15 | 11 | 2019

Mit Verweis auf das vor allem bei Großkonzernen zur gängigen Selbstdarstellungsstrategie gewordene »Greenwashing« hat das im Sommer auf die Beine gestellte Aktionsbündnis für Klimagerechtigkeit die Beteiligung des Patronats und seiner Organisationen an der morgen beginnenden Aktionswoche abgelehnt. Daß die Befürchtung der Klimaaktivisten durchaus berechtigt ist, zeigt die seit der Jahrtausendwende geübte Praxis.

Den Anfang machte der britische Ölkonzern BP, der sich von »British Petroleum« in »Beyond Petroleum« (»Über Erdöl hinaus«) umbenannte, um sich so als umwelt- und klimabewußtes Energieunternehmen zu inszenieren – und weiter wie bisher Petrodollars scheffeln zu können. Daß sich an der unter einem grünen Mäntelchen versteckten Konzernstrategie zur Profitmaximierung überhaupt nichts geändert hat, zeigte sich dann im April 2010 nach der Explosion der Bohrplattform »Deepwater Horizon« im Golf von Mexiko, wo BP Erdöllagerstätten erschließen ließ. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben und das aus der brennenden und nach zwei Tagen gesunkenen Plattform ausgeströmte Rohöl führte zur bis heute schwersten Umweltkatastrophe dieser Art.

Doch BP ließ die Informationen über das Unglück so lange manipulieren, bis die größte Ölpest der Geschichte aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand. Unter anderem kaufte man bei den Betreibern von Suchmaschinen Schlüsselwörter wie »Ölpest«, um Internetnutzer auf Seiten zu leiten, wo die eigene Sicht der Ereignisse dargestellt wird, und BP ließ manipulierte Fotos von der Ölpest im Internet verbreiten.

Für den deutschen RWE-Konzern hat sich eine Werbeagentur den grasgrünen »Energieriesen« ausgedacht, der in einem idyllischen Spot freundlich lächelnd Windräder und Gezeitenkraftwerke baut und graue Wolken wegbläst, während kleine Vögelchen seine moosbewachsenen Schultern umschwirren. RWE macht seine Profite derweil weiter mit Atom- und Kohlestrom. In der EU bläst kein Unternehmen mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als RWE, und als der »Energieriese« erfunden wurde, lag der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Stromproduktion des Konzerns gerade mal bei 2,4 Prozent.

Um sich einen grünen Anstrich zu geben, schließen sich Kapitalisten bisweilen auch zu »Runden Tischen« zusammen. So hat der britisch-niederländische Konzern Unilever u.a. mit dem US-amerikanischen Einzelhandelsriesen Walmart und dem deutschen
Bayer-Konzern den »Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl« gegründet, dessen Anforderungen an »Nachhaltigkeit« so niedrig sind, daß die Zerstörung von Wald für Ölpalm-Monokulturen seit seiner Gründung ungebremst weitergegangen ist. Dennoch nutzen ihn seine Mitglieder, um ihre Waren als angeblich »ökologisch korrekt« zu vertreiben.

Absonderlich geht es auch beim »Globalen Runden Tisch für nachhaltiges Rindfleisch« zu. Den nutzen der brasilianisch-US-amerikanische Fleischproduzent JBS, die US-amerikanische Fastfoodkette McDonald’s und andere, um die jenseits des Atlantiks üblichen riesigen Freiluft-Tiermastanlagen als Mittel zur Steigerung der »Ressourceneffizienz« und »Waldschutzmaßnahme« ausgeben und den Konsumenten ihre Fleischprodukte als »nachhaltig« andrehen zu können.

Die »Greenwashing«-Kampagnen der Kapitalisten erweisen sich am Ende alle als Täuschungsmanöver, die nur dem Zweck der Profitmaximierung dienen.

Oliver Wagner

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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