Dienstag, 12. Dezember 2017
Solidaritätsanzeige

Bericht des russischen Fernsehens über den Start des Corsos. Screenshot: RedGlobeIn Moskau sind heute Angehörige des Motorradclubs »Nachtwölfe« zu einem Corso nach Berlin aufgebrochen. Aus Anlass des 70. Jahrestags des Sieges über den Hitlerfaschismus wollen sie dem Weg der Roten Armee bis in die deutsche Hauptstadt folgen. Dort wollen sie am 9. Mai an den Tag des Sieges erinnern. Nachdem bereits die polnische Regierung den Bikern ein Einreiseverbot ausgesprochen hat, drohten am Sonnabend auch das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium mit einem solchen Schritt.

Gegen diese Behinderung des motorisierten Gedenkens wendet sich die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR). In einer heute verbreiteten Erklärung heisst es:

»Mit großer Irritation und Empörung haben wir, die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten, die Entscheidungen der deutschen Bundesregierung und des polnischen Außenministeriums zur Kenntnis nehmen müssen, der Gedenktour aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung von Faschismus und Krieg zu den Orten des Sieges im ›Großen Vaterländischen Krieg‹ durch russische Motorrad-Freunde die Einreise zu verweigern.

Es ist Zynismus und Heuchelei, wenn es in der in Berlin verbreiteten Erklärung heißt: ›Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass der Jahrestag in Würde begangen wird. Wir stellen uns mit Nachdruck gegen jegliche Instrumentalisierung des unermesslichen Leids der Opfer und des Widerstands gegen die Naziherrschaft.‹ Genau diese Würde des Erinnerns war und ist das Anliegen des Motorrad-Corsos, der zu Stätten der Kämpfe und den Grabstätten der sowjetischen Soldaten führen soll. Eine ›Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung‹ geht von dieser Erinnerungsfahrt wahrlich nicht aus.

Mit diesem Vorgehen zeigen die Bundesregierung und die polnische Regierung erneut, in welch perverser Weise sie selbst die geschichtliche Erinnerung instrumentalisieren: Wir erinnern an das skandalöse Verhalten der polnischen Regierung, den Präsidenten der russischen Föderation nicht zu den Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee einzuladen. Wir erinnern dabei an die empörenden ahistorischen Äußerungen des polnischen Außenministers, dass Auschwitz von der Ukraine befreit worden sei. Wir erinnern an die von keiner deutschen Regierungsseite zurückgewiesenen Äußerungen des ukrainischen Regierungschefs in Berlin, die Ukraine und Deutschland seien 1945 von Russland besetzt worden. Und wir erinnern an die Weigerung der Bundeskanzlerin und der polnischen Regierung, die Einladung zur Zeremonie anlässlich des 9. Mai 2015 in Moskau anzunehmen und stattdessen gar eine ›Gegen-Zeremonie‹ in Polen ins Gespräch zu bringen. Wer solche geschichtspolitischen Setzungen zulässt bzw. selber macht, hat kein Recht, von der ›Würde‹ der Jahrestage zu sprechen.«

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