Montag, 23. Juli 2018
Solidaritätsanzeige

Als die neue Straßenbahn im vergangenen Dezember in der Hauptstadt ihre erste Fahrt antreten sollte, rumorte es bereits hinter den Kulissen beim Personal. Dies erfuhren wir am Mittwoch von Vertretern des OGBL und Landesverbandes. Im Nachhinein betrachtet kann man das Schneegestöber, in welchem das großherzogliche Paar die erste Fahrt antrat, durchaus mit Symbolcharakter sehen, denn stürmisch wurde es bis zum heutigen Tag, was die Arbeits- und Lohnqualität dieses Betriebes angeht, der immerhin ein Betrieb des öffentlichen Personentransport ist.

Die Unterschiede zum Lohnniveau beim TICE, AVL oder bei der CFL allerdings sind alarmierend: Ein Trambahnfahrer mit CATP liegt bereits im ersten Anstellungsjahr bei LuxTram rund ein Viertel hinter dem Lohnniveau im öffentlichen Sektor in Luxemburg. Im Laufe seiner Dienstjahre wird er bis zu 50 Prozent weniger verdienen als seine Kollegen bei den genannten öffentlichen Transportbetrieben. Dazu kommen geringere Zuschläge sowie ein geringerer Urlaubsanspruch bei einer Amplitude von 13 Stunden, wie sie bei Privatunternehmen üblich sind.

Die Direktion der LuxTram interessiert dies nicht. Sie will einen Kollektivvertrag, der sich am knallharten gesetzlichen Minimum orientiert. Auch auf die Frage der Gewerkschaften, wie die Grenzgänger und anderen Pendler bei 13-Stunden-Schichten plus An- und Abreise noch etwas vom Tage haben sollen, wird überheblich damit beantwortet, sie könnten ja in der Hauptstadt ihren Wohnsitz einrichten. Wie sie das bei den mickrigen Löhnen bewerkstelligen sollen, blieb unbeantwortet.

Es grenzt nicht nur an einen Skandal, wie mit den Tramfahrern und dem restlichen Personal umgegangen wird, sondern auch, welcher Hintergedanke sich dabei aufdrängt: Kann es sein, daß hier ein Exempel statuiert werden soll, die Löhne und Arbeitsqualität im öffentlichen Transport für die Zukunft sturmreif zu schießen und jenen des Privatsektors anzunähern?

Dort ist es leider schon immer Usus, daß Busfahrer beispielsweise 16 Stunden außer Haus sind und nur 6 oder 8 Stunden bezahlt bekommen, bei wesentlich niedrigerem Urlaubsanspruch im Vergleich mit ihren Kollegen bei TICE und AVL, die nach ihrer 8-Stunden-Schicht heimgehen und deutlich mehr verdienen.

Hinzu kommt, daß schon heute viele Transportangebote im Busbetrieb, lokal oder überregional, an Privatunternehmen vergeben sind. Wer glaubt wirklich, daß der Fahrer eines »Late-Night Bus«, eines grundsätzlich tollen Angebotes, auf seiner Schicht zwischen Luxemburg und Düdelingen den gleichen Zuschlag erhält, wie bisher im öffentlichen Sektor vorgesehen? Gleiche Arbeit sollte gleich bezahlt werden und nicht etwa ein solches Lohn- und Arbeitsniveau auch noch von der öffentlichen Hand benutzt werden, wenn es beim Ausbau des Transportangebotes geht, an welchem ja auch die Tram in Zukunft beteiligt sein wird.

In diesem Konflikt bei LuxTram geht es also um viel mehr, als nur die Probleme der direkt betroffenen Belegschaft. Die Angestellten der CFL, AVL und TICE sollten sehr genau beobachten, was vor sich geht und durchaus zur Solidarität bereit sein, wenn es darum geht, Staat und Stadt Luxemburg zu zeigen, daß in Zeiten, wo allenthalben von der Regierung verkündet wird, wie gut es der Wirtschaft und dem Staat gehe, Lohn- und Sozialdumping keinen Einzug in den öffentlichen Dienst halten dürfen. Letztlich muß es außerdem auch darum gehen, die Bedingungen im privaten Transportsektor zu verbessern.

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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