Sonntag, 21. Oktober 2018
Solidaritätsanzeige

Auf dem Taksim-PlatzDas Aktionsbündnis »Taksim ist überall und überall ist Widerstand« ruft für den morgigen Freitag und das Wochenende bundesweit zu Solidaritätsdemonstrationen mit dem Widerstand in der Türkei auf. »Aus dem Protest gegen den Bau eines Einkaufszentrums wurde ein Kampf um Demokratie«, heißt es in dem Appell des Bündnisses, dem unter anderem das bundesweites Blockupy-Bündnis, der Verband der Studierenden aus Kurdistan - YXK, Yek-Kom, Föderation kurdischer Vereine in Deutschland, die Interventionistische Linke, das Kurdische Frauenbüro für Frieden, DIDF - Föderation Demokratischer Arbeitervereine, ATIF - Föderation der Arbeitsimmigranten in Deutschland, ATIK -  Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa, die Neue Demokratische Jugend (YDG), No Troika Rhein-Main sowie AktivistInnen aus attac und dem Netzwerk Friedenskooperative angehören.

 

Weiter heißt es in dem Aufruf: »Als eine Gruppe von UmweltaktivistInnen, antikapitalistische GentrifizierungsgegnerInnen, FeminstInnen, antirassistische Gruppen und kurdische BDP-Abgeordnete Ende Mai begannen, den Gezi-Park zu besetzen, konnte niemand ahnen, was folgen würde. Wenige Tage später schon versammelten sich Hunderttausende auf  dem benachbarten Taksim-Platz. Die Demonstrationen weiteten sich auf  andere Städte der Türkei aus. Jetzt ging's ums Ganze. Staat und Polizei zeigten sofort, dass sie das begriffen hatten.
 
Tausende von Verletzten und mindestens vier Tote waren die Folge. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni kam es zu Polizeiangriffen von ungeheuerlicher Brutalität. Einen ganzen Tag lang wehrten sich die Menschen auf den Plätzen, in der Nacht darauf schlug die Polizei erneut zu. Ministerpräsident Erdogan sprach nicht mehr nur von „Çapulcu“ (Marodeuren), sondern offen von „Terroristen“ – und davon, dass „niemand davon kommen“ werde. Den Kampf um Demokratie haben Erdogan und seine uniformierten Banden nicht ersticken können, im Gegenteil: Er wird weitergeführt, in der Türkei, in Kurdistan und überall!
 
Weltweit gleichen sich die  Bilder. Frankfurt und Istanbul, Tunis, Kairo, Athen, New  York, Madrid, Teheran, Aleppo und Qamishli. Tausende, Zehntausende,  Hunderttausende sind nicht länger bereit, sich Mächten und  Verhältnissen  zu beugen, die ihnen nicht nur das Einkommen, die  Wohnung, den Zugang  zu Bildung und Gesundheit, ihre in Jahrzehnten  erkämpften sozialen und  politischen Rechte, sondern schlicht die Luft  zum Leben und die Aussicht  auf ein Leben in Würde rauben.

In Deutschland sind wir weit von Istanbuler Verhältnissen entfernt. Und doch haben wir vor gerade eben zwei Wochen in Frankfurt Szenen erlebt, die denen des Taksim-Platzes ähneln. Neun Stunden lang kesselten Polizeikommandos über 900 Menschen ein. Wie auf dem Taksim-Platz stürzten sich auch hier uniformierte Schläger zu dritt, zu viert auf einzelne DemonstrantInnen, versprühten ohne Rücksicht auf Alte und Kinder Pfefferspray, knüppelten gezielt JournalistInnen nieder, griffen AnwältInnen an. Doch auch hier wurde der Kampf um Demokratie nicht gebrochen, im Gegenteil: Auch hier hat er gerade erst begonnen.
 
Auf dem Taksim-Platz hat sich dazu eine Allianz gebildet, die vor kurzem so nicht vorstellbar war: Rote Fahnen der türkischen Linken in einer Reihe mit den gelben Fahnen der kurdischen PKK, mit den schwarz-roten und lila Fahnen der AnarchistInnen und FeministInnen. Mittendrin, die eine neben der anderen, Fahnen der politischen Ultras von Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas Istanbul. Die vereinigte kurdische und türkische Linke des Taksim-Platzes wird eine neue politische Kraft, wird eine andere, eine neue Linke sein.
 
Auch die Blockupy-Proteste in Frankfurt werden von einer Allianz getragen, die noch jung und ungewöhnlich ist: dem breiten Bündnis einer neuen emanzipativen Bewegung. Darin sind beide Allianzen, die von Frankfurt und die von Istanbul, das Echo anderer Aufbrüche: der von Tunis, Kairo, Athen, New York, Madrid und Teheran und vieler anderer Städte überall auf der Welt. Ihr Kampf, unser Kampf ist ein weltweiter Kampf, und er wird überall ausgefochten!«
 
Demonstrationen finden an folgenden Orten statt:
 

Donnerstag, 13.06.
Bremen: 17:00 Uhr, Bremen-Silwahr

Freitag, 14.06.
Hamburg: 18:00 Uhr, Hauptbahnhof
Frankfurt: 17:30 Uhr, Konstabler Wache
 
Samstag, 15.06.
Mannheim: 17:00 Uhr Am Wasserturm
Düsseldorf: 13 Uhr, DGB-Haus
Berlin: Infos am Solizelt für Taksim auf dem Kottbusser Tor

Für Freitag, 21. Juni, ist in Köln eine landesweite Demonstration angekündigt, zu der das Bündnis gemeinsam mit Gewerkschaften und Almanya demokratik güc birligi platformu / Demokratisches Plattform-Bündnis aufruft.

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