Freitag, 24. November 2017
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Zeitung vum Letzebuerger Vollek»Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte« schrieb Karl Marx in seinem Werk »Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-1850«. In diesem Sinne war die Oktoberevolution, an deren Erfolg mehrere politische Parteien und große Teile der russischen Arbeiterklasse und der Armee mitwirkten, nicht nur das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts, sondern gleichzeitig der bisherige Höhepunkt in der Reihe der großen Revolutionen in der modernen Geschichte, angefangen bei der englischen Revolution von 1688, der amerikanischen von 1776, der französischen von 1789, den europäischen Revolutionen von 1848 und der Pariser Commune von 1871.

Die zehn Tage, die die Welt erschütterten, wie der US-amerikanische sozialistische Journalist John Reed die Oktoberevolution charakterisierte, und die Sowjetmacht führten nicht nur in der Sowjetunion zu einer beispiellosen Entwicklung der Wirtschaft und der Kultur im ehemaligen zaristischen Völkergefängnis, sondern hatten auch enorme Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit im kapitalistischen Teil Europas – sogar im kleinen Luxemburg – und leiteten die Entkolonialisierung in der Welt ein. Und wäre überhaupt ein Sieg über den Faschismus möglich gewesen, hätte es die Oktoberrevolution und die Sowjetunion nicht gegeben?

Revolutionen werden nicht nach Belieben gemacht oder weil einer Partei gerade danach zumute ist, sondern sie haben objektive Grundlagen und erfolgen immer dann, wenn, wie Lenin sich ausdrückte, es für die Oberen unmöglich ist, ihre Herrschaft unverändert aufrechtzuerhalten und die Unteren nicht mehr wollen und zu selbstständigem Handeln gedrängt werden.

Die zentrale Losung der Bolschewiki »Frieden, Brot, Land« entsprach damals ebenso der Stimmung und dem Willen von Millionen kriegsmüden, unterdrückten und ausgebeuteten Arbeitern, Soldaten und Bauern, wie die Vergesellschaftung der kapitalistischen Großbetriebe und, in Anlehnung an die Erfahrungen der Pariser Commune, das Entstehen von Räten (Sowjets) als einer neuartigen Form der Demokratie.

Die Revolution war nur der Anfang eines langen revolutionären Prozesses, der scharfen, auch militärischen Angriffen der Kapitalisten und imperialistischen Staaten ausgesetzt war, so dass eine sozialistische Entwicklung stark gehemmt wurde. Erzielt wurden dennoch bahnbrechende Erfolge, aber es gab auch Rückschläge und Fehlentwicklungen, Personenkult und Verbrechen. Schlußendlich scheiterte der reale Sozialismus sogar, und es kam zu einer konterrevolutionären Entwicklung und zu einer Restauration kapitalistischer Verhältnisse.

Schlussfolgerungen aus dieser schweren Niederlage zu ziehen, ist ein langwieriger und schmerzlicher Prozeß – er dauert nun schon mehr als zwei Jahrzehnte –, der aber auch mit der Gewissheit verbunden ist, dass der Kapitalismus und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die immer unerträglichere Ausmaße annimmt, nicht das Ende der Geschichte sind.

Trotz der Niederlage der Pariser Commune und des sozialistischen Entwicklungsweges in der Sowjetunion und in einer Reihe von Ländern im Osten Europas wird es zu einem neuen Anlauf kommen, um eine sozialistische Gesellschaft frei von Ausbeutung, von Hunger und von Krieg zu schaffen, in der die großen Produktionsmittel sich nicht in der Hand einer kleinen Minderheit befinden, sondern dem Volk gehören und der geschaffene Mehrwert der großen Mehrheit der Schaffenden zugute kommt. Diesem Ziel hat sich die Kommunistische Partei Luxemburgs, die drei Jahre nach der Oktoberrevolution gegründet wurde, heute immer noch verschrieben.

Ali Ruckert, Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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