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Kategorie: Syrien

Kind mit Panzerfaust bei einer Anti-Assad-Demonstration in Idlib. Foto: Freedom House / flickr.comBis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe war nicht abzusehen, ob es in Syrien ernst zu nehmende Anzeichen dafür gibt, daß in absehbarer Zeit Frieden einkehrt. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Das ist nicht überraschend, wenn man die Nachrichten der westlichen Medien in den letzten Tagen verfolgt hat. Die ließen erkennen, daß gar keine ernsthaften Anstrengungen erwünscht sind. Vielmehr läuft alles darauf hinaus, daß ein militärisches Eingreifen des Westens provoziert werden soll, um den in Washington und in den Hauptstädten der EU verhaßten Präsidenten Baschar Al-Assad mit Gewalt zu stürzen.

Für die Politiker der USA und der EU-Staaten und deren willige Helfer in den bürgerlichen Medien hat der vom UNO-Sondergesandten Kofi Annan ausgehandelte Friedensplan nie eine Bedeutung gehabt. Dieser Sechs-Punkte-Plan zur Einstellung der bewaffneten Auseinandersetzungen und zur Herbeiführung einer Verhandlungslösung war nie das Wunschprogramm der herrschenden Kreise im ach so freien Westen. Für sie gab es immer nur ein Ziel: Assad muß verschwinden. Und darin war man sich einig mit der heillos zerstrittenen Opposition in Syrien und im Exil. Assad muß weg, koste es, was es wolle, und dabei ist es diesen Leuten auch völlig egal, was danach kommt. Sie nehmen es billigend in Kauf, daß das bisher laizistische Syrien zu einem in religiöse Glaubenskämpfe zerstrittenen Land und zu einem neuen Unruheherd in der Region würde, wo bewaffnete Söldner und Desperados das Land, die Städte und die Menschen tyrannisieren und sich selbst zu bereichern versuchen.

Der Irak, Afghanistan und Libyen zeigen mehr als deutlich, wohin es führt, wenn ein Land von westlichen Truppen und deren Söldnern »befreit« wird. Statt der verkündeten Einführung von Demokratie und Menschenrechten ist das erste aller Menschenrechte, das Recht auf ein Leben in Frieden, dort nur einen Dreck wert. Während verschiedene Interessengruppen sich untereinander bekriegen, Landbesitzer ihre eigenen Milizen aufstellen, die gegen andere Landbesitzer ihren eigenen Kleinkrieg führen, können die »Befreier« mit den Reichtümern des Landes nach Belieben schalten und walten.

Bisher sind in Syrien die Träume der westlichen Weltbeherrscher nicht aufgegangen, obwohl bereits hunderte Millionen Dollar und Euro in die Bewaffnung und Ausrüstung der »Rebellen« und die Anwerbung von Söldnern geflossen sind. In mehreren Städten Syriens, vornehmlich nahe der Grenzen zur Türkei und zum Libanon, also in der Nähe des reichhaltigen Nachschubs an Waffen und Geld, haben bewaffnete Gruppen seit Monaten Unruhe gestiftet, Sabotage betrieben und Regierungseinrichtungen sowie die Armee und Sicherheitskräfte angegriffen. Wenn sich das reguläre Syrien dagegen wehrt, schreit es in den westlichen Medien laut und anklagend, der syrische Präsident »läßt seine Bürger abschlachten« – so wörtlich im sozialistischen »Tageblatt« vom Dienstag. Wie diese angeblich wehrlosen und unbewaffneten »Bürger« Armee-Einheiten angreifen, Soldaten töten und am Samstag den Abschuß eines Hubschraubers melden können, wird allerdings nicht erklärt.

Ganz gleich was Präsident Assad nun unternimmt oder unterläßt, es wird dem Westen nicht gefallen. Die bewaffneten Gruppen denken nicht einmal an eine Waffenruhe. Die USA verstärken bereits ihre Präsenz in der Region, und die bürgerlichen Medien haben den Friedensplan für Makulatur erklärt, ohne ihm eine Chance zu geben. Man will keinen Frieden in Syrien, solange Assad am Leben ist.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek / RedGlobe

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