Sonntag, 25. Juni 2017
Solidaritätsanzeige

Ein Foto vom gestrigen Abend in der Botschafterresidenz: Bundespräsident Joachim Gauck mit Filmemacher Florian Gallenberger. Im Hintergrund der verurteilte Täter der Colonia Dignidad Reinhard Zeitner. Foto: fdclEin Foto vom gestrigen Abend in der Botschafterresidenz: Bundespräsident Joachim Gauck mit Filmemacher Florian Gallenberger. Im Hintergrund der verurteilte Täter der Colonia Dignidad Reinhard Zeitner. Foto: fdclWir dokumentieren nachstehend eine heute verbreitete Pressemitteilung des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile-Lateinamerika e.V. (fdcl):

Der Fall Colonia Dignidad war das wohl wichtigste politische Thema des zweitägigen Chile-Besuchs von Bundespräsident Joachim Gauck, der heute zu Ende geht. Nach der selbstkritischen Rede von Bundesminister Steinmeier zum Versagen der bundesdeutschen Diplomatie vom 26.04.2016 wollten die verschiedenen Opferkollektive vom Bundespräsidenten hören, was die Bundesregierung nun für die Opfer zu tun gedenkt. Stattdessen hörten sie von Gauck was sie nicht tun wird: „Was die deutsche Regierung sicher nicht tun wird, das sind irgendwelche Wiedergutmachungsansprüche zu akzeptieren“. Die Hauptverantwortung liege stattdessen in Chile, „denn die deutsche Regierung hat nicht in Chile die Diktatur gebaut oder daran mitgewirkt. Was wir betrauern und bedauern ist, dass deutsche Diplomaten in einer Zeit Menschenrechtsverletzungen und -verbrechen nicht ernst genug genommen haben“. Trotzdem sei sein Erschrecken groß „wenn z.B. deutsche Diplomaten jahrelang wegschauten, wenn in der deutschen Sekte „Colonia Dignidad“ Menschen entrechtet, brutal unterdrückt und gefoltert wurden, und dann gar der chilenische Geheimdienst dort foltern und morden konnte“.

Zum Tod von Margot HoneckerWir dokumentieren nachstehend in eigener Übersetzung die am Freitag (Ortszeit) von der Kommunistischen Partei Chiles veröffentlichte Erklärung zum Tod der zuletzt in Santiago de Chile lebenden früheren DDR-Bildungsministerin Margot Honecker:

Die Kommunistische Partei Chiles hat vom Tod Margot Honeckers heute morgen in unserem Land erfahren. Sie spricht ihrer Tochter Sonia, ihren Familienangehörigen, Freundinnen und Freunden ihr tief empfundenes Beileid aus.

Es sind Hunderte ins Exil gezwungene chilenische Kommunisten, die sich voller Wertschätzung der Solidarität und Freundschaft erinnern, deren aktiver Teil Margot Honecker war. Diese Solidarität erreichte das chilenische Volk in der härtesten Phase der bürgerlich-militärischen Diktatur, die unser Land seit September 1973 geprügelt hat.

DDRWie chilenische Medien unter Berufung auf der Familie nahestehende Quellen berichten, ist Margot Honecker am heutigen Freitag im Alter von 89 Jahren in Santiago de Chile verstorben. Die frühere Bildungsministerin der DDR, Ehefrau von SED-Generalsekretär Erich Honecker, lebte seit Januar 1993 in Chile. Das Ehepaar hatte in dem südamerikanischen Land Asyl erhalten und entging so der in Deutschland entfesselten antikommunistischen Hexenjagd.

junge WeltNach der Ankündigung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag, die Akten des Auswärtigen Amtes über die chilenische »Colonia Dignidad« vorfristig freizugeben, richtet sich das Interesse auf deren Inhalte. »Interessant wird sein, ob sich Horst Paulmanns Name in den Papieren wiederfindet«, schreibt die in Berlin erscheinende Tageszeitung »junge Welt« in ihrer Wochenendausgabe.

Der Stern wieder an seinem Platz. Foto: Partido Comunista de Chile / FacebookDer Stern wieder an seinem Platz. Foto: Partido Comunista de Chile / FacebookIm Rahmen einer Ehrung für Chiles großen Dichter Pablo Neruda ist am Sonntag am früheren Gebäude des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chiles wieder der rote Stern mit Hammer und Sichel angebracht worden, der dort bis zum faschistischen Putsch 1973 gehangen hatte. Gefeiert wurde die Zeremonie von zahlreichen Mitgliedern der Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Jugend Chiles, die gemeinsam »El Pueblo Unido«, die Hymne der Unidad Popular, sangen.

Kommunistische Jugend ChilesKommunistische Jugend ChilesAm Donnerstag wurden im chilenischen Valparaíso am Rande einer Großdemonstration für eine Bildungsreform zwei Studenten erschossen, die gerade Parolen an eine Mauer gesprüht hatten. Wir dokumentieren nachstehend in eigener Übersetzung die Erklärung der Kommunistischen Jugend Chiles (JJ.CC.), der einer der beiden jungen Männer angehört hatte:

Mit tiefem Schmerz haben wir die Nachricht vom Mord an zwei jungen Studenten in Valparaíso erhalten, die sich an der Demonstration  für Bildung beteiligt hatten: Exequiel Borbarán und Diego Guzmán Farías, letzterer Genosse im Kommunistischen Jugendverband von Quillota. Zwei Jugendliche, die im Kampf für eine andere Gesellschaft gefallen sind, ohne jemanden provoziert zu haben, weil sie Propaganda betrieben haben, wie es so viele von uns in diesen Jahren getan haben. Wir sprechen ihren Familienangehörigen, Freunden und Genossen  unser tiefstes Beileid aus.

Camila Vallejo. Foto: Mauro Rico / Ministerio de Cultura argentino (CC BY-SA 2.0)Camila Vallejo. Foto: Mauro Rico / Min.
de Cultura argentino (CC BY-SA 2.0)
In Chile hat liefern sich der rechtsliberale Politiker Jorge Schaulsohn und die kommunistische Abgeordnete Camila Vallejo eine virtuell verbale Auseinandersetzung um die Frage, ob eine Parlamentarierin ihr kleines Kind mit in die Plenarsitzungen nehmen sollte. Am Wochenende kommentierte Schaulsohn über den Internetdienst Twitter, es sei »unangemessen«, dass Vallejo ihr Kind mit ins Parlament genommen habe: »Das hätte nicht erlaubt werden soll. Von den Diäten kann sie ein Kindermädchen bezahlen.« Dann legte er noch einmal nach: »Mit dem Baby in die Parlamentssitzung zu kommen, zeigt, dass sie elitär ist. Sie glaubt, dass die Regeln für sie nicht gelten.« Und schließlich noch einer: »Kann sich jemand eine Richterin vorstellen, die sich mit ihrem Kind in den Armen Zeugenaussagen anhört?«

Claudia PascualClaudia PascualZum ersten Mal seit 40 Jahren – seit dem Sturz der Regierung des Präsidenten Salvador Allende durch einen von der CIA unterstützten Militärputsch – werden Chiles Kommunisten an einer Regierung beteiligt sein. Die designierte Präsidentin Michelle Bachelet stellte heute in Santiago de Chile ihr Kabinett vor. Neben Mitgliedern ihrer eigenen Sozialistischen Partei, der linksliberalen Partei für die Demokratie (PPD), der Radikalen Partei und der Christdemokraten gehört auch ein Mitglied der Kommunistischen Partei Chiles zur Regierungsmannschaft. Claudia Pascual wird als Ministerin künftig den Nationalen Frauendienst (SERNAM) leiten.

Michelle Bachelet feiert den Wahlsieg. Foto: Homepage Michelle BacheletMichelle Bachelet feiert den Wahlsieg. Foto: Homepage Michelle BacheletMichelle Bachelet ist die neue Präsidentin Chiles. Nach Auszählung von 99,97 Prozent der Urnen lag die Kandidatin des Mitte-Links-Bündnisses »Neue Mehrheit« mit 62,16 Prozent der abgegebenen Stimmen klar vor der Vertreterin der Rechten, Evelyn Matthei, die nur 37,83 Prozent erreichte. Mit fast 3,5 Millionen Stimmen überflügelte Bachelet ihre Gegnerin um mehr als 1,3 Millionen Voten. Zum zweiten Mal nach 2005 kehrt das Mitglied der Sozialistischen Partei damit in den Regierungssitz La Moneda ein. Es war der höchste Wahlsieg einer Präsidentschaftskandidatin seit dem Ende der Pinochet-Diktatur und beendet vier Jahre Regierung der Rechten unter Sebastián Piñera.

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