Montag, 16. Juli 2018
Solidaritätsanzeige

Um sieben Uhr morgens am 6. April weckte ich Lula auf. Er hatte in einem improvisierten Zimmer auf einer auf dem Boden liegenden Matratze im Sitz der Metallarbeiter in São Bernardo do Campo genächtigt. Ich kam, um mich von meinem Freund zu verabschieden, denn ich hatte für um 10 Uhr eine Flugreservierung.

Wer erinnerten uns daran, dass 38 Jahre zuvor, auch im April, ich bei ihm zu Hause geschlafen hatte, als die Polizei des Bundesstaates für Politische und Soziale Ordnung (Deops) ihn festnahmen, weil er einen Streik der Metallarbeiter gegen die Militärdiktatur angeführt hatte.

In Zeiten der Intoleranz erinnere ich mich immer daran, dass der Hass ein Gift ist, das man anwendet, in der Hoffnung, dass der andere stirbt... Aber aus meiner Erziehung heraus und wegen der christlichen Prinzipien verwechsle ich Freundschaft nicht mit unterschiedlichen Meinungen. In meiner Familie gibt es Personen mit unterschiedlichen Ideologien und Berufen, es sind sogar Generäle und Bankiers darunter. Von denen, die in Lava Jato involviert sind, besuchte ich auch Otávio Melo Azevedo, den ehemaligen Präsidenten der Andrade Gutierrez, den Nachbarn meiner Jugend in Belo Horizoonte und José Carlos Bumlai, der aktiv an Kampagne Hunger beteiligt war, als sich zu Beginn der Regierungszeit Lulas mit Oded Grajew die soziale Mobilisierung koordinierte.

Trotz meiner Krtikiken an den Regierungen der Arbeiterpartei PT, die in den Büchern A mosca azul – reflexão sobre o poder y Calendário do poder zu finden sind, die beide vom Rocco Verlag veröffentlicht wurden, war die 40 Jahre währende Freundschaft mit Lula nie unterbrochen.

Von den Werten des Evangeliums habe ich gelernt, Menschen nicht zu diskriminieren, auch wenn ich mit ihren Ideen und Handlungen nicht einverstanden bin. Und besonders dann nicht, wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden. Das war die Haltung von Jesus unter anderem gegenüber der Ehebrecherin und dem reichen Zachäus, gegenüber Magdalena, die von „sieben Teufeln besessen war“ und dem römischen Zenturio, der Palästina besetzt hielt.

Lula strahlte Gelassenheit aus. Er fragte mich nach der Familie und nach gemeinsamen Freunden, darunter auch nach Ricardo Kotscho, den er aufwecken wollte, um sich mit ihm am Telefon zu unterhalten.

Er sagte mir, dass er sich nicht in Curitiba melden würde. Dass die Polizei ihn holen kommen soll. Er betrachte den von Richter Sérgio Moro ausgestellten Haftbefehl als anmaßend, wenn noch nicht alle von der Verteidigung aufgenommenen Prozessmaßnahmen erschöpft seien.

Er erinnerte daran, dass, als sie in 1980 festgenommen hatten, er sich beunruhigter gefühlt habe als jetzt. Damals hatte er keine Ahnung, wohin ihn die Polizisten der Repression bringen würden. Auf dem Weg zwischen seinem Haus in São Bernardo do Campo und dem Gefängnis der Deops in Sao Paulo auf der Via Anchieta herrschte dichter Nebel.

Er fühlte sich erleichtert, als er über das Radio im Polizeiauto hörte, dass die Nachricht von seiner Gefangennahme von dem Kardinal und Erzbischof von Sao Paulo Paulo Evaristo Arns und dem Bischof von Santo André verbreitet worden war, die ich angerufen hatte, nachdem die Polizei ihn mitgenommen hatte.

An diesem Freitag haben wir, genau wie 1980, zusammen gebetet und wir haben uns daran erinnert, dass am folgenden Tag der Geburtstag von Marisa wäre, der Lebensgefährtin, die ihn 43 Jahre lang begleitet hatte.

Quelle:

Granma Internacional


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