24 | 02 | 2020

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.
Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei

Obwohl der Premier und andere Minister, ja sogar einige Gewerkschaftsfunktionäre immer wieder die Harmonielegende verbreiten, wissen oder spüren Marxisten und andere vernunftbegabte Menschen, daß Klassen nicht herbeigeredet, sondern objektive gesellschaftliche Realität sind. Die Existenz von Klassen und ihr Kampf untereinander sind auch keine Erfindungen von Marx, Engels und Lenin, da beides schon vor ihnen entdeckt wurde.

Große Menschengruppen unterscheiden sich im gesellschaftlichen Leben – um nochmal Lenins bewährte Definition zu bemühen – nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten Produktionssystem, ihrem Verhältnis zu den Produktionsmitteln, ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung sowie der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen – oder eben nicht verfügen.

Es ist das große Verdienst von Marx und Engels, die ökonomischen Ursachen für das Bestehen von Klassen in ihrem Wechselverhältnis zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen aufgezeigt zu haben. Damit haben sie den Aufbau des Kapitalismus enthüllt und das Vorhandensein von nichtüberbrückbaren Interessengegensätzen zwischen den Eigentümern der Produktionsmittel und den mehrwertproduzierenden Schaffenden benannt.

Während das Patronat – bei Strafe seines Untergangs im kapitalistischen »Wettbewerb« – auf Maximalprofite aus ist, wollen sich auf der anderen Seite der Medaille die Schaffenden weder mit dem Mindestlohn abspeisen lassen, noch wollen sie als Langzeitarbeitslose verkümmern, sondern sie wollen menschenwürdig leben und den ihnen zustehenden Anteil am gesellschaftlichen Reichtum erringen.

Während seine Profiteure den Kapitalismus verewigen wollen, ist es die geschichtliche Mission der Schaffenden, die Klassengesellschaft im Bündnis mit anderen unter der Kapitalherrschaft leidenden Teilen der Gesellschaft – Studenten, kleine Unternehmer, Handwerker und Bauern – eines schönen Tages ganz aufzuheben. Dazu aber bedarf es einer langfristigen und wissenschaftlich fundierten Strategie.

Wenn solche Machtverhältnisse, nennen wir sie sozialistische, geschaffen worden sind, in denen alle Menschen über die wichtigsten Produktionsmittel und den gesamten Reichtum eines Landes verfügen, kann rückblickend jegliche Klassengesellschaft als bloße Vorgeschichte einer tatsächlich menschlichen Gesellschaft angesehen werden. Um aber dorthin zu gelangen, bedarf es des Klassenkampfs als der entscheidenden Triebkraft menschlicher Entwicklung.

Dabei kommt es freilich nicht darauf an, ständig und überall radikale Vokabeln von sich zu geben und jede noch so kleine Aktion mit dem Stempel zur Schau gestellten Klassenkämpfertums zu versehen. Verbales Revoluzzertum ist meistens nur die Kehrseite des opportunistischen Bemühens um vermeintliche Klassenharmonie.
Revolutionen finden nur sehr selten statt. Tagtäglich den Klassenkampf von unten zu führen, bedeutet deshalb beharrliches Ringen um jede noch so kleine Verbesserung und demokratische Grundrechte. Ohne Klassenkampf aber bewegt sich nichts.

Oliver Wagner

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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