Donnerstag, 13. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Beisetzung von Berkin ElvanDer Tod des 15-jährigen Berkin Elvan, der am Dienstag nach 269 Tagen im Koma seinen schweren Verletzungen erlegen war, hat in der Türkei zu einer neuen massenhaften Protestbewegung gegen das Regime von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan geführt. Hunderttausende Menschen nahmen heute in Istanbul an der Beerdigung des jungen Mannes teil, der im vergangenen Juni von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen worden war. Eine riesige Menschenmenge wartete vor der Sisli-Moschee, um Berkin Elvan das letzte Geleit zu geben. Die Taksim-Solidaritätsplattform rief die Trauernden auf, nach der Zeremonie zum Gezi-Park zu kommen und dort für den Verstorbenen Nelken niederzulegen.

 {youtube}G4JGw0TmNEI{/youtube}

Die Polizei sperrte Straßen und kontrollierte die Verkehrsverbindungen zum Taksim-Platz. Dabei kam es einem Bericht der Nachrichtenagentur DIHA zufolge zu kurzzeitigen Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften und den Trauernden. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Menschenmenge ein, die so dichtgedrängt stand, dass die Menschen keine Chance hatten, vor den Schwaden die Flucht zu ergreifen.

Die kurdische Agentur Firat berichtete von exzessiver Polizeigewalt gegen die Demonstranten, die mit Broten zum Taksim-Platz gingen. Damit erinnerten sie daran, dass sich Berkin Elvan gar nicht an den Protesten beteiligt hatte, sondern lediglich bei einem Bäcker Brot für die Familie kaufen wollte, als ihn der Schuss der Polizei traf. Auf Transparenten hieß es »Berkin Elvan ist unsterblich« und »Mörder Erdogan«. Die Regierung wurde zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

Wie Firat berichtete, attackierte die Polizei in Ankara und Izmir die dortigen Trauerkundgebungen. Auch in Istanbul verweigerten die Behörden den Menschen die Genehmigung für einen Marsch und gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die trotzdem versuchten, zum Taksim-Platz zu gelangen. Zu Übergriffen der Uniformierten kam es auch in Mersin, Dersim, Adana und Eskisehir. Insgesamt wurden seit gestern 444 Menschen wegen ihrer Beteiligung an den Trauerveranstaltungen verhaftet. In Dersim erlitt ein Polizeioffizier aufgrund des Tränengaseinsatzes seiner Kollegen einen Herzanfall und starb, meldete Firat weiter.

Quellen: DIHA, Firat / RedGlobe

Real time web analytics, Heat map tracking

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.