Dienstag, 11. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Über Gesundheitspolitik wurde im Wahlkampf bisher ganz wenig diskutiert, obwohl die Gesundheit doch das höchste Gut des Menschen ist. Sollte die Gesundheitsfürsorge in Luxemburg etwa die beste aller Gesundheitsfürsorgen sein, so dass diesem Thema derartig so wenig Beachtung geschenkt wird?

Einwenden könnte man nun, die Ärzte- und Zahnärztevereinigung AMMD habe sich erst vor zwei Wochen dazu geäußert, aber das war bekanntlich kaum mehr als eine heftige Attacke gegen eine Verallgemeinerung des »Tiers payant« und eine Lobeshymne auf die Wahlprogramme neoliberaler und konservativer Parteien – weit weg von der Wirklichkeit, mit der sich viele Lohnabhängige und Rentner tagtäglich auseinandersetzen müssen.Das ist nicht verwunderlich in einem Land, in dem eine wissenschaftliche Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die zur Schlussfolgerung kommt, dass für die Gesundheit der Bevölkerung zu 50 Prozent Einflüsse der Arbeitswelt, der Wohnbedingungen und der Lebensumstände ausschlaggebend sind, ihr Dasein in einer Schublade fristet.

Im Gesundheitswesen selbst liegt vieles im Argen. Was die Zahl der Allgemeinmediziner angeht, nähert sich Luxemburg langsam aber sicher dem Drittweltniveau, und statt dezentrale medizinische Strukturen aufzubauen, werden medizinische Einrichtungen zum Nachteil der Bevölkerung in den verschiedenen Landesgegenden eingeschränkt oder abgeschafft. Die Sparpolitik hat auch bei regionalen Krankenhäusern für Allgemeinmedizin Einzug gehalten, so als müsse Gesundheitsfürsorge Profit abwerfen.

Geradezu ein Skandal ist es, dass es im reichen Luxemburg noch immer Menschen gibt, die überhaupt keinen Zugang zu medizinischer Betreuung haben, und dass der Deckungsgrad der Gesundheitskasse von 99 Prozent im Jahre 2002 auf 95,2 Prozent der Bevölkerung im Jahre 2915 zurückgegangen ist, wie es in einem aufrüttelnden Brief der Vereinigungen »Comité de Surveillance du SIDA«, »Médecins du Monde Luxembourg« und »Médecins Sans Frontières Luxembourg« an die Gesundheitsministerin angeprangert wird.

Selbst Menschen, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben, sehen immer öfter während der zweiten Monatshälfte davon ab, zum Arzt oder zum Zahnarzt zu gehen, weil ihnen das Geld ausgegangen ist, und es keinen verallgemeinerten »Tiers payant« gibt, viele Medikamente und medizinische Akten aber teurer werden, so dass auch die Eigenbeteiligungen höher ausfallen.

Und dann gibt es immer noch keine Umweltmedizin in Luxemburg, während die Arbeitsmedizin, die alles andere als unabhängig vom Patronat ist, vor sich hin dümpelt und chronisch unterbesetzt ist, so dass sie ihren vom Gesetz vorgegebenen Aufgaben erst gar nicht nachkommen kann. Auch die traditionelle Naturmedizin bleibt weiter exkommuniziert.

Wichtig ist, dass diese Probleme, welche die Regierung in einen Dornröschenschlaf versetzt hat, offen und umfangreich zur Sprache kommen, wenn schon nicht im Wahlkampf, dann wenigstens anschließend im Parlament.

Das dürfte allerdings nur eintreten, wenn die Kommunisten, die für eine gleichwertige und bestmögliche medizinische Betreuung aller Menschen eintreten – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihrer finanziellen Möglichkeiten – durch Mandate in der Chamber gestärkt werden.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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