Seit dem 16. März sind alle Schulen in Luxemburg geschlossen. Ursprünglich war vorgesehen, den Schulbetrieb nach 14 Tagen wieder aufzunehmen. Daraus wurde nichts, denn nur wenige Tage später wurde entschieden, dies erst nach den Osterferien zu tun.

Ob dies allerdings der Fall sein kann, oder die Bildungsstätten weiter geschlossen bleiben werden, soll am Freitag entschieden werden. Eine Mitteilung, die von Lehrpersonal, Eltern und Schülern mit gewisser Spannung erwartet wird, zumal seit Tagen Gerüchte zirkulieren, der Schulbetrieb könnte wegen der nach wie vor kritischen Lage womöglich erst zu Beginn des neuen Schuljahrs im September wieder normal aufgenommen werden.

Eine Situation, würde sie so eintreffen, für viele Eltern und Schüler schwerwiegende Folgen hätte, Wieso? Nun, weil schon nach knapp zwei Wochen »Schouldoheem« viele Eltern, die schließlich keine Lehrer sind, mit den ihnen über Internet zuerteilten Programmen regelrecht überfordert sind. Vielen fehlt es an den nötigen Sprachkenntnissen, von den erforderten Fachkenntnissen ganz zu schweigen. Vielen anderen wiederum fehlt es an notwendigen Computer-Kenntnissen, um das Arbeitspensum, das ihnen aufgebürdet wird, zu bewältigen.

Tatsache ist, dass die bereits vor der Corona-Krise bestehenden Ungleichheiten in Luxemburgs Bildungssystem durch die jetzige Ausnahmesituation noch um ein Vielfaches größer wurden. Besonders schwer haben es durch die aktuelle Art der Aufgabenstellung Kinder aus Arbeiter- und Ausländerkinder. Von Chancengleichheit kann jedenfalls beim jetzigen »Homeschooling« keinesfalls die Rede sein.

Diverse Kommentare in den sozialen Medien von überforderten Eltern zeigen dies in aller Deutlichkeit. Gut wäre deshalb zu versuchen, im Interesse von Eltern und Schülern – besonders bei Erstklässlern – das Arbeitspensum etwas herabzuschrauben und bei den zuerteilten Aufgaben größeren Wert auf Wiederholungen zu legen.

Beim Recht auf Bildung müssen alle Kinder gleichgestellt sein, sowohl in normalen wie auch in Krisenzeiten. Bildungsprogramme, die wie eben derzeit bei »Schouldoheem« große Teile der Kinder benachteiligen, sind deshalb immer fehl am Platz.

Sollten die Schulen länger als bis nach den Osterferien – eventuell sogar noch mehrere Monate – geschlossen bleiben müssen, so würden sich neben der Frage, wie das Schuljahr 2019/2020 gewertet wird, auch gewisse andere Fragen aufdrängen. Beispielsweise, ob und in wie weit der Urlaub aus familiären Gründen ausgeweitet werden sollte, wie lange den verbleibenden Mitarbeitern im Gesundheits- und Pflegebereich sowie dem vielfach bereits erschöpften Personal in Supermärkten zugemutet werden kann, aufgrund der seit Wochen massiven Posten-Unterbesetzung, weiter täglich Mehrarbeit zu verrichten, mehrfach längere Schichten zu leisten und auf freie Tage zu verzichten. So ganz nebenbei sollen sie dann auch noch zu Hause mit »Schouldoheem« die Lehrkräfte ersetzen – etwa bis zur völligen Erschöpfung?

Probleme also, die nicht nur den Schulbetrieb betreffen.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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