24 | 04 | 2019

Der vom Patronat bei jeder sich bietenden Gelegenheit geforderte Ausbau von Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation ist hierzulande in vielen Wirtschaftssektoren längst Realität, wobei die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten seit Jahren schon allesamt voll zu Lasten der arbeitenden Menschen gehen.

Ob im Reinigungswesen, Handel, Transportwesen, Handwerk, oder Dienstleistungswesen – um nur diese Sektoren zu nennen – wissen die Beschäftigten was es heißt, immer dann präsent sein zu müssen, wenn es der Betrieb verlangt. Häufig wechselnde oder längere Arbeitszeiten, in letzter Minute abgeänderte Schichtpläne und völlig unregelmäßige Antrittszeiten gehören dort inzwischen genauso zum Arbeitsalltag wie allgegenwärtiger Personalmangel, Mehrarbeit, nicht vergütete Überstunden, gekürzte Ruhepausen und gestrichene Urlaubstage.

Aus zahlreichen Betrieben hört man, dass zu Lasten der Schaffenden immer häufiger gegen Arbeitsrecht und ausgehandelte Kollektivverträge verstoßen wird. Die Gier nach höchstmöglicher Profitmaximierung ist den Unternehmern halt wichtiger als das Wohlergehen »ihrer« Mitarbeiter.

Erleichtert wird die zunehmende Rücksichtslosigkeit des Patronats vielfach auch deshalb, weil in den Betrieben die Lohnabhängigen immer seltener versuchen, sich mit der nötigen Entschlossenheit gegen anstehende oder bereits aufgezwungene Verschlechterungen zur Wehr zu setzen. Schließlich wirken die vielen Arbeitslosen und die nicht abreißen wollenden Hiobsbotschaften – Postenabbau, Lohnkürzungen, Versetzungen, Konkurse, usw. – wie ein Damoklesschwert über den Beschäftigten.

Was auch erklären dürfte, wieso seit Jahren schon die prekäre Arbeit gefördert wird, immer mehr Niedriglohnverdiener in den Lohnlisten geführt werden, neue Mitarbeiter bei ihrer Einstellung kaum noch unbefristete Arbeitsverträge erhalten, Überstunden nach wie vor »en masse« geleistet werden – wenn auch immer seltener als solche vergütet – und bei der rezenten Reform des PAN-Gesetzes die Flexibilisierung weiter ausgebaut, die Referenzperiode zur Organisation und Berechnung der Arbeitszeiten (und Überstunden) auf Wunsch des Patronats von einem auf vier Monate erweitert werden konnte.

In eine ähnlich schlechte Richtung könnten auch die ständigen Diskussionen über eine von den großen Handelsketten geforderte größere bis völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten gehen. Forderungen, für die der neue DP-Minister Delles nämlich nicht nur ein, sondern gleich beide Ohren offen zu haben scheint.

Zu befürchten ist deshalb, dass die einstige Wunderpille – auch Flexicurity genannt –, an welcher im Interesse des Finanz- und Großkapitals während Jahren in den Brüsseler Denkfabriken des Kapitals« gebastelt, die Gewerkschaften allerdings EU-weit nicht zu schlucken bereit waren, den Schaffenden – wie übrigens schon geschehen – nun tropfenweise über Umwege verabreicht werden soll.

Weitere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen sind inakzeptabel. Schaffende und Gewerkschaften müssen sich gemeinsam mit aller Kraft dagegen wehren. Ganz nach dem Motto »Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!«

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Real time web analytics, Heat map tracking
Solidaritätsanzeige

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.