27 | 06 | 2019

Aktuelles und früheres Symbol der PCFFrankreichs Kommunisten haben sich auf ihrem jüngsten Parteitag in der vergangenen Woche vom traditionsreichen Symbol Hammer und Sichel verabschiedet. Nachdem die Grafik in den vergangenen Jahren bereits aus dem allgemein verwendeten Parteilogo und aus dem Kopf der Tageszeitung »L'Humanité« verbannt wurde, taucht es nun auch nicht mehr auf dem Mitgliedsausweis der Französischen Kommunistischen Partei (PCF) auf. Ohne vorherige Diskussion in der Partei ist dort nun der stilisierte Stern der Europäischen Linkspartei (EL) zu sehen. »Die ganze Partei ist darüber entsetzt«, kritisierte die Entscheidung der Chef der Pariser Parteiorganisation, Emmanuel Dang Tran. »Die PCF ordnet sich einer anderen Organisation unter, der Linksfront Front de gauche, um gemeinsam mit Grünen, Sozialisten und Trotzkisten eine sozialdemokratische Organisation schaffen zu können«, so Dang Tran im Rundfunksender France Info.

 

PCF-Generalsekretär Pierre Laurent, der auch Chef der EL ist, wiegelt ab: »Das ist ein Symbol, das existiert hat, und das hier und dort noch bei Protesten verwendet wird. Aber es spiegelt nicht wieder, was wir heute sind. Wir sprechen vom Kommunismus einer neuen Generation.« Die Diskussion um Hammer und Sichel sei nur von den Medien geschaffen worden, um Unruhe in den Parteitag zu tragen, behaupteten weitere Parteisprecher. Tatsächlich habe die Frage jedoch keine Rolle gespielt. Dem widersprach Hervé Poly, Chef der Partesektion Pas-de-Calais, im Gespräch mit der parteieigenen Zeitschrift »CommunisteS«. Die Veränderungen in der Organisation dürften den grundsätzlichen Charakter der Partei nicht zugunsten eine »Pseudo-Modernität« in Frage stellen, forderte er. »Ich glaube zum Beispiel nicht, dass die Entscheidung, Hammer und Sichel ohne Diskussion zu entfernen, ein Fortschritt ist. Die Symbole sind bedeutend, und unseres spiegelt unsere Wurzeln im historischen Erbe der revolutionären politischen Bewegung wider.« Er befürchte, dass die Entfernung des Symbols einen Bruch mit Ideen darstellt, »die der Kern der Existenzberechtigung unserer Organisation sind«.

Auf der Homepage der PCF Libourne kritisiert Raymond Huard die Entfernung des kommunistischen Symbols als »Selbsthass« der PCF-Spitze. Man könne das Symbol zwar kritisieren, weil es etwa die geistige Arbeit nicht beinhalte - Huard erinnert in diesem Zusammenhang an den Versuch der DDR, das durch die Symbolik von Hammer, Zirkel und Ährenkranz im Staatswappen zu lösen - oder weil es einst das Staatswappen der Sowjetunion gewesen sei. Allerdings werde auch die Französische Republik durch eine Frau symbolisiert, obwohl die Frauen in Frankreich erst sehr spät das Wahlrecht erhielten. Und speziell Hammer und Sichel symbolisierten doch spätestens seit der Zerschlagung der UdSSR und der Rückkehr Russlands zu den alten Symbolen der Zarenzeit die Unabhängigkeit der Kommunisten. Die Kommunisten in Libourne bieten ihren Mitgliedern nun kleine Aufkleber mit Hammer und Sichel an, um diese auf die Mitgliedskarten zu kleben.

Scharfe Kritik an der Entscheidung der PCF kommt auch aus Athen. Am Dienstag veröffentlichte das Organ der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), »Rizospastis«, eine scharf formulierten Kommentar, in dem sie der PCF offenen Verrat vorwirft: »Über die Vulgarität und den Niedergang der Führung der opportunistischen Französischen Kommunistischen Partei hinaus handelt es sich um eine Provokation der revolutionären Kommunisten überall auf der Welt. Im Kern ist die Ersetzung des historischen Symbols der kommunistischen Parteien die Vollendung eines Weges, den sie seit Jahrzehnten beschritten hat. Methodisch und stabil hat sie dien Marxismus-Leninismus sowie die Prinzipien der Begründung und des Handelns einer revolutionären kommunistischen Partei aufgegeben und, was das Wichtigste ist, die Verwaltung des Kapitalismus, die prinzipienlose Bündnispolitik, die Beteiligung an bürgerlichen Regierungen zu ihrer Strategie gemacht, damit das Ziel der Beseitigung der kapitalistischen Barbarei aufgegeben und somit den Kampf um den Sozialismus kriminalisiert.« Die PCF habe nichts mehr mit einer kommunistischen Partei zu tun, heisst es in dem auf der KKE-Homepage bislang unter anderem in englischer, spanischer und französischer Sprache verbreiteten Kommentar.

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