Donnerstag, 19. Juli 2018
Solidaritätsanzeige

Zeitung vum Letzebuerger VollekWenn Studien auch den Eindruck erwecken könnten, dass die Lohnabhängigen heutzutage länger im Arbeitsprozess verbleiben als noch vor 30 Jahren, so trifft dies jedoch beileibe nicht auf alle Sektorten zu. Denn aus zahlreichen Betrieben hört man nach wie vor, dass ein Großteil der dort Beschäftigten lieber heute als morgen, vielfach schon vor Erreichen des eigentlichen Rentenalters aus dem aktiven Arbeitsleben treten würde.

Gründe dafür gibt es zuhauf. An erster Stelle sind Arbeitsbedingungen anzuführen, die sich vor allem aufgrund der wachsenden Flexibilisierung und der zunehmenden Deregulierung der Arbeitszeitorganisation massiv verschlechtert haben.

So klagen die einen über längere Arbeitszeiten, kurzfristig abgeänderte Schichtpläne, zunehmende Wochenendarbeit oder über das Anhäufen von unbezahlten Überstunden, während sich andere über ein ständig größer werdendes Arbeitsvolumen, das Nichtgewähren von freien Tagen oder das Streichen von Ruhepausen beschweren. Hinzu kommen die neuen »Krankautomaten« – Hetze, Druck, Stress oder Mobbing – die in fast allen Sektoren den Arbeitern immer schwerer zu schaffen machen.

Den Beschäftigten wird heutzutage vielerorts eine Einsatzfähigkeit abverlangt, die – in Prozenten ausgedrückt – eher über als unter der 100-Prozent-Grenze liegen dürfte. Ein jeder hat immer dann Präsenz zu zeigen, wann und wie es der Betrieb von ihm verlangt. Und dies zu jeder Tageszeit. Über Zuschüsse oder anfallende Überstunden wird nicht groß diskutiert, Letztere werden den Beschäftigten einfach aufgezwungen, allerdings immer seltener also solche vergütet.

Wer nicht mithalten kann, ist fehl am Platz. Ohne Zweifel ein hartes Los für Kollegen, die Probleme damit haben, den »Motor« ununterbrochen am Laufen zu halten.

Da bei vielen die Sorge wächst, den Arbeitsplatz aus Gesundheitsgründen verlieren zu können, ziehen sie es immer häufiger vor, sich zu quälen, statt offen über ihre Probleme zu klagen. Zu groß ist die Angst, als »untauglich« abgestempelt, auf einen minder bezahlten Posten versetzt oder entlassen zu werden. Was auch in diesem Jahr nicht selten der Fall war.

Als Ursache wird in solchen Fällen einfach angegeben, dass lange oder wiederholte Abwesenheiten den Betrieb störe, kein Verlass mehr auf eine regelmäßige Mitarbeit bestehe und langes oder wiederholtes Fehlen dem Betrieb große organisatorische Probleme bereite.

Kein Wunder also, dass unter solchen Umständen viele nach wie vor lieber heute als morgen in den Ruhestand treten würden. So dass in vielen Betrieben aus der Frage »wie lange hast du noch?« längst die Frage »wie lange musst du noch? geworden ist.

g.s.

 

Aus: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

 

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