Mittwoch, 23. August 2017
Solidaritätsanzeige

Mit verlogenen Feierlichkeiten erinnert das offizielle Deutschland an diesem Wochenende an den »Mauerfall« vor 25 Jahren. Am 9. November 1989 hatten die Behörden der DDR dem Druck der Bevölkerung nachgegeben und auf den Einsatz von Gewalt gegen die an der Grenzen zusammengeströmten Menschen verzichtet. Die unkontrollierte und unkoordinierte Öffnung der Grenze nach Westberlin und später nach Westdeutschland besiegelte das Ende der DDR – ein Jahr später war der zweite deutsche Staat Geschichte, anderthalb Jahre später konnten die USA ungehindert den Irak bombardieren, keine zehn Jahre später führte das wiedervereinigte Deutschland wieder selbst Krieg – deutsche Flugzeuge bombardierten Jugoslawien.

 

Daran wird bei den Erinnerungsfeierlichkeiten in Berlin nicht erinnert. Auch nicht an die heute noch existierenden Mauern, die Jahr für Jahr Tausende Menschenleben fordern. Rund um die EU (unser Foto: Melilla) haben die europäischen Staaten hochmoderne Sperranlagen errichtet, um Flüchtlingen die Flucht aus Krieg und Elend unmöglich zu machen. In den vergangenen 25 Jahren sind Zehntausende Menschen auf der Flucht über diese Grenzen oder über das Mittelmeer ums Leben gekommen. An sie erinnern keine weißen Kreuze im Berliner Regierungsviertel.

Die israelische Regierung hat entlang der Grenze zu Palästina eine meterhohe Mauer errichtet (unser Foto: Bethlehem), die Dörfer von den umliegenden Feldern trennt, die das Leben im Westjordanland unmöglich macht. Internationale Kritik daran wird von Tel Aviv mit einem Schulterzucken beantwortet – kann sich das dortige Regime doch auf die treue Unterstützung der verbliebenen Supermacht USA verlassen.

Die USA selbst haben an der Grenze zu Mexiko brutale Sperranlagen aufgebaut, um Menschen die Einreise in »God's own country« zu verwehren. An dieser Mauer sterben täglich Menschen, andere – auch viele Kinder – werden abgefangen und in Not und Bürgerkrieg zurückgeschickt.

Schließlich zieht sich eine weitere Mauer durch die Wüste. Marokko hat sie errichtet, um die von der Befreiungsbewegung Frente Polisario kontrollierten Gebiete der Westsahara von den Territorien abzutrennen, die Rabat besetzt und annektiert hat. Ein von den Vereinten Nationen gefordertes Referendum der Bevölkerung der Westsahara über ihre Unabhängigkeit wird von Marokko seit Jahrzehnten verweigert. Trotzdem wird das Königreich von der EU verhätschelt, hofft man doch auf einträgliche Wirtschaftsbeziehungen.

Wer von den heutigen Mauern nicht sprechen will, sollte auch von der Berliner Mauer schweigen.

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