Schon lange vor dem Ende dieser Krise steht fest, wer als Gewinner und wer als Verlierer aus ihr hervorgehen soll, zumindest nach dem Willen derjenigen, die heute in den Ländern des Kapitals das Sagen haben.

Die Liste der Gewinner ist relativ kurz und sehr übersichtlich. Sie besteht aus den Inhabern der Banken und Konzerne – wir Marxisten nennen sie die Besitzer der Produktionsmittel. Sie erhalten nicht nur den Löwenanteil der riesigen Milliardensummen, die jetzt und in der nächsten Zeit bereitgestellt werden, um »die Wirtschaft zu retten« – als Zubrot machen sie auch noch Extraprofite, wenn all die Kredite zurückgezahlt werden müssen.

Die Liste der Verlierer ist viel länger und unübersichtlicher. Sie besteht zunächst aus denjenigen, die mit ihren Steuergeldern all die Milliardenkredite finanzieren müssen und für die Zinsen aufkommen sollen. Dazu zählen diejenigen, die heute schon ihre Arbeitsplätze verloren haben und in den nächsten Wochen und Monaten verlieren werden. Allein in den USA sind das seit März schon rund 40 Millionen. Hinzu kommen die vielen Millionen, die auf Kurzarbeit gesetzt wurden und damit ohne jedes eigene Verschulden Monat für Monat auf einen beträchtlichen Teil ihres Lohnes verzichten müssen.

Verlierer werden auch diejenigen sein, die Austeritätsmaßnahmen zum Opfer fallen. Hart getroffen sind in den Ländern des Kapitals all diejenigen, die schon jetzt obdachlos sind oder weit unter dem Armutslimit leben, denn für sie wird garantiert kein einziger Krümel vom Tisch derjenigen herunterfallen, die in den Genuß der »Hilfsmaßnahmen« kommen.

Während in den Führungsetagen der USA und der EU-Staaten an der »Rettung der Wirtschaft« gebastelt wird, denkt niemand daran, daß auch ohne die Corona-Krise allein im subsaharischen Afrika täglich 500 Kinder an Hunger sterben, eine Pandemie, gegen die es keine Medizin gibt, aber ein Rezept: die Umverteilung des Reichtums.
Opfer der Krise werden auch unsere Umwelt und das Klima sein. Denn wenn man darangehen wird, die Trümmer der Corona-Krise wegzuräumen, wird es eine Menge Ausreden geben, mit denen wirksame Maßnahmen zum Aufhalten des Klimawandels verhindert werden können.

Auch der gesunde Menschenverstand wird mehr denn je zum Opfer. Es reicht nicht, daß inmitten der Corona-Krise die Luxemburger Abgeordnetenkammer das sogenannte Freihandelsabkommen mit Kanada durchgewinkt hat. In diesen Tagen wurde auch bekannt, daß nur zwei der absolut überflüssigen und zudem friedensgefährdenden Militärprojekte der Luxemburger Regierung zusammen mindestens 950 Millionen Euro mehr kosten sollen als geplant. Was könnten die privaten und anderen Hilfsorganisationen mit diesem Geld anfangen, die sich in diesen Tagen um die Obdachlosen und Bedürftigen in unserem Land kümmern?
Und der gesunde Menschenverstand geht völlig vor die Hunde, wenn der durchgeknallte USA-Präsident ein Abkommen nach dem anderen zu Makulatur macht, und wenn dann Außenminister von elf EU-Ländern – darunter Herr Jean Asselborn, merde alors! – über die Kündigung des »Open Skies«-Abkommens zwar ihr »Bedauern« zum Ausdruck bringen, aber gleichzeitig Rußland die Verantwortung zuschieben und erklären, man müsse weiterhin »auf Rußland einwirken«. Damit werden auch Frieden und Abrüstung auf die Liste der Verlierer gesetzt.

Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, wie wir genügend Druck ausüben können, um zu verhindern, daß die Vielen wieder einmal Verlierer der Krise sein werden.

Uli Brockmeyer

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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