.
Ich habe mich nicht gesondert auf eine Ansprache vorbereitet; ich habe den ganzen Tag mit strategischer Planung verbracht. Demgemäß werde ich keinen Text ablesen oder eine vorbereitete Rede halten. Das Personal des Senders hat eine Reihe Fragen an mich vorbereitet. Indem ich diese Fragen beantworte, hoffe ich, Ihre Besorgnis zu zerstreuen, was die Ereignisse angeht, wie die Feindseligkeiten sich entwickeln und wie wir die weitere Verteidigung der Republik planen. So, ich denke wir sollten unserem Gastgeber nun die Möglichkeit geben, fortzufahren.

GG: Igor Iwanowitsch, hier ist eine Schlüsselfrage, die wir ständig hören: Warum wurde Slawiansk aufgegeben und warum wurden die Streitkräfte nach Donezk und in die umliegenden Städte verlagert?

IS: Seit Beginn der Feindseligkeiten diente Slawiansk als Schild für Donezk. Indem wir unsere Position in Slawiansk eingenommen haben, errichteten wir einen Schild, der das gesamte Gebiet der Donezker wie der Lugansker Republik beschirmte. Wir fingen die größte Wucht der feindlichen Offensive ab und lenkten ihre Kräfte ab, womit wir der politischen und sozialen Führung der Republiken die Gelegenheit gaben, sich zu organisieren und, nach unserem Vorbild, die Zügel der Macht aus den Händen der Junta zu nehmen und somit in einem gewissen Grad zu verhindern, dass sie sich etabliert.
Darum waren wir überzeugt, indem wir sicherstellten, dass diese Aufgaben erfüllt werden – speziell diese Aufgabe -  sowohl in Donezk als auch in Lugansk Regierungen entstanden, die mit dem Willen der Menschen übereinstimmten, staatliche Souveränität zu erlangen und das Referendum durchzuführen, und diese im Stande waren, ihre eigenen Streitkräfte zu schaffen, dann sahen wir, dass unsere eigene Aufgabe grundsätzlich erfüllt war.
Es ist natürlich, dass Slawiansk für mich persönlich und für alle von uns eine sehr wichtige Stadt geworden ist und bleibt, eine Stadt, der wir tief verbunden sind. Hätten wir die Möglichkeit gehabt, es zu halten, hätten wir es unzweifelhaft so lange wir konnten verteidigt. Die militärische Lage, die sich entwickelt hat, bedeutete jedoch, dass ein weiteres Halten von Slawiansk zu nicht zu rechtfertigenden Verlusten auf Seiten der Milizen geführt hätte, und eine weitere Sicherung der Stadt diente keinem weiteren strategischen oder taktischen Zweck.
Der Feind hat nahe der Stadt eine ungeheure Macht aus Artillerie und Panzerfahrzeugen zusammengezogen. Ohne ausreichende Mengen schwerer Waffen, Artillerie und vor allem Munition konnten wir nicht viel länger widerstehen. Wir haben den Feind Schritt für Schritt zurückgehalten, Tag für Tag gewonnen, und mussten uns dennoch auf die Grenzen der Stadt zurückziehen. Und schließlich kam der Tag, an dem sich die Situation bis zu dem Punkt entwickelt hatte, an dem wir begriffen, dass der Ring um die Stadt geschlossen war und dass der taktische Plan des Gegners nicht darin besteht, uns anzugreifen, sondern einfach darin, die Stadt dem Erdboden gleich zu machen, sie mit Artillerie zu zerstören und dann unsere Infantrie mit Panzern zu überrennen.
Wir verstanden, dass uns ausreichend Waffen fehlten, uns gegen eine solche Taktik zu verteidigen. Ernsthaft fehlten. Wir verstanden ebenso, dass der Feind uns im Verlaufe einiger Tage schlicht auslöschen würde, ohne dass wir ihm entsprechende Verluste zufügen könnten.
In dieser Situation wurde eine Entscheidung getroffen. Ich habe diese Entscheidung persönlich getroffen. Ich teilte diese Verantwortung mit niemandem. Obwohl ich sie einzig dem Militärrat bekanntgab, der dort tätig war. Die Entscheidung war, sich zurückzuziehen, um die Garnison und die Stadt vor bedeutungsloser Zerstörung zu bewahren. Sie war tatsächlich bedeutungslos, denn wir hätten in Trümmer geschossen werden können, aus einer Entfernung, auf die wir nichts entgegensetzen konnten. Die erfahrenen, in der Schlacht gestählten Einheiten wurden auf neue Positionen zurückgezogen, wo sie weiterhin die Republik verteidigen können.
Des Weiteren fanden wir nach unserem Ausbruch aus der Umkreisung heraus, dass am selben Tag der Feind Artjomowsk genommen hatte und die ziemlich kleine Miliz, die dort stationiert war, vertrieben hatte. Dadurch entstand eine reale Gefahr, dass nicht nur Slawiansk, sondern die ganze Region Kramatorsk-Drushkowka-Konstantinowka eingeschlossen und belagert würde. Tatsächlich ist genau das der Grund warum die Entscheidung gemacht wurde, aus dall den anderen Städten abzuziehen, weil der Feind dabei war, unsere Kommunikationslinien zu unterbrechen, denn sie in der Umzingelung zu verteidigen machte praktisch keinen Sinn. Das hätte nur mehr unnötige Opfer und unnötige Zerstörung ausgelöst.

GG: Danke. Für mich sind die Männer, die zurückblieben, um Ihren Rückzug zu decken, Helden. Können Sie uns mehr über sie erzählen?

IS: Es waren nur einige Dutzend Männer, die zurückblieben, um den Rückzug zu decken. Tatsächlich haben sie ihre Aufgabe bewundernswert erfüllt. Soweit ich im Augenblick weiss, hat die Mehrheit die Einkreisung durchbrochen. Mehr noch, ich habe gerade erfahren, dass selbst die Gruppe, die unseren Rückzug aus Nikolajewka schützte, dass 13 Kämpfer aus dieser Gruppe erfolgreich herausgekommen sind und in Seversk bereitstehen, unter minimalen Verlusten.

GG: Gut. Hier ist eine weitere Frage. Ist die Stadt Donezk zum jetzigen Zeitpunkt bereit, sich gegen eine längere Belagerung zu verteidigen und mit der Zeit zur Offensive überzugehen?

IS: Nun, sicher, ich kann nicht sagen, dass die Stadt zur Verteidigung bereit ist, schon deshalb nicht, weil die Stadt als Ganze weiter so funktioniert als wäre Frieden. Es wurden fast keine Verteidigungsmaßnahmen getroffen. Der Zustand der Verteidigungsmaßnahmen der Stadt bis heute entspricht dem Stand von Slawiansk vor zwei Monaten. Mit anderen Worten, die Befestigung der Stadt reicht aus, um gepanzerte Personentransporter und so etwas wie die Nationalgarde oder Einheiten des Innenministeriums aufzuhalten.
Was die gepanzerten Kolonnen des Feindes angeht, der nun massiv Panzer und Artillerie einsetzt, so kann sich zu diesem Zeitpunkt die Stadt nur unter großen Schwierigkeiten und um den Preis bedeutender Verluste der Milizen dagegen verteidigen. Wir ergreifen jedoch täglich dringende Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Stadt für die Schlacht bereit ist. Soviel zur Frage der Befestigung.
Was die Stimmung der Bevölkerung angeht, ist es offensichtlich, dass die Bewohner von Donezk weiterhin völlig friedlich leben. Es fällt ihnen noch schwer zu begreifen, oder sie weigern sich zu glauben, dass es passieren kann, dass der Feind, die ukrainischen Strafeinheiten, einen massiven Artilleriebeschuss beginnen und massive Luftangriffe gegen Wohnviertel unternehmen werden. Nun, wir haben das eine lange Zeit auch nicht geglaubt.
Im Verlauf eines Monats allerdings, oder, genauer, nach drei Monaten der Belagerung, aber einem Monat einer aktiven Belagerung, wurden wir davon überzeugt, dass der Feind sich für die Taktik entschieden hat, nicht gegen unsere bewaffneten Einheiten vorzugehen, die Selbstverteidigung der Miliz, sondern für eine terroristische Taktik der Zerstörung – der Zerstörung von Infrastruktur, der Zerstörung von Industrieunternehmen. So seltsam es scheinen mag, und ich finde es überhaupt nicht seltsam, obwohl manche es tun, die Hauptziele, auf die die Schläge in Slawiansk und Kramatorsk gerichtet waren, waren nicht die Stellungen der Miliz, obwohl diese genauestens bekannt waren, nicht einmal die Stadtbezirke, sondern Fabriken und Industrieunternehmen.
Insbesondere in Nikolajewka fuhr der Feind für ganze drei Tage fort, das Kraftwerk mit Granaten zu beschießen, obwohl dort kein einziger Milizionär war. Mehr noch, der Beschuss wurde einen ganzen Tag fortgesetzt, als die Miliz die Stadt bereits verlassen hatte. Mit anderen Worten, der Beschuss erfüllte keinen militärischen Zweck. Auf gleiche Art und Weise wurden eine Reihe von Fabrikgeländen in Slawiansk beschossen, auf die kein Milizionär jemals den Fuß gesetzt hatte. Dort gab es keine Straßensperren, nicht einmal Außenposten. Dennoch wurden sie regelmäßig und gründlich mit Artillerie zerschossen.
Mit anderen Worten, die Absicht, von der wir hier reden, bestand nicht darin, die Miliz aus der Stadt zu vertreiben. Das war nicht die Absicht. Ihr Ziel war es, die größtmögliche Zerstörung der Infrastruktur zu erzielen, während sie die Milizen vertrieben, um dadurch die Menschen ohne Arbeit, ohne Wohnung, ohne das Lebensnotwendige zu lassen. Im Ergebnis, um das Ziel zu erreichen, die Menschen zur Flucht zu treiben, indem man ihnen keine Möglichkeit lässt zu überleben, selbst nach Einstellung der Feindseligkeiten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die gegenwärtige ukrainische Führung und die Führung der ukrainischen Armee nicht davor zurückschrecken wird, mit Donezk das gleiche zu tun. Niemand sollte Illusionen hegen – selbst wenn wir uns von hier zurückziehen, werden sie den Bewohnern von Donezk nicht erlauben, weiterhin hier zu leben. Das sogenannte vereinigte Europa will keine Konkurrenz durch die Industrie von Donezk. Sie wollen keine Konkurrenz durch unsere Wissenschaftler. Alles was sie hier behalten wollen ist ein Territorium, aus dem sie einige hunderttausend oder vielleicht ein paar Millionen billige Arbeitskräfte ziehen können, um sie in Europa zu gebrauchen. Das ist alles, was sie wollen.

PG: Und das Schiefergas, versteht sich.

IS: Ich werde nichts zum Thema Schiefergas sagen, weil ich auf diesem Gebiet kein Fachmann bin. Wie auch immer, es steht fest, dass sie versuchen, den industriellen Kern des Donbass zu zerstören, der, zum einen, eine ernste Konkurrenz für die europäische Industrie darstellt, und, zum anderen, fast ausschließlich oder zumindest zu einem bedeutenden Teil, für den russischen militärisch-industriellen Komplex arbeitet.

GG: Wenn man nach ihren Aussagen geht, hegen sie nicht den Wunsch, eine russische Bevölkerung auf unserem Territorium zu sehen. Wir allerdings begreifen dies als unser Land – die Volksrepublik Donezk, die Volksrepublik Lugansk. Wir werden unser Land nicht verlassen. Und jetzt würde ich gerne den Blick genauer auf die Milizen richten. Haben wir genug Milizionäre? Diejenigen mitgezählt, die Pawel Gubarew für Sie angeworben hat?

IS: Nein, sicher nicht. Selbst für eine große Stadt von einer Million, ohne den Rest der Republik zu zählen, sind es zu wenige Milizionäre. Das Gebiet der Stadt ist riesig. Das Gebiet der Republik, das von der Regierung der DNR kontrolliert wird, ist ebenfalls ausreichend groß; es ist sehr groß.
Darüber eine sichere Kontrolle zu erreichen und es mit den Kräften zu verteidigen, die wir augenblicklich haben, ist nicht an sich unmöglich; aber wenn wir der großen Übermacht des Feindes gegenüberstehen, ich würde es in Bezug auf Panzerfahrzeuge und Artillerie eine absolute Übermacht nennen, ohne seine Herrschaft im Luftraum überhaupt in Betracht zu ziehen, ist es außergewöhnlich schwer, dieses Gebiet mit unseren gegenwärtigen Kräften zu verteidigen.
Ich würde meinen früheren Bemerkungen gerne hinzufügen, dass es unmöglich ist, einen Krieg halb zu führen. Es ist ein Fehler, zu erwarten, dass irgenwer irgendwie irgendwo im Stande sein wird, diese Republik mit geringen Kräften und einem knappen Budget zu verteidigen. Wir brauchen eine ernsthafte Mobilisierung von Ressourcen. Unglücklicherweise wurden die benötigten Ressourcen, vor allem anderen an Bewaffnung und Munition, nicht vorbereitet; im Augenblick gibt es sie nicht.
Wenn solche Ressourcen gegeben wären, hätten wir ohne Zögern die allgemeine Mobilmachung durchgeführt. Es macht nichts aus, wenn drei Viertel der Männer im wehrfähigen Alter sich entzogen hätten; das verbliebene Viertel wäre genug. Unglücklicherweise haben wir diese Mobilisierungsfähigkeit nicht. Dennoch sind wir in der Lage, in einer sehr kurzen Zeit mehrere tausend Freiwillige zu bewaffnen, auszurüsten und auszubilden, wenn auch auf sehr oberflächliche Art.
Ich glaube, dass etwa acht- bis zehntausend Mann genug wären, um die ukrainische Armee endgültig und unwiderruflich zu stoppen, die vor allem deshalb Siege erringen konnte, weil es in unserer Verteidigung bedeutende Lücken gibt und weil sie beweglich sind und ein Hinterland haben. Das Hinterland unserer Operationen ist in sehr schlechtem Zustand. Unsere Versorgungslinien sind zu schwach. Aber wir werden weiter kämpfen und sie weiter aufhalten.
Dennoch, ohne aktivere Beteiligung der Bevölkerung des Donbass an der Verteidigung wird es schwer werden, ihnen zu widerstehen. Wir brauchen Leute. Ich wiederhole für Sie, wir müssen acht- bis zehntausend Mann in die Reihen der Milizen holen, um die Verteidigung zu sichern. Ob es Freiwillige oder Eingezogene sind, macht keinen Unterschied.

GG: Gibt es einen Mangel an Freiwilligen mit bestimmten Fähigkeiten oder beruflichen Kenntnissen?

IS: Erst einmal brauchen wir jeden. Wir brauchen Fachleute mit allen Arten militärischer Kenntnisse, aber auch Leute ohne spezifische Kenntnisse. Im Krieg können Leute im Verlauf einiger Tage lernen, insbesondere während aktiver Feindseligkeiten. Und umgekehrt können sich hochqualifizierte Fachleute, die nie an einem Krieg teilgenommen haben, wenn sie an die Front geschickt werden und in echtem Feuer stehen, oft als schlicht untauglich erweisen. So läuft das im Militär.

GG: Wir haben eine für Sie etwas schwierige Frage von unseren Zuschauern. Was sollten Zivilisten tun; was können sie erwarten? Wie ernst ist die Gefahr? Sie haben einige dieser Themen bereits angerissen, aber können Sie uns die Gefahr benennen, der wir gegenüberstehen?

IS: Ich möchte niemand erschrecken, aber ich glaube, dass die außer Kontrolle geratene Junta mit Sicherheit das volle Arsenal an Kräften und Mitteln, das ihr zur Verfügung steht, zum Einsatz bringen wird, wenn es keine wirkliche Unterstützung aus Russland gibt, wenn Russland keine direkte militärische Hilfe leistet; insbesondere, weil die Entscheidungen nicht von der Junta gefällt werden, sondern vor allem jenseits des Ozeans. Und dort haben sie beschlossen, den Donbass bis in den Kern zu zerstören. Entweder wollen sie Russland hier in einen globalen Krieg zwingen, auf dem Gebiet der Ukraine, oder sie werden alles, was sie wollen, ohne Krieg nehmen. Und darum werden sie weiter vorrücken, weiter bomben, weiter mit Granaten beschiessen.
Und ich wiederhole noch einmal: jeder Mann muss selbst die Wahl treffen. Wenn er ein Mann ist, muss er bereit sein, das Mutterland zu verteidigen. Sicher, nicht jeder kann das, nach seiner Moral oder seinen charakterlichen Anlagen. Bei weitem nicht jeder. Offen gesprochen ist jedoch die Zahl der Freiwilligen, die sich über den Zeitraum von drei Monaten gemeldet haben, für die viele Millionen zählende Bevölkerung des Donbass, das Land der Bergleute, wo die Leute an schwere und gefährliche Arbeit gewöhnt sind, zu klein. Ich würde gerne die Beobachtung teilen, dass viele sich vermutlich den Milizen angeschlossen hätten, wenn es finanzielle Sicherheit für ihre Familien gäbe.

GG: Ja, das stimmt.

IS: Jetzt wird es diese finanzielle Sicherheit geben. Von diesem Monat an planen wir, den Mitgliedern der Miliz Summen zu zahlen, die nach den örtlichen Standards ganz bedeutend sind. Genau gesagt, fünf- bis achttausend Griwna. Wir planen, diese Zahlungen im Juli zu beginnen. So hilft das vielleicht jenen, die zögern, endlich die Stärke zu finden, sich unseren Reihen anzuschließen. Mit anderen Worten, wir werden ein Berufsheer aufstellen.

GG: Ok, verstanden. Wird es Verhandlungen geben… nun, Sie sprachen von Russland… aber was ist mit Südossetien, das unsere Unabhängigkeit anerkannt hat?

IS: Ich bin nicht darauf vorbereitet, auf diese Frage zu antworten.

GG: Ich verstehe. Was ist heute an der Kohlenmine Nummer 21 in Pokrowka passiert?

IS: Eine SU 25 hat angegriffen und acht Raketen dorthin abgeschossen, wo sie eine Stellung einer unserer Einheiten vermuteten. Aber sie haben sie verfehlt.

GG: Gibt es Verwundete, Tote?

IS: Nein, keine Opfer. Ich sagte doch, sie haben sie verfehlt.

GG: Ok, gut. Das ist ermutigend. Und können Sie die militärische Lage in Sneshnoje und in Saur-Mogila kommentieren? Wie halten sich unsere Milizionäre dort?

IS: Sie halten sich gut. Dort ist eine gemeinsame Einheit stationiert. Zuerst würde ich gerne erwähnen, dass das Batallion Vostok dort stationiert ist, geleitet von einem ausreichend fähigen Kommandeur. Er hat seine Leute kompetent verteilt, und ihnen ermöglicht, diese Schlüsselposition mit minimalen Verlusten zu halten.
Ich glaube, dass wir Sneshnoje und die Umgegend weiter halten werden. Nennenswerte Verstärkung ist dahin unterwegs. Wir werden dem Feind nicht erlauben, in Richtung auf den Don vorzustoßen, und damit den Korridor zu durchtrennen, der uns jetzt mit der Region Lugansk verbindet.

GG: Ok, also haben wir jetzt eine Koordination mit Lugansk?

IS: Es gibt im Moment keinen Grund zur Beschwerde. Die Koordination ist schwach, aber sie wird schrittweise besser.

GG: Und lassen sie uns hinzufügen, von den Zuschauern und von mir selbst, ein einheitliches koordinierendes Zentrum ist nötig, oder ein Büro eines Armeekommandanten, in dem sich Freiwillige einschreiben können und von dem sie nach ihren Vorlieben in die verschiedenen Batallione geschickt werden können. Wir haben einfach mehrere Telefonnummern, die wir während der Sendungen verbreitet haben. Es wäre nützlich, wenn es ein einheitliches Koordinationsbüro gäbe.

IS: Das ist unglücklicherweise das Gesetz der menschlichen Psychologie, die Geschichte hat das bei vielen Gelegenheiten bewiesen. Der Prozess der Umwandlung von Guerillaeinheiten in eine reguläre Armee oder auch nur reguläre bewaffnete Einheiten ist sehr schwierig. Er ist sehr komplex und braucht viel Zeit. Charaktere stoßen zusammen, und der Ehrgeiz der Leute steht im Weg. Es sind viele objektive und subjektive Faktoren beteiligt. Unglücklicherweise gibt es keinen Zauberstab, der alles schnell zusammenfügen könnte. Dennoch hat diese Aufgabe für uns Priorität, weil natürlich die fortgesetzte Existenz mehrerer unterschiedlicher Gruppen mit eigenem Kommando nicht erlaubt werden kann. Das ist sowohl vom Standpunkt der Durchführung militärischer Operationen als auch vom Standpunkt, in der Nachhut der Armee Ordnung zu halten, her unannehmbar.
Heute haben wir endlich ein gemeinsames Treffen durchgeführt, das von den Kommandeuren der Milizeinheiten ebenso wie von jenen aus anderen Regionen besucht wurde, wie dem Batallion Vostok und dem Batallion Oplot. Wir haben eine wichtige Übereinkunft erreicht, bezogen auf die Grenzen unserer jeweiligen Zuständigkeiten, in Hinsicht auf die Erstellung regionaler Kommandanturen und das gemeinsame Büro des Stadtkommandanten, und in Hinsicht auf die Einführung des Kriegsrechts in Gebieten, die an die feindlichen Stellungen angrenzen. Bisher planen wir in der gesamten Stadt weder die Einführung des Kriegsrechts noch die einer Ausgangssperre. Wir warten, bis der Gegner direkt angreift; wir haben beschlossen, das Leben unserer Bürger nicht vorzeitig zu erschweren.

GG: Unsere Regierung, Pushilin, Boroday, sind, soweit ich verstanden habe, jetzt gerade in Moskau. Andrei Purgin ist hier. Werden mit Moskau Verhandlungen geführt?

IS: Das kann ich nicht kommentieren, weil ich mich gerade nur mit militärischen Fragen beschäftige.

GG: Ok, fein. Danke. Wir werden dann Katja Mikhailowa bitten, Vertreter der Republik einzuladen, die das entsprechende Wissen besitzen und auf diese Fragen antworten können.

IS: Ich würde gerne noch eine Sache hinzufügen, ein paar Worte. Unglücklicherweise, und das will ich nicht verbergen, hat die Ankunft einer nennenswerten Zahl von Milizionären in Donezk, von denen viele über Wochen nicht aus den Schützengräben herausgekommen sind, zu einer Reihe von Vorfällen geführt. Glücklicherweise ist niemand dabei zu Schaden gekommen.
Ich bitte die Einwohner von Donezk, die Tatsache zu verstehen, dass die Leute, die hier gerade angekommen sind, nicht nur einfach ernstem Stress, sondern über Wochen und Monate tödlichen Gefahren ausgesetzt waren.
Im Batallion von Semjonowka wurden manchmal bis zu 20 Mann am Tag verletzt oder getötet. Vor allem verletzt, natürlich, aber dennoch. Die Miliz war massivem Granatenbeschuss ausgesetzt, auch durch chemische Waffen, Brandsätze, Splittermunition, und durch Artillerieeinheiten schwerster Kaliber.
Nicht alle Kämpfer erwiesen sich als ausreichend vorbereitet, um nach all der Mühsal in den Schützengräben und aus den zerstörten und kontinuierlich beschossenen Städten Slawiansk und Kramatorsk in einer absolut friedlichen Stadt anzukommen.
Nicht alle reagierten angemessen auf diesen scharfen Wechsel der Verhältnisse. Und es gab Fälle, in denen die Kämpfer sich den Bewohnern dieser Stadt gegenüber unangemessen verhielten. Oder einige von ihnen meinten, dass jetzt alles erlaubt sei, weil sie Helden sind. Nun, das ist wahr, sie sind Helden, weil sie ihre Stellungen unter solchem Feuer gehalten haben.
Einige waren beleidigt. Aber ich wiederhole, es gab keine Opfer und niemand hat durch diese Handlungen ersten Schaden erlitten. Ich entschuldige mich nochmals für diese Vorfälle und möchte Ihnen versichern, dass das Kommando der Miliz solche Sachen sehr streng behandelt. Das zeigt einen Mangel an Disziplin.
Außerdem ist Alkohol in der Miliz verboten. Diese Regel bestand in Slawiansk, und wir werden sie hier auf sehr aktive Weise aufrechterhalten. Wir werden gegen jede Art von Liderlichkeit auf die schärfste Art vorgehen.
Ich muss weiter hinzufügen, dass unter den Bedingungen des Krieges wir jede Übertretung krimineller Natur sehr streng ahnden werden. Nur ernste Übertretungen, natürlich. Alles andere fällt nicht in unsere Zuständigkeit.
Leute, denen in unserer Nachhut ernste kriminelle Handlungen zur Last gelegt werden, werden vor das Militärgericht gebracht. Zudem gibt es, so habe ich es verstanden, viele moralisch unbeständige Leute hier, die versuchen, aus der vorübergehenden unklaren Herrschaft Vorteile zu ziehen. Die Armee wird selbstverständlich alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um Ordnung zu schaffen. Es wird einigen nicht gefallen, aber es gibt keinen anderen Weg.

GG: Ich denke, wir haben die entscheidenden Fragen geklärt. Wir wollen Igor Iwanowitsch nicht länger aufhalten. Er hat viel zu tun. Vielen Dank.

Quelle: The Vineyard of the Saker / Übersetzung: news.dkp.de / RedGlobe

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