Donnerstag, 19. Oktober 2017
Solidaritätsanzeige

Die spanische Justiz will nicht gegen die Polizeigewalt vorgehen. Screenshot: TV3Die spanische Justiz will nicht gegen die Polizeigewalt vorgehen. Screenshot: TV3Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, veröffentlichte heute auf Facebook einen Kommentar, den wir nachstehend in eigener Übersetzung dokumentieren:

Die PP-Regierung beharrt auf ihrer großen Lüge. Sie leugnet weiter, was für die internationale Presse und für alle, die die Bilder vom Polizeivorgehen am 1. Oktober in Katalonien gesehen haben, offensichtlich ist: Es gab Gewalt, Brutalität, Blutvergießen.

Seit langer Zeit hat die spanische Rechte ein falsches und verzerrtes Bild von dem gezeichnet, was in Katalonien passiert. Sie sprechen von Totalitarismus, von zerstörtem Zusammenleben, von einer durch gewalttätige »Separatisten« eingeschüchterten Bevölkerung. Nicht einmal die Worte, die sie nutzen, sind neutral.

»Aufrüher«, »Separatisten« sind keine beschreibenden Begriffe, sondern aufgeladen mit einer perversen Einbildung. Mit Worten beginnt man damit, den anderen zu entmenschlichen – und man endet mit dem Befehl, an der Schultür auf alte Frauen einzuprügeln, und nennt dies »Professionalität«, »Angemessenheit«, »Verteidigung der Demokratie«.

Wenn es zwei so unterschiedliche Versionen gibt, um die Realität zu erklären, ist es am besten, die Tatsachen zu analysieren.

Es ist eine Tatsache, dass am 1. Oktober 844 Personen verletzt wurden. Eine von ihnen hat ein Auge verloren... Angemessen? Wann ist ein Auge angemessen? Wann ist es angemessen, eine Frau von der Treppe zu stürzen? Alte Menschen an den Haaren zu zerren? Die Angst, die die Kinder spürten und spüren, wenn sie ihre zerstörten Schulen sehen?

Ich bin keine Unabhängigkeitsbefürworterin, ich unterstütze nicht den einseitigen Weg. Das habe ich oft gesagt und das wiederhole ich. Ich bin sehr kritisch gegenüber der Regierung von Puigdemont und mir gefällt nicht, wie sie die Dinge gemacht haben. Aber es gibt etwas, das über dem steht, was wir einen oder anderen meinen, und was uns alle, die wir an die Rechte, Freiheiten und die Demokratie glauben und sie verteidigen, vereinen sollte: Der Einsatz von Gewalt des Staates gegen die friedliche Bevölkerung ist nicht hinnehmbar.

Heute hat der Regierungssprecher die Katalaninnen und Katalanen, die gegen die Polizeirepression demonstrieren, als »Nazis« bezeichnet. Erneut diese Worte – Nazi? Ist sich der Herr Hernando bewusst, was die Nazis getan haben? Haben die Nazis etwa jahrelang friedlich demonstriert, um das Recht zu wählen einzufordern? Haben die Nazi-Familien die Schulen verteidigt, während Hunderte Polizisten auf sie einschlugen? Sind die Tausenden Alten, Frauen, Männer, Jugendlichen, Jungen und Mädchen, die heute mit dem Ruf »Wir sind Menschen des Friedens« die Straße füllen, wirklich Nazis? Das Wort »Nazis« in solch frivoler Weise zu benutzen ist eine Beleidigung der Opfer des Nazismus und müsste ihn vor Scham versinken lassen.

Wenn dies, was ich schreibe, Informationsbarrieren überwindet, wenn es jene Menschen außerhalb Kataloniens lesen, die wissen wollen, was passiert: Bitte, versucht diesen Konflikt ohne Vorurteile zu analysieren. Traut euch zu hinterfragen, was die Sprecher der Regierung sagen. Was sie leugnen oder, schlimmer noch, rechtfertigen.

Wir stehen einer beispiellosen Staatskrise gegenüber, und mich besorgt die totale Blockade der Beziehungen zwischen der katalanischen und der spanischen Regierung. Aber wirklich traurig wäre, wenn die Bande der Herzlichkeit und der Verbundenheit zerreißen würden, die uns unten, die Menschen, zusammenhalten. Das dürfen wir nicht zulassen.

Sie haben uns geschlagen. Sie haben uns Schmerzen zugefügt. Es wird nicht einfach sein, das zu vergessen. Wir brauchen eure Hilfe.

Das Geschehene verletzt die grundlegenden Rechte und Freiheiten aller: Katalanen, Spanier, Europäer... Heute ist es Katalonien, morgen kann es jeder anderer Ort sein, wenn wir dieses Vorgehen normalisieren und es straffrei bleibt. Wenn wir es rechtfertigen, sind wir verloren. Wir alle verlieren. Die Demokratie verliert.

Unsere Väter, Mütter, Großväter und Großmütter, die für sie gekämpft haben, werden uns das nicht verzeihen.

Für sie, für ihr Vermächtnis, müssen wir uns zusammentun, um die Demokratie zu retten, um denjenigen zu verjagen, der dieses unverhältnismäßige Vorgehen angeordnet hat und unfähig ist, eine politische und friedliche Lösung zu finden. Wer die Verantwortung für den Staat trägt, muss zuhören, die Bevölkerung respektieren, positive Vorschläge machen und Alternativen anbieten – aber niemals die wehrlose Bevölkerung unterdrücken.

Quelle: Ada Colau auf Facebook / Übersetzung: RedGlobe

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