Mit Begeisterung ist in Venezuela am vergangenen Wochenende die Ankunft des ersten von fünf iranischen Öltankern aufgenommen worden. Die Schiffe transportieren Benzin, das in dem südamerikanischen Land knapp geworden ist. Zwar gehört Venezuela zu den erdölreichsten Ländern der Welt, doch vor allem infolge der von den USA verhängten Blockade fehlen in den Raffinerien wichtige Ersatzteile, so dass die Verarbeitung des Rohöls kaum noch möglich ist. Zudem wurde die Benzinversorgung in den vergangenen Wochen durch die strenge Quarantäne erschwert, die Venezuelas Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie verhängt hat.

Die Entsendung der fünf Schiffe durch Teheran ist zunächst einmal ein Protest gegen die Provokationen Washingtons. Die US-Regierung hat in den vergangenen Wochen Kriegsschiffe vor die Küste Venezuelas entsandt, die offiziell den Drogenhandel bekämpfen sollen. Hochrangige Sprecher erklärten jedoch zugleich, dass die Marineverbände auch die Einhaltung der von Washington gegen Caracas verhängten Handelsverbote überwachen sollten. Zwar hatte das Pentagon erklärt, keine Operation gegen die iranischen Schiffe vorzubereiten, doch manche Beobachter in Venezuela verglichen die Situation schon mit der „Kuba-Krise“ 1962, als die USA eine Seeblockade gegen die revolutionäre Insel verhängt hatten.

Auch wenn solche Vergleiche historisch nicht haltbar sind, ist das demonstrative Durchbrechen der Blockade durch den Iran ähnlich wie zuvor die Entsendung russischer Militärflugzeuge nach Venezuela eine wichtige Geste der Solidarität. Die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) dankte deshalb dem „arbeitenden iranischen Volk“ für die Unterstützung. Die von den USA und ihren europäischen Verbündeten verhängten Zwangsmaßnahmen sollten die Regierungen isolieren, die sich nicht den Vorgaben Washingtons unterwerfen. „In diesem Fall sind sie durch die internationale Zusammenarbeit besiegt worden.“

Auffällig war, dass sich die venezolanische Regierung in den Tagen vor der Ankunft des ersten iranischen Tankers wortkarg gab und keine offiziellen Statements veröffentlichte. Auch danach blieb die Kommentierung in den staatlichen Medien überraschend zurückhaltend, im Gegensatz zu dem sonst üblichen Triumphalismus. Ein Grund dafür kann sein, dass man die USA nicht in „Zugzwang“ bringen wollte, die Flottille doch noch zu stoppen. Andererseits könnte die Ankunft der fünf Tanker in der Bevölkerung zu große Hoffnungen auf ein Ende der Versorgungskrise wecken. Der tägliche Treibstoffbedarf Venezuelas liegt normalerweise bei über 100.000 Barrel am Tag und auch unter den gegenwärtigen Quarantänebedingungen dürfte mindestens die Hälfte davon benötigt werden. Damit reicht die Lieferung aus dem Iran für etwa einen Monat, sofern die kursierenden Angaben über die Gesamtladung der fünf Tanker stimmen. Caracas hofft jedoch, in diesem Zeitraum die zwei wichtigen Raffinerien El Cardón und El Palito so weit wieder instand setzen zu können, dass man die Versorgung wieder selbst sicherstellen kann.

Das britische Wirtschaftsportal „Argus Media“ wies auch darauf hin, dass die Intensivierung der Handelsbeziehungen zwischen Caracas und Teheran für beide Seiten zum richtigen Zeitpunkt kommt, nicht nur weil beide der Blockadepolitik Washingtons ausgesetzt sind. Der Iran leidet unter dem Zusammenbruch der weltweiten Erdölnachfrage im Zuge der Pandemie und dem damit einhergehenden Preisverfall, die Lagerstätten sind überfüllt. Da kommt der Bedarf Venezuelas gerade recht, zumal die von Caracas für die Lieferungen bezahlte Summe vermutlich über dem aktuellen Weltmarktpreis liegt.

Quelle:

UZ – Unsere Zeit


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