Mittwoch, 23. August 2017
Solidaritätsanzeige

Großdemonstration auf der Avenida Bolívar. Screenshot: VTVGroßdemonstration auf der Avenida Bolívar. Screenshot: VTVHunderttausende Menschen haben am Mittwoch in Caracas und anderen Städten Venezuelas ihre Unterstützung für die Bolivarische Revolution demonstriert. Die Großdemonstration auf der Avenida Bolívar und zahlreiche weitere Versammlungen im gesamten Innenstadtbereich der venezolanischen Hauptstadt sollten zudem einen Vormarsch der Opposition in die Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores verhindern.

Zehntausende Regierungsgegner hatten sich im Osten von Caracas zur »Mutter aller Demonstrationen« versammelt, wie Sprecher der Opposition im Vorfeld angekündigt hatten. Erneut kam es zu Ausschreitungen, als militante Oppositionelle versuchten, von der genehmigten Route abzuweichen und in das Zentrum der Hauptstadt vorzudringen. Polizei und Nationalgarde verhinderten mit Tränengas und Wasserwerfern ein Zusammentreffen von Rechten und Linken.

Medienberichten zufolge starben am Rande der Oppositionsaufmärsche zwei Menschen: Ein 17jähriger in Caracas und eine junge Frau in San Cristóbal nahe der Grenze zu Kolumbien. Wie der Sender Globovisión berichtete, erlagen die beiden jungen Demonstranten Schussverletzungen. Die Staatsanwaltschaft übernahm in beiden Fällen die Ermittlungen. Stunden später zeichnete sich ab, dass beide Fälle nicht auf das Konto der Sicherheitskräfte gehen. Die Tageszeitung Últimas Noticias berichtete auf ihrer Homepage, dass das Opfer in Caracas nicht an dem Aufmarsch der Rechten teilgenommen habe. Er sei offenbar von einem Raubmörder umgebracht worden, der ihm das Motorrad stehlen wollte. Auch der Mord in San Cristóbal geht offenbar nicht auf das Konto der Polizei. Wie Venezuelas Ombudsmann Tarek William Saab mitteilte, wurde ein Verdächtiger festgenommen. Der Mann soll gestanden haben, die Schüsse auf eine Gruppe von Motorradfahrer abgegeben zu haben, die sie nahe seines Hauses versammelt hatten. Einer der Schüsse traf eine junge Frau, die später ihren Verletzungen erlag.

»Das rechte Oppositionsbündnis ›Tisch der demokratischen Einheit‹ (MUD) hat für heute zu einer Massendemonstration aufgerufen, die Gefahr direkter gewalttätiger Konfrontationen mit den Anhängern der Regierung Maduros ist dabei sehr groß. Ich unterstütze daher die Forderung des Forum Sao Paulo nach gewaltfreien Demonstrationen. Der permanente Versuch der Opposition der Destabilisierung des Landes muss verurteilt werden«, erklärte Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke, anlässlich des vom Forum Sao Paulo für den 19. April ausgerufenen Internationalen Solidaritätstages mit Venezuela. Hänsel weiter: »Die Regierung von Venezuela ist demokratisch gewählt, und die Opposition muss den Dialog über eine Beilegung der politischen und ökonomischen Krise suchen. Bisher setzt die Opposition nur auf kurzfristige politische Ziele, indem sie darauf beharrt, Nicolás Maduro aus dem Präsidentenamt zu drängen. Das ist inakzeptabel. Venezuela braucht keine Putschversuche, sondern Dialog, Achtung der Rechtsstaatlichkeit und ernsthafte politische Debatten über den ökonomischen und sozialen Kurs im Land.«

Tarek William Saab musste jedoch auch darüber informieren, dass im Bundesstaat Miranda ein Angehöriger der Nationalgarde erschossen wurde, ein Kollege wurde verletzt. Der Vorfall ereignete sich während gewaltsamer Proteste im Bezirk Los Salias, ein Heckenschütze habe das Feuer auf die Beamten eröffnet, so Saab.

Ausgelassene Freude hatte am Mittwoch bei den Chavistas geherrscht, nachdem schnell klar war, dass es der Opposition auch an diesem Tag nicht gelingen würde, dem Regierungslager das Zentrum zu entreißen. Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtete von einem »Menschenmeer in roten Hemden«, das alle wichtigen Straßen im Stadtkern in Beschlag genommen habe, um die Einmischung ausländischer Regierungen und Umsturzpläne der venezolanischen Opposition zurückzuweisen. Neben Fahnen und Transparenten der Regierungspartei PSUV waren auch die Symbole der Kommunistischen Partei (PCV), der PPT und von REDES unübersehbar, obwohl diese Kräfte zuletzt deutliche Kritik am Kurs der Regierung geäußert hatten. Man werde aber trotz aller Differenzen nicht von der Verteidigung des antiimperialistischen und bolivarischen Kurses abweichen, hatten die drei Parteien am Vortag in einem gemeinsamen Kommuniqué erklärt.

Bei der zentralen Kundgebung auf der Avenida Bolívar sprach Venezuelas Präsident Nicolás Maduro schließlich von »mehr als drei Millionen Menschen«, die »allein in der Hauptstadt« zur Verteidigung der Revolution auf die Straße gegangen seien. »Mit Bewusstsein und patriotischem Geist hat das Volk an diesem 19. April der Welt eine gigantische Lehre in Heimatverteidigung erteilt«, erklärte Maduro.

Wie Prensa Latina weiter berichtete, hatten sich vor allem um den Präsidentenpalast zahllose Menschen versammelt, um zusammen mit den Sicherheitskräften das Machtzentrum Venezuelas zu verteidigen.

Quellen: Prensa Latina, Globovisión, Últimas Noticias, AVN, TeleSur / RedGlobe

Kommentare   

# rote flutdbergmann 2017-04-20 16:51
also, ein Präsident, der die Bürger seines Landes einen will, verhält sich nicht wie Maduro. Anstatt Waffen für deine Milizen zu kaufen, wäre es wichtiger, das Geld für Lebsnemittel und Medikamente für sein Volk auszugeben. Aber das Klammern an die Macht wird ihm auf Dauer nix nützen. Unfähige Populisten halten sich nur so lange, wie die Staatskasse Tantiemen für ihre Anhänger hergibt. Hierzu bedarf es jedoch eines ökonomischen Sachverstandes und einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Maduro wird scheitern.
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# Maduro wird nicht scheitern, ...Rainer Werner Fassbinder 2017-04-24 09:51
... er ist bereits gescheitert! Wenn Rentner hungern und Kinder an längst besiegten Krankheiten sterben, dann ist der Präsident längst gescheitert. Wenn die Mordrate internationale Rekorde feiert, wenn nicht einmal mehr genug Weizenmehl da ist, um die Bevölkerung zu ernähren, wenn Oppositionelle ohne Grund eingesperrt werden und die Inflation fast 2000% erreicht hat, dann ist nichts mehr da zum Scheitern. Es liegt aber nicht an Maduro, sondern am Sozialismus! Ohne Anreiz zur Produktion wird ein Volk zwangsweise zum Almosenempfänger degradiert, ohne jeglichen Stolz, ohne Würde, ohne Antrieb. Wenn im ölreichsten Land der Erde das Benzin knapp wird, dann gibt es nichts mehr zu verlieren. Der Sozialismus ist untrennbar verbunden mit allem erdenklichen Elend. Maduro aber ist nur eine Marionette dieser unmeschlichen Ideologie!
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# gescheitertdbergmann 2017-04-24 12:31
ja, Du hast prinzipiell recht. Maduro ist quasi schon gescheitert, klammert sich aber noch mittels des militärs und des willfährigen verfassungsgerichts an seine macht. mal sehen,wie lange noch.

aber Deine sozialismuskritik wird bei manchem antiimperialisten auf taube ohren stoßen. man frönt lieber beleibten verschwörungstheorien, die immer die USA bzw. den kapitalismus für eigene unfähigkeit verantwortlich machen.

china, auch vietnam haben erkannt, dass der doktrinäre sstaatssozialismus zu einem äußerst niedrigen lebensstandard führt, so dass man zwar noch die politische macht innehat, die ökonomie jedoch zu grpßen teilen dem spiel des marktes überlässt. in china leben weltweit die meisten milliardäre!
dennoch ist nicht ungezügeltem profitstreben bahn zu schlagen, der kapitalismus bedarf sozialer zügel, die auf einer sozialen marktwirtschaft basieren
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