Mittwoch, 17. Oktober 2018
Solidaritätsanzeige

FTD vom Freitag, 15.6.2012Die am Freitag erschienene zweisprachige Titelseite der »Financial Times Deutschland«, in der das Blatt die Griechen in ihrer Muttersprache und auf Deutsch warnte: »Widersteht den Demagogen!«, hat unmittelbar vor Öffnung der Wahllokale für Empörung gesorgt. Selbst Repräsentanten der konservativen ND, zu deren Wahl die FTD aufgerufen hatte, zeigten sich empört und befürchten, dass die Wahlempfehlung aus Deutschland genau den gegenteiligen Effekt haben und die Griechen zur Stimmabgabe für das Linksbündnis SYRIZA bewegen könnte. »Wir sind ein stolzes Volk, wir wollen weder Befehle noch Provokationen noch Manipulationen«, erklärte ein ND-Sprecher. Trotzdem dürfte der Kommentar des Leib-und-Magen-Blattes der deutschen Finanzspekulationen bei vielen Griechen den Eindruck verstärkt haben, ND-Spitzenkandidat Antonis Samaras sei nicht mehr als der Statthalter der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Diese hatte am Sonnabend selbst, wenn auch etwas diplomatischer, zur Wahl von Samaras aufgerufen. »Es ist wichtig, dass die Wahlen in Griechenland ein solches Ergebnis haben, dass der mit der Bildung einer neuen Regierung Beauftragte sagen kann: Ja, wir respektieren die übernommenen Verpflichtungen.« Gemeint sind die brutalen Kürzungspakete (Memorandum), die Berlin und Brüssel den Griechen aufgezwungen haben und die in dem südeuropäischen Land zu Verelendung, Massenarbeitslosigkeit und einer allgemeinen Verarmung geführt haben. Wie ein Ausweg aus dieser Situation bei Festhalten an den Kürzungen möglich sein soll, verraten weder Merkel noch die FTD den Griechen. Deshalb verspricht sogar Samaras ein »Nachverhandeln« der Kürzungen mit der EU.

»Das ist eine offene und beispiellose Einmischung, die die nationale Würde verletzt und versucht, die Demokratie zu untergraben«, protestierte SYRIZA gegen die Einmischung aus Deutschland. »Nun fehlt nur noch, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel persönlich nach Griechenland kommt, um für die Rechte zu stimmen.« Auch die sozialdemokratische PASOK sprach von fehlendem politischen Taktgefühl. »Wir haben unter einer deutschen Diktatur gelebt, und nun trauen sie sich, uns zu sagen, wen wir wählen sollen und wen nicht«, kritisierte einer ihrer Sprecher.

Unterdessen hat SYRIZA-Chef Alexis Tsipras erneut angekündigt, dass er eine »Regierung aller Griechen« anstrebe, die den Verbleib des Landes in der Euro-Zone sichern und einen »nationalen Plan zur Wirtschaftserholung« durchsetzen werde. Er bleibe allerdings beim »Nein zum Memorandum des Bankrotts«. Antonis Samaras und seine Nea Dimokratia stünden hingegen für ein »Europa der Vergangenheit«.

Die Generalsekretärin der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Aleka Papariga, hatte zum Abschluss des Wahlkampfs ihrer Partei noch einmal einer Regierungsbeteiligung eine Absage erteilt. Die Teilnahme der KKE an einer Regierung »mit falschen Richtlinien« würde einem Bruch mit der »historischen Rolle der Partei« gleichkommen, unterstrich sie. Die KKE hält den Wahlversprechen der SYRIZA für Demagogie, da sich das Linksbündnis gegen einen Bruch Griechenlands mit der EU und der NATO streube. Ohne einen solchen radikalen Schritt sei ein Ende der Kürzungspolitik jedoch nicht durchführbar.

Die Wahllokale schliessen um 18 Uhr MESZ, mit sicheren Hochrechnungen wird jedoch nicht vor 20.30 Uhr MESZ gerechnet. RedGlobe wird heute abend aktuell über die eintreffenden Zahlen informieren.

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