Mittwoch, 19. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Marcelino CamachoDie spanische und internationale Arbeiterbewegung trauert um Marcelino Camacho, den Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der Comisiones Obreras, des heute grössten spanischen Gewerkschaftsbundes. Der 92jährige war vor wenigen Tagen ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert hatte. Erste Meldungen über sein Ableben wurden noch dementiert, heute morgen musste die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), der Camacho bis zuletzt angehört, seinen Tod bekanntgeben. Die Partei gab eine Sonderausgabe ihres normalerweise monatlich erscheinenden Parteiorgans Mundo Obrero heraus, das seinem Andenken gewidmet ist.



In dem Nachruf seiner Partei heisst es, Camacho habe zu den besten Kommunisten Spaniens und den wichtigsten Gewerkschaftsführern des 20. Jahrhunderts gehört und sei ein Beispiel für den Kampf um Freiheit, Gleichheit und Arbeiterrechte. Der erste Generalsekretär der im Kampf der Arbeiterbewegung gegen die Franco-Diktatur entstandenen Arbeiterkommissionen war auch Parlamentsabgeordneter der PCE nach der ersten freien Wahl, gab sein Mandat aber auf, als er die Unterstützung seiner Partei für ein mit anderen Parteien ausgehandeltes Arbeitsgesetz nicht mittragen konnte.

Marcelino Camacho wurde am 21. Januar 1918 in Osma la Rasa geboren. 1935 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei und kämpfte auf der Seite der Republikaner gegen die Franco-Putschisten. Von den Faschisten verhaftet wurde er zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt und im Konzentrationslager Reus (Tarragona) inhaftiert. Im Dezember 1943 gelang ihm die Flucht aus einem Arbeitslager nach Französisch-Marokko. Die französischen Kolonialherren verhafteten ihn und brachten in nach Oran in Algerien. Dort lernte er seine spätere Frau Josefa Samper kennen, eine junge Kommunistin, die sich für die Rettung der spanischen Flüchtlinge und für die Unterstützung der Widerstandsbewegung in Spanien engagierte.

Am 18. Juli 1957 kehrte das Paar mit seinen beiden Kindern nach Spanien zurück, entschlossen, den Kampf gegen den Faschismus fortzusetzen. Camacho verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Metallarbeiter und versuchte jede Gelegenheit auszunutzen, um den Kampf gegen das Regime zu organisieren und die Lebensbedingungen der Arbeiter zu verbessern. 1964 organisierte er in Madrid die erste Metallarbeiterkommission, die erste ständige Arbeiterkommission und der Ursprung des heutigen Gewerkschaftsbundes.

Nach mehrfachen Festnahmen wurde Camacho am 1. März 1967 gemeinsam mit anderen Kollegen der CCOO verhaftet. Die Gewerkschafter wurden im berühmten Prozess 1001 zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt, aus dem er erst durch die Amnestie nach dem Tod Francos entlassen wurde. Doch durch den Prozess und die Haft war er zu einem weltweiten Symbol für den Kampf gegen den Faschismus geworden.

Als sich die Arbeiterkommissionen 1976 zu einem Gewerkschaftsbund zusammenschlossen, wurde er zu ihrem ersten Generalsekretär gewählt. Unter seiner Führung wuchsen die CCOO zum stärksten Gewerkschaftsbund Spaniens heran, 1987 trat er aus Altersgründen von diesem Amt zurück und veröffentlichte 1990 seine Memoiren: Ich bekenne, ich habe gekämpft.

 

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