25 | 08 | 2019

Da es hierzulande nach wie vor kaum Statistiken gibt, die sich mit den Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt befassen, kann man sich nur schwer ein Bild davon machen, in welchen Bereichen die Fluktuationen am größten sind, wo echte oder nur fiktive Arbeitsplätze geschaffen wurden, was mit Arbeitsuchenden geschieht, die über die ADEM an Betriebe vermittelt werden, dort allerdings, nach einer gewissen Probezeit, keine feste Anstellung erhalten.

Auch nach genauen Zahlen, wo und wie viele Arbeitsplätze in Wirklichkeit allein infolge der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise abgebaut wurden, sucht man vergeblich. So lange dies der Fall ist, bleibt der Verdacht erhalten, dass viele Firmen die Krise bis heute nur als Vorwand nehmen, um aus reiner Profitgier die Lohnmasse gezielt zu reduzieren, was zu spürbaren Reallohnverlusten geführt hat.

Lineare Lohnaufbesserungen gab es kaum noch, Einstiegslöhne wurden gekürzt, Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen, außer Kraft gesetzt. Hinzu kommt, dass zunehmend Prämien gestrichen wurden und Mehrarbeit immer seltener als solche entlohnt wurde.

Aus den Betrieben hört man häufig, dass neue Arbeitskräfte kaum noch wie früher mit unbefristeten Arbeitsverträgen, sondern zunehmend mit Zeitverträgen eingestellt werden – vielfach ohne dabei an die kollektivvertraglichen Abmachungen gebunden zu sein. Verträge, die problemlos gekündigt oder ohne Begründung nicht verlängert werden können. Was in der Praxis auch zunehmend der Fall ist. Eine Entwicklung, die nicht nur dazu dient, den Druck auf Neueingestellte massiv zu steigern, sondern auch zur Folge hat, dass immer größere Teile der Belegschaft – trotz Kollektivvertrag – mit Niedriglöhnen abgespeist werden können.

Doch nicht allein dies bereitet den arbeitenden Menschen und ihren Gewerkschaften größte Sorgen. Auch die Arbeitsbedingungen haben sich zusehends verschlechtert. So haben wachsende Flexibilität und maximale Deregulierung der Arbeitszeitorganisation inzwischen Formen angenommen, dass es sowohl den 8-Stundentag wie auch die 40-Stundenwoche in vielen Sektoren kaum noch gibt. In vielen Betrieben sind die Posten heute dermaßen knapp berechnet, ja sogar unterbesetzt, dass Überstunden und Mehrarbeiten praktisch zur Normalität geworden sind – ohne dass den Betroffenen allerdings die hierfür geschuldeten Zuschüsse bezahlt werden.

Auch mehren sich die Beschwerden, dass das Patronat immer häufiger willkürlich über Teile des gesetzlichen Urlaubs seiner Mitarbeiter verfügt. So handelt es sich nicht mehr nur um Einzelfälle, wenn Arbeiter, die in den Augen ihres Vorgesetzten tagsüber nicht ausreichend ausgelastet sind, einfach nach Hause geschickt werden und die aufgezwungenen Fehlstunden als Urlaub verrechnet bekommen.

Beispiele, die in aller Deutlichkeit belegen, dass sich aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren spürbar verschlechtert haben. In manchen Betrieben wurden die Grenzen des Zumutbaren inzwischen überschritten.

Damit muss ein für allemal Schluss sein!

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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