21 | 05 | 2019

Die türkische Armee hat eine weitere Besatzungsoperation gegen die kurdischen Orte im Norden Syriens gestartet. Seit gestern greift die türkische Armee gemeinsam mit ihren islamistischen Partnern die Gebiete Şera und Şehba und im Südosten von Efrîn an. Im Zuge der Angriffe vermeldeten die türkeitreuen Milizen, dass sie mehrere Dörfer von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) eingenommen haben. Allerdings mussten sich die Milizen nach andauernden Gefechten wieder aus den Orten zurückziehen. Die türkische Armee und ihre Partner mussten zahlreiche Verluste bei den andauernden Kämpfen hinnehmen. So sollen allein in einem Dorf, das zeitweise von den protürkischen Milizen besetzt wurde, zehn Mitglieder der Besatzertruppen durch die Explosion eines Sprengsatzes ums Leben gekommen sein.

Die Angriffe auf die Region begannen gestern kurz nachdem der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar bekannt gab, dass ein Hauptmann der türkischen Armee in Kämpfen mit der YPG in Nordsyrien getötet wurde. Die Angriffe auf Şera und Şehba werden entsprechend als Vergeltungsschlag in den türkischen Medien dargestellt. Doch die Türkei beabsichtigt bereits seit der völkerrechtswidrigen Besatzung von Efrîn im März vergangenen Jahres ihre Kontrolle auf die nun angegriffenen Gebiete auszuweiten. Bislang erhielt sie hierfür allerdings kein grünes Licht von Russland, das defacto über die militärische Hoheit in der Region verfügt. Politische Analysten gehen davon aus, dass der Angriff der türkischen Armee zum jetzigen Zeitpunkt im Zusammenhang mit der gegenwärtige Offensive des syrischen Regimes und Russlands in Idlib stehen könnte. Teile der islamistischen Kräfte in Idlib, gegen die das Regime kämpft, stehen nämlich unter dem Einfluss Ankaras. Zudem unterhält die Türkei zahlreiche militärische Kontrollpunkte im Umland von Idlib.

Von besonderer Brisanz sind die Angriffe auf  Şera und Şehba auch deshalb, weil weiterhin zehntausende Geflüchtete aus Efrîn dort Schutz gefunden haben. Sollte die Türkei ihre Angriffe fortsetzen, müssen die Bewohner von Efrîn wohl von Neuem vor der türkischen Armee und ihren islamistischen Partnern flüchten.

Quelle:

Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

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