26 | 02 | 2020

Den nachstehenden Beitrag haben wir aus der deutschsprachigen Online-Ausgabe der kubanischen Tageszeitung Granma übernommen.

Wenn die Realität dich umhüllt, dich niederdrückt, dich auffrisst, gibt es eine Möglichkeit zu entfliehen, den Schmerz auszutreiben, frei zu sein. Es genügt ein Stückchen Papier, ein Bleistift, ein Lichtstrahl, um dich zu entfernen und dich einen Augenblick als Zuschauer in deiner eigenen Geschichte zu fühlen.Von einer hypothetischen Entfernung aus findest du Lösungen, Varianten oder einfach nur Kräfte, um weiterzuleben.

Am 12. September 2002 schrieb Ramón Labañino die ersten Worte in sein Tagebuch und seitdem entkam er dem Gefühl eingeschlossen zu sein, wenn genau um 91 Uhr jeden Abend das verstörende metallische Geräusch das Verschließen der Zelle anzeigte.

Jede Nacht in den folgenden 12 Jahren ging Ramón zu seinen Aufzeichnungen zurück, die manchmal heiter, voller Hoffnung, poetisch andere Male bedrohlich und blutig waren.

„Aus der Komplizenschaft und der Zerrissenheit dieser Seiten entsteht das Buch „Hombre del Silencio“ ein Gefängnistagebuch, das versucht den Leser in die Haut eines politischen Gefangenen in US-Gefängnissen schlüpfen zu lassen“,heißt es dort.

Das Buch vom Verlag Capitán San Luis herausgegebene Buch geht auf das Original des Tagebuchs zurück, enthält die ersten vier Jahres im Gefängnis und gipfelt in der Rückkehr

„Darin wird das entmenschlichte Gefängnissystem der USA gezeigt, das den Einzelnen Situationen wildester Barbarei aussetzt und das beste und das schlechteste von dir zum Vorschein bringt“.

16 Jahre Einkerkerung in nur 208 Seiten zusammenzufassen schien eine Chimäre zu sein

Man musste die Aufzeichnungen immer wieder lesen bis man die Weise gefunden hatte, wie man die Geschichten genau formulieren konnte, diejenigen die unerlässlich waren, die allein aus sich selbst heraus die Dimension des Dramas beschreiben.

„Im Gefängnis gab es Tage, an denen nichts passiert ist, aber es gab andere, an denen sich schreckliche Dinge ereigneten, Morde, Hungerstreiks, Drogenhandel und Prostitution. Wir haben typische Beispiele für jeden dieser beklagenswerten Vorfälle ausgesucht.“

In feindseligen Situationen, in denen die Fünf sogar vom Tode bedroht waren, kam es zu schwierigen Entscheidungen.

„Auch als politische Gefangene waren wir mit Kriminellen zusammen, die erschreckende Verbrechen begangen hatten. Das Buch zeigt untrüglich die Dimension unseres Lebens in diesen Jahren und bekräftigt unsere Position Kuba und Fidel unter welchen Umständen auch immer zu verteidigen.“.

Das Entsetzen und die Angst treten aus diesen Seiten hervor, ohne die Momente des Glücks auszulassen, die Besuche der Ehefrau, der Töchter, der Compañeros, der unbeschreiblichen Kraft der internationalen Solidarität und der Liebesgedichte, die unter diesen widrigen Umständen entstehen.  

Auf dem Bild auf der Vorderseite des Buches eignet sich der künstlerische Designer Ernesto Niebla das Konzept an, das Vaterland aus der Anonymität heraus zu schützen, aus der Gestaltung einer Person, die einen Teil ihres Lebens verbergen muss und im Gefängnis endet und seine eigene Geschichte erzählt.

„Der Vorschlag des Designers, in dem ein Teil des Gesichts im Unbekannten verschwindet, während der andere zum Vorschein kommt, hat mir sehr gefallen. Das Foto, das ich ausgewählt habe, ist eines der letzten, die ich von mir im Gefängnis aufgenommen habe und zufällig eine der Aufnahmen, die meine Familie besonders mag. Ein anderes wichtiges Detail ist die Gefängnisnummer, denn das bist du dort, eine Nummer, in meinem Fall die 58734004“.

Jeden Monat kamen die Seiten des Tagebuchs bei der Interessenvertretung der USA in Kuba an, nachdem sie die erste Zensur und andere Hindernisse überstanden hatten. Dann hat sich meine Frau Elizabeth geduldig daran gemacht, die erschütternden Fragmente eines Lebens zu retten, das hinter Hass und Willkürlichkeit eingesperrt war.

Und aus diesen Seiten entstand „Hombe de Silencio...“, ein Buch, das bald unter uns sein wird und in jedem Leser, der am Samstag um 11 Uhr zur Vorstellung in den Saal Nicolás Guillén der Cabaña kommt, vervielfacht wird.

Andere werden es später suchen, bis diese erste Auflage von 5000 Exemplaren eines Buches ausverkauft ist, das nach Worten seines Autors sein Leben und das seiner vier Brüder darstellt. Aus diesem Grund ist auf der Rückseite ein Bild zu sehen, das von Anfang an feststand: Die Umarmung der Fünf.

Quelle:

Granma Internacional


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