Beklemmende Bilder: In Sao Paulo heben Bagger Gräber für die am Coronavirus Gestobenen aus. 800 jeden Tag. Brasiliens Gesundheitssystem ist wie viele andere nicht für die Abwehr einer solchen Seuche eingerichtet. Die neoliberale Formierung unter dem Diktat des IWF und der Weltbank hat, was vorhanden war, finanziell ausgetrocknet und zerstört. Es gibt keine Tests, kaum Schutzkleidung, keine angemessene medizinische Versorgung.

Die Zahl der Corona-Fälle in Brasilien hat die 100.000er-Marke überschritten. Rund 7.000 Menschen sind hier bislang am Virus gestorben. Die Zahl der Neuinfektionen ist sprunghaft gestiegen. Da es kaum Tests gibt, ist die Dunkelziffer erheblich, noch höher als in den kapitalistischen Hauptstaaten.

In Brasiliens Armenvierteln leben dichtgedrängt 13 Millionen Menschen. Soziale Distanz, Hygiene, sauberes Wasser, Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Stärkung des Immunsystems durch gesunde Ernährung ist hier kaum zu erreichen. Die Seuche kann jeden treffen, aber sie trifft die Armen zuerst.

Präsident Jair Messias Bolsonaro, der sich gern als „Tropical Trump“ feiern lässt, gehört zu den Covid-19-Verharmlosern: Corona sei nur Phantasie oder eine Art leichter Grippe. Klar, Tausende seien gestorben, aber was soll’s, er heiße zwar Messias, aber zaubern könne er nicht. Mit Sprüchen dieser Art macht man sich nicht beliebt. besonders nicht bei jenen, die gerade den Tod eines Angehörigen zu beklagen haben.

Bolsonaros Popularitätswerte sanken Ende April auf 29 Prozent. 40 Prozent der Befragten fanden ihn „furchtbar“.
Hinter den Kulissen ist ein Machtkampf entbrannt. Mitte April feuerte Bolsonaro seinen Gesundheitsminister, der sich der Verharmlosungsstrategie seines Präsidenten nicht anschließen mochte. Am 22. April entließ er den Chef der Bundespolizei, Maurício Valeixo. Darauf trat der Justizminister zurück und beschuldigte den Präsidenten, sich unrechtmäßig der Kontrolle über die Bundespolizei bemächtigen zu wollen. Er war der achte Minister, der das Kabinett Bolsonaro verließ oder verlassen musste. Um den Präsidenten ist es einsam geworden.

Brasilien ist zu bedeutend, als dass es Washington egal sein könnte, was im „US-Hinterhof“ passiert. Die brasilianischen Ölreserven werden mit 30 Billionen Dollar bewertet. Die USA, Brasilien und Argentinien stehen für 82 Prozent der globalen Sojaproduktion. Auf beides ist China dringend angewiesen, der Top-Handelspartner Brasiliens. Das Land ist aus der Zeit Lula da Silvas Mitglied der BRICS-Gruppe, die eine vom Imperium unabhängige Entwicklungspolitik verfolgt.

Mit Bolsonaro war der „Tropical Trump“ gefunden, der jede Wendung Washingtons nachvollzog.

Allerdings ist mit dem dumpfen Protofaschisten nicht viel Staat zu machen. Er geriet in Bezug auf China zum Teil in massiven Konflikt mit den Handels- und Wirtschaftsinteressen seiner brasilianischen Hintermänner. Es sieht nach einem Wechsel der Frontfiguren aus. Mit Sergio Moro käme ein weiterer Mann Washingtons zum Zug.

Quelle:

UZ – Unsere Zeit

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