Samstag, 19. August 2017
Solidaritätsanzeige

Juan Manuel SantosDer kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat in einer offiziellen Erklärung die vom lateinamerikanischen Fernsehsender TeleSur gemeldeten Verhandlungen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) bestätigt. Ohne auf die näheren Details einzugehen, erklärte er, es habe »Sondierungsgespräche« mit der Guerrilla gegeben, deren Ziel eine Beendigung des Konfliktes gewesen seien. »Vom ersten Tag meiner Amtszeit an habe ich die verfassungsmäßige Verpflichtung erfüllt, mich um den Frieden zu bemühen«, sagte der Staatschef.

FARC-EPFARC-EPWie der lateinamerikanische Nachrichtensender TeleSur meldet, haben sich die kolumbianische Regierung von Präsident Juan Manuel Santos und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) auf die Aufnahme von Friedensgesprächen geeinigt. Wie der Sender unter Berufung auf »absolut glaubwürdige Quellen« mitteilt, unterzeichneten beide Seiten heute in Havanna ein Abkommen, das die Aufnahme des Dialogs festlegt. Santos werde die Inhalte des Abkommens in Kürze bekanntgeben, so der Sender. Von Seiten Bogotás oder der Guerrilla liegen bislang keine Stellungnahmen vor.

Carlos LozanoCarlos LozanoWir dokumentieren nachstehend in eigener Übersetzung eine Presseerklärung des Chefredakteurs der kolumbianischen kommunistischen Wochenzeitung »Voz«, Carlos A. Lozano Guillén.

Am heutigen Tag, Montag, 4. Juni, habe ich aus einer vollkommen zuverlässigen Quelle die Information erhalten, dass die paramilitärische Drogenmafiagruppe »Los Urabeños« von »Don Mario« befohlen hat, mich zu ermorden. Um dieses Verbrechen auszuführen hat sie eine Gruppe von Auftragskillern engagiert, deren Mitglieder sich an verschiedenen Orten Bogotás aufhalten, und die 200.000 US-Dollar mit dem Auftrag erhalten hat, das so schnell wie möglich auszuführen.

Romeo LangloisRomeo LangloisIn Kolumbien ist heute die Übergabe des französischen Journalisten Romeo Langlois an eine Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erfolgreich abgeschlossen worden. Langlois war am 28. April bei einem Gefecht in die Gewalt der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) geraten, als er mit einer Einheit der Regierungstruppen in umkämpftem Gebiet unterwegs war. Dabei hatte er dem Vernehmen nach eine Uniform der kolumbianischen Armee getragen. Um nicht deshalb von den Aufständischen erschossen zu werden, stellte er sich den Guerrilleros. Diese nahmen ihn erstmal gefangen und überprüften seine Identität. Als diese unter anderem durch Aussagen anderer Reporter, die den Guerrilleros bekannt waren, bestätigt wurde, erklärten sich die FARC zur Freilassung ihres Gefangenen bereit.

Alternative für Kolumbien: Patriotischer NationalratAlternative für Kolumbien: Patriotischer NationalratAufgerufen von mehr als 1500 Organisationen aus dem ganzen Land nehmen heute in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá rund 100.000 Menschen am »Patriotischen Marsch für die zweite Unabhängigkeit« ihres Landes teil. Die Aktion ist der Höhepunkt eines zweijährigen Vorbereitungsprozesses, der am gestrigen Sonntag bereits zur Gründung einer neuen Linkspartei, dem Patriotischen Nationalrat, geführt hat.

Werbung für Patriotischen MarschWerbung für Patriotischen MarschIn Kolumbien will eine neue Kraft die politische Bühne besetzen. Für dieses Wochenende sind in Bogotá unter der Losung »Patriotischer Marsch für die Zweite Unabhängigkeit« zahlreiche Aktionen, Demonstrationen und Veranstaltungen geplant, zu denen grosse Teile der Linken aufrufen, darunter Parteien, Gewerkschaften und alternative Medien. Mit der Gründung eines »Patriotischen Nationalrats« soll der organisatorische Rahmen geschaffen werden, um zu einer wirklichen Alternative gegenüber der Staatsmacht und den bürgerlichen Parteien des südamerikanischen Landes zu werden.

Kolumbiens Präsident Santos beim GipfeltauftaktKolumbiens Präsident Santos beim GipfeltauftaktObwohl die Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Allianz für die Völker Unseres Amerikas (ALBA) auf einen offiziellen Boykott des Amerika-Gipfels wegen des Fehlens Kubas im kolumbianischen Cartagena verzichtet hatten, fand das Treffen der Staats- und Regierungschefs am Samstag abend (Ortszeit) fast ohne deren Staatschefs statt. Von den größeren ALBA-Mitgliedern war lediglich Boliviens Präsident Evo Morales anwesend. Ecuadors Staatschef Rafael Correa hatte seine Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt, um gegen die Ausladung Havannas zu protestieren. Hugo Chávez entschuldigte sich mit Verweis auf ärztlichen Rat und flog am Samstag zur Fortsetzung seiner Strahlentherapie nach Havanna. Am Samstag nachmittag hatte dann überraschend auch Nicaraguas Präsident Daniel Ortega seine Teilnahme ohne offizielle Begründung abgesagt, zugleich jedoch seine Beteiligung an einer Kuba-Solidaritätskundgebung in Managua angekündigt.

Kolumbiens Außenministerin María Ángela HolguínKolumbiens Außenministerin María Ángela HolguínSchon bei den Beratungen der Außenminister des Kontinents beim Amerika-Gipfel im kolumbianischen Cartagena hat sich am Donnerstag (Ortszeit) gezeigt, dass sich die Zeiten geändert haben. Die USA und Kanada stehen isoliert praktisch allen anderen Ländern gegenüber. 32 der 34 teilnehmenden Staaten forderten ein Ende der Ausgrenzung Kubas von den Treffen, nur Washington und Ottawa widersetzten sich dem Ansinnen. Das gleiche Bild zeigte sich bei der Frage der Islas Malvinas (Falklandinseln). Auch hier widersetzten sich nur die beiden nordamerikanischen Regierungen einer Unterstützung der Forderung Argentiniens nach einem Ende des britischen Kolonialismus.

Flugblatt zur Kundgebung am 21. April in BerlinFlugblatt zur Kundgebung am 21. April in BerlinNach 60 Jahren innerer Kämpfe in Kolumbien, die uns mehr als fünf Millionen Vertriebene, die Kriminalisierung des sozialen Protesten, die Überfüllung der Gefängnisse mit mehr als 7.000 politischen Gefangenen und die Unterdrückung von Gewerkschaftern, Studenten, Journalisten und schutzlosen Menschen in den verarmten Gebieten Kolumbiens gebracht haben, rufen wir die Gesamtheit der kolumbianischen Bevölkerung und deren Organisationen, alle Menschen in diesem Lande oder anderswo, die wie wir auch für eine wahre Demokratie, für den Frieden und für die soziale Gerechtigkeit auftreten, auf, mit uns zusammen an der Kundgebung teilzunehmen.

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