Samstag, 29. April 2017
Solidaritätsanzeige

Kolumbien

ColombiaDie Regierung Kolumbiens und die Delegation der FARC-EP haben am Mittwoch (Ortszeit) in Havanna den Abschluss des Friedensvertrages bekanntgegeben. Bei einer Pressekonferenz im Salón de Protocolo in El Laguito verlasen die Vertreter der Garantiemächte Norwegen und Kuba das gemeinsame Kommuniqué Nr. 93 vorgetragen. Darin heißt es am Anfang: »Die Delegationen der Regierung und der FARC-EP haben sich auf ein endgültiges Abkommen über alle Punkte der Agenda zur Beilegung des Konflikts und für einen dauerhaften Frieden in Kolumbien geeinigt.«

Grafik: @JoseCarlosRguezDie Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes (FARC-EP) und die kolumbianische Regierung wollen noch am heutigen Mittwoch (Ortszeit) das Ende ihrer vor vier Jahren begonnenen Friedensverhandlungen und den Abschluss einer Vereinbarung zur Beendigung des seit über einem halben Jahrhundert andauernden Krieges bekanntgeben. Vertreter der Guerilla bestätigten das über den Internetdienst Twitter. Demnach soll die Bekanntgabe um 19.00 Uhr Ortszeit (Do., 1 Uhr MESZ) in Havanna, dem Sitz der Verhandlungen, erfolgen. Auch das kubanische Außenministerium bestätigte, dass noch heute in der Hauptstadt der Abschluss der Verhandlungen verkündet werden soll.

FARC-EPIn der vergangenen Woche wurde ein Kommuniqué der »Ersten Front Armando Ríos« der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP) bekannt, in dem diese ihre Ablehnung des Friedensprozesses manifestiert und ankündigt, sich nicht demobilisieren zu lassen (Wir haben das Statement im spanischen Original hier dokumentiert). Nun hat der Generalstab des Blocks Jorge Briceño der FARC-EP auf diese Erklärung reagiert. Wir dokumentieren das Statement der Guerilla nachstehend in der vom Blog »Widerstand in Kolumbien« besorgten Übersetzung:

Im Hinblick auf das von den Medien veröffentlichten Kommuniqué, in dem einige ehemalige Mitglieder der Ersten Front ihre Entscheidung zum Ausdruck bringen, sich dem Friedensprozess auszuschließen, der in Havanna im Gange ist, erklärt der Generalstab des Blocks Jorge Briceño der FARC-EP an die Öffentlichkeit:

Ehrenwerter Herr Juan Manuel Santos Calderón, Präsident der Republik Kolumbien,
Kommandeur Timoleón Jiménez, Leiter des Zentralen Generalstabs der FARC-EP,
ehrenwerter Herr Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen,
sehr geehrter Herr Borge Brende, Außenminister des Königreichs Norwegen , Garant des Gesprächstisches,
sehr geehrte Michelle Bachelet Präsidentin der Republik Chile, begleitendes Land des Gesprächstisches,
sehr geehrter Nicolás Maduro, Präsident der Bolivarischen Republik Venezuela, begleitendes Land des Gesprächstisches,
sehr geehrter Danilo Medina, Präsident der Dominikanischen Republik und Pro Tempore Vorsitzender der CELAC,
sehr geehrter Salvador Sánchez, Präsident der Republik El Salvador,
sehr geehrter Enrique Peña Nieto, Präsident der Vereinigten Staaten vom Mexiko,
verehrte Teilnehmer und zu dieser Veranstaltung eingeladene Gäste,

am 19. November 2012 nahm der Gesprächstisch zwischen der Regierung Kolumbiens und den Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes seine Arbeit auf.

Nicht wenige sagten damals sein Scheitern voraus, wie dies bei vorangegangenen Friedensprozessen in Kolumbien geschehen ist. Aber die transzendentalen Vereinbarungen, die vom Gesprächstisch heute angekündigt wurden, lassen das Ende des bewaffneten Konflikts, unter dem das kolumbianische Brudervolk seit über fünf Jahrzehnten gelitten hat, so nah wie nie zuvor erscheinen.

FARC-Comandante Iván Márquez unterzeichnet den Waffenstillstand. Screenshot: TeleSurFARC-Comandante Iván Márquez unterzeichnet den Waffenstillstand. Screenshot: TeleSurIm Rahmen einer offiziellen Zeremonie haben die Delegationen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP) und der kolumbianischen Regierung am heutigen Donnerstag das Abkommen über eine dauerhafte und beiderseitige Einstellung der Kämpfe und Feindseligkeiten unterzeichnet. In Anwesenheit zahlreicher lateinamerikanischer Staatschefs gingen die beiden Parteien damit einen entscheidenden Schritt zur Beendigung des seit mehr als einem halben Jahrhundert andauernden Krieges. Nach den vier Jahre dauernden Verhandlungen fehlt nun praktisch nur noch die Unterzeichnung des Friedensvertrages, damit der Prozess der Wiedereingliederung der FARC-Kämpfer in das zivile Leben beginnen kann.

Die Linke»Die heute unterzeichnete bilaterale und endgültige Waffenstillstandsvereinbarung zwischen der Regierung Kolumbiens und der Guerillaorganisation FARC-EP ist eine historische Zäsur und der erste Schritt auf dem Weg zum Ende des internen bewaffneten Konfliktes«, erklärt Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke. Hänsel weiter: »Für den Frieden in Kolumbien ist nun aber auch unabdingbar, dass die Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der zweitgrößten Guerillaorganisation ELN ohne Vorbedingungen aufgenommen werden.«

Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - Armee des VolkesRepublik KolumbienDie Delegationen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP) und der kolumbianischen Regierung haben bei den Friedensverhandlungen in Havanna einen bilateralen und dauerhaften Waffenstillstand vereinbart. Die feierliche Zeremonie der Unterzeichnung soll am morgigen Donnerstag in Havanna stattfinden. Wir dokumentieren nachstehend in eigener Übersetzung das Gemeinsame Kommuniqué der beiden Delegationen:

Havanna, Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Delegationen der Nationalen Regierung und der FARC-EP informieren die Öffentlichkeit, dass wir mit Erfolg das Abkommen für die bilaterale und dauerhafte Einstellung des Feuers und der Feindseligkeiten erreicht haben. Es beinhaltet das Niederlegen der Waffen, die Sicherheitsgarantien und den Kampf gegen die für Morde und Massaker verantwortlichen oder Menschenrechtsverteidiger, soziale Bewegungen oder politische Bewegungen angreifende kriminellen Organisationen einschließlich der kriminellen Organisationen, die als Nachfolger des Paramilitarismus und seiner Unterstützernetzwerke angesehen werden, sowie die Verfolgung kriminellen Verhaltens, das die Umsetzung der Abkommen und den Aufbau des Friedens gefährden kann.

Marcha PatrioticaDie kolumbianische Menschenrechtsaktivistin und frühere Senatorin Piedad Córdoba ist am Freitag in der Stadt Quibdó offenbar einem Mordanschlag entgangen. Wie die Sprecherin der politischen Bewegung »Marcha Patriótica« dem örtliche Sender Qradio sagte, konnte sie dem Attentat nur deshalb »wie ein Wunder« unverletzt entkommen, weil sie sich auf ihre Leibwächter verlassen konnte. Diese hätten sofort reagiert, als sie eine Person gesehen habe, die gerade eine Waffe zog. »Ich bin noch nie in meinem Leben so schnell auf hochhackigen Schuhen gelaufen, ich glaube ich habe auf 100 Meter die 10-Sekunden-Marke gebrochen«, sagte sie. Der mutmaßliche Attentäter wurde offenbar von einer Gruppe Motorradfahrern begleitet, die ihn anschließend in Sicherheit brachten.

Nationale BefreiungsarmeeDas Außenministerium begrüßt die Vereinbarung zwischen der Regierung Kolumbiens und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), die heute als Ergebnis der erfolgreichen Sondierungsgespräche zwischen beiden Parteien erreicht wurde, an denen Kuba als Begleitendes Land teilgenommen hatte.

Diese Vereinbarung wird es ermöglichen, bald eine öffentliche Gesprächsrunde zwischen der Regierung Kolumbiens und der ELN einzuleiten, ein weiterer wichtiger Schritt nach vorn zur Erreichung des Friedens in Kolumbien.

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