Mittwoch, 26. Juli 2017
Solidaritätsanzeige

Türkei

Trauer um Berkin ElvanDie AKP, die vor dem Verlust ihrer Macht steht und der es nicht gelungen ist, den Juni-Widerstand zu brechen und das Volk zu besiegen, hat ein weiteres Menschenleben gefordert - das unseres kleinen Bruders Berkin.

Heute nehmen wir Abschied von Berkin Elvan, der am 16. Juni in Okmeydani, Istanbul, von AKP-Polizisten mit einer Gasgranate in den Kopf geschossen wurde. Berkin war 15 Jahre alt und kämpfte 269 Tage lang auf der Intensivstation. In dieser Zeit gab er uns Entschlossenheit, Kraft und Hoffnung.

Hayat TV berichtet von der Repression in AnkaraNach 269 Tagen im Koma ist der mittlerweile 15-jährige Berkin Elvan am gestrigen Dienstag gestorben. Der Jugendliche war im vergangenen Sommer während der Gezi-Proteste in Istanbul von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen worden, während er sich auf dem Weg zu einem Bäcker befunden hatte, um für die Familie Brot zu kaufen. Obwohl er selbst nicht an den Aktionen beteiligt war, ist er das achte und jüngste Opfer der brutalen Unterdrückung der Gezi-Proteste durch  Erdogan und seine AKP-Regierung.

Protest gegen Erdogan in BerlinErdoğan, Parteichef der AKP und Premierminister der Türkei kommt nach Deutschland, um zu demonstrieren, dass seine Regierung immer noch die Macht besitzt. Selbstverständlich wird er der neuen Koalition im Bundestag mit der Ankündigung von neuen Handelsbeziehungen auch einige andere Botschaften übermitteln wollen. Denn der Korruptionsskandal vom 17. Dezember 2013 löste in den Reihen der AKP-Machthaber angesichts der vorhandenen Regierungskrise Panik und Unbehagen aus, mit der Befürchtung die Krise könne ausarten. Erdoğan beschrieb in diesem Zusammenhang den 17. Dezember in Anlehnung an postmodern als “dostmodern bir darbe”: ein postmoderner Freundschaftsputsch.

Kommunistische Partei der TürkeiKommunistische Partei der Türkei1. Das AKP-Regime ist mit allen Institutionen und Komponenten ruiniert.

2. Die internen Risse des AKP-Regimes, die seit dem 17. Dezember endgültig zur Spaltung  führen, zeigen deutlich die Diskrepanz zwischen der türkischen Realität und der AKP-Ideologie. Das Ende dieses Regimes nahm seinen Anfang mit dem Juni-Widerstand des Jahres 2013.

3. Es ist deutlich geworden, dass die Türkei nicht in die Passformen des AKP-Regimes passt.  Der volksfeindliche, religiöse, kapitalfreundliche und kollaborative Charakter des AKP-Regimes wurde von dynamischen Teilen der Bevölkerung abgelehnt.

Mitglieder der TKP bei der Maidemonstration 2011 in Istanbul. Foto: barisabak / flickr.comMitglieder der TKP bei der Maidemonstration 2011 in Istanbul. Foto: barisabak / flickr.comEnde Oktober führte die Deutschland-Organisation der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP) in Altenau ihre zweite Jahreskonferenz durch. Zu der Tagung angereist waren auch Delegierte aus den Niederlanden und Österreich sowie Aydemir Güler vom Zentralkomitee der Partei und Neslisah Basaran aus der Leitung des theoretischen Parteiorgans »Gelenek«. Ein Grußwort erhielten die Teilnehmer der Konferenz zudem vom internationalen Sekretär der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), Günter Pohl. Es folgte eine »zweitägiger Marathon«, dessen einzige Unterbrechung ein Kulturabend am ersten Konferenztag war, wie die TKP in einer Erklärung mitteilt.

Antakya. Foto: Evgeni Zotov / flickr.comAntakya. Foto: Evgeni Zotov / flickr.comAm Montagabend ist in der südtürkischen Stadt Antakya ein junger Demonstrant an den Folgen eines brutalen Polizeieinsatzes gestorben. Der 22-jährige hatte an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Polizeigewalt während der Proteste im vergangenen Sommer teilgenommen, die von der Polizei attackiert wurde. Offenbar hat ihn eine Tränengasgranate am Kopf getroffen, berichteten Verwandten gegenüber türkischen Medien. Der junge Mann starb demnach kurze Zeit später im Krankenhaus.

Juni-Widerstand auf dem Taksim-PlatzJuni-Widerstand auf dem Taksim-Platz»Der Kampf geht weiter!« Dieser Slogan ist seit dem 29. Mai nicht mehr von den Straßen und Plätzen der Türkei wegzukriegen. Manchmal wird er von Hunderttausenden, aber manchmal gerade von ein paar Hunderten skandiert. Über den »Juni-Widerstand« wurde schon viel geschrieben, manche »Legenden« konnten sich bilden. Eine sachliche, aber parteiliche Darstellung hat jedoch bis jetzt in der deutschen Öffentlichkeit gefehlt.  Diesem Anspruch werde ich versuchen gerecht zu werden.

Die Protestbewegung lässt nicht nach. Foto: TKPDie Protestbewegung lässt nicht nach. Foto: TKPMit einer Erklärung hat die Kommunistische Partei der Türkei (TKP) auf die fortgesetzte Polizeibrutalität in der Türkei hingewiesen. Die Partei geht davon aus, dass die erneute Eskalation auch durch die Ereignisse in Ägypten provoziert wurde. Wir dokumentieren die Erklärung der TKP in eigener Übersetzung aus dem Englischen.

Es scheint, das Ministerpräsident Erdogan über die Ereignisse in Ägypten zu Tode erschrocken ist und den Befehl gegeben hat, die Ansammlungen umgehend aufzulösen.

Zehntausende in Köln gegen Erdogan. Foto: strassenstriche.net / flickr.comZehntausende in Köln gegen Erdogan. Foto: strassenstriche.net / flickr.comZehntausende Menschen haben heute in Köln gegen die brutale Unterdrückung der Protestbewegung in der Türkei demonstriert.  Die Alevitische Gemeinde, die die Aktion gemeinsam mit zahlreichen anderen linken und internationalen Vereinigungen organisiert hatte, war im Vorfeld von rund 30.000 Teilnehmern ausgegangen - es wurden viel mehr. Zuletzt sprachen die Veranstalter von 100.000 Menschen. Aufgrund der riesigen Menschenmenge verzichtete man auf den geplanten Demonstrationszug durch Köln und verlängerte stattdessen die Kundgebung »Überall ist Taksim, überall ist Widerstand« auf dem Heumarkt.

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