Freitag, 17. November 2017
Solidaritätsanzeige

Gaza-Freiheitsmarsch in KairoNach tagelangem Tauziehen und einem Hungerstreik hat Ägypten rund 100 Teilnehmern des »Gaza-Freiheitsmarsches«, unter ihnen mehrere aus Deutschland angereiste Aktivisten, die Einreise in den Gazastreifen erlaubt. Insgesamt waren über 1200 Aktivisten nach Kairo gereist, um in den Gazastreifen zu gelangen. Die Behörden hatten ihnen die Einreise in das palästinensische Gebiet jedoch verweigert. Nachdem einige Demonstranten in den Hungerstreik getreten waren, einigten sich die Organisatoren und die ägyptische Regierung nun aber auf die Einreise einer Delegation von zumindest 100 Personen.
Das Internetportal kommunisten.de veröffentlichte gestern einen Augenzeugenbericht von Teilnehmern der internationalen Demonstration, den wir nachstehend dokumentieren.

Am 27.12. sind wir  frühmorgens - aus München kommend - in Kairo eingetroffen. Inzwischen sind über 1.400 Menschen aus vielen Ländern dieser Welt in Kairo und versuchen auf verschiedenen Wegen und mit verschiedenen Protestaktionen eine Erlaubnis der ägyptischen Behörden zum Marsch in den Gaza-Streifen zu bekommen. Mittags haben wir dann auf einem Meeting erfahren, dass den Busunternehmern und -fahrern, die uns nach Al Arish (ca. 45 km vor Rafah, dem Grenzübergang in den  Gaza) hätten bringen sollen, verboten wurde, uns zu transportieren.

Wir sind dann mit vielen anderen Teilnehmern des Gaza-Freiheitsmarsches (http://www.gazafreedommarch.org) an eine Brücke gegangen, um dort weiße DinA4-Kartons mit Aufschriften wie »Wir solidarisieren uns mit den Menschen im Gaza«, »Wir fordern Beendigung der Besatzung«, »Wir fordern die Weltöffentlichkeit auf, den Menschen in Gaza beizustehen« usw., zu befestigen.

Um 16 Uhr haben wir den letzten öffentlichen Tagesbus nach Al Arish genommen. An dem Checkpoint vor dem Suez-Kanal sind wir problemlos durchgekommen. Aber nach einer weiteren Fahrt von ca. 45 min hieß es am nächsten Kontrollpunkt: »All foreigners out of the bus.« Wir waren sechs Personen, alle mit dem gleichen Ziel. Der Bus wurde über eine Stunde aufgehalten, keiner wusste etwas, und dann mussten wir zurück nach Kairo, ohne Angabe von Gründen, verboten. Uns war das peinlich, weil die normalen Fahrgäste dadurch so lange aufgehalten wurden. Als wir uns entschuldigten, wurde uns gegenüber viel Solidarität ausgedrückt: »Wir sind froh, dass Ihr da seid!«, »Eine Schande, dass die Regierung den Marsch behindert«.

Gestern, um 1 Uhr in der Nacht, waren wir wieder zurück in Kairo, müde, erschöpft und traurig. Um uns wieder aufzumuntern, haben wir am Morgen einen »Spaziergang« zur Brücke gemacht, um dort wieder Plakate anzubringen; die alten waren von den Sicherheitskräften abgerissen worden.

Am 27.12. war nachmittags eine eindrucksvolle Demo mit Booten, von denen aus Kerzenlichter mit Wünschen für die Menschen in Gaza auf den Nil gesetzt wurden.

Die Franzosen sind die aktivste Nation hier, sie blockieren mit Zelten auch nachts ihre Botschaft, es sind über 400 Friedensaktivisten ständig dort, abgeschirmt durch dicken Polizeikordon: die Kairoer sollen möglichst nichts sehen ... Sie haben mit dem französischen Botschafter verhandelt, damit sich dieser für die Aufhebung der Einreisesperre in den Gaza einsetzt. Bisher ohne Erfolg.

Es sind Delegationen in Verhandlung mit Mubarak und eine Frauendelegation ist in Verhandlungen mit Mubaraks Frau, Vorsitzende des ägyptischen Menschenrechtsverbands, aber das Ergebnis ist bisher immer »No«

30 Teilnehmer, die bis Al Arish durchkommen konnten und schon nach Rafah unterwegs waren, wurden abgefangen, zurücktransportiert und bekamen Hausarrest in ihrem Hotel. 16 Aktivisten aus der Schweiz, die aus Israel über den Ceckpoint Erez in den Gaza einreisen wollten, wurden inhaftiert.

Am 28.12. war eine grosse Kundgebung vor dem UNO-Gebäude. Es wird dort ein Zelt errichtet: Gaza-Embassy und das Vorgelände besetzt. Hunderte von Friedensaktivisten beschliessen, dort zu bleiben, bis wir durchgelassen werden nach Gaza. Es spricht die betagte Heli Epstein, Holocoust-Überlebende, die dort in den Hungerstreik für Gaza tritt. Das Camp vor der UNO ist ohne Toiletten, die Situation muss eskalieren.

Heute 29.12. kommt angeblich Israels Premierminister Netanjahu nach Kairo.

Wir sind in Kairo und drehen uns im Kreis. Die Äegypter sind sehr herzliche, uns wohlgesonnene Leute, aber Ägypten ist ein Polizeistaat. Alle unsere größeren Versammlungen: verboten; Busse mieten: verboten; Gaza-Marsch: sowieso blockiert. Aber wir geben nicht auf!

Quelle: kommunisten.de / RedGlobe

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