Mittwoch, 19. September 2018
Solidaritätsanzeige

Die kroatische Medienlandschaft ist entrüstet. Da die Mehrheit ihrer Leser und Zuschauer sich momentan vor den tropischen Temperaturen auf dem Balkan in die Adria flüchtet, benötigte man - das ist der saisonal bedingte medienökonomische Fluch - eine Story, die das Sommerloch  ausfüllt. Da greift man immer wieder gerne zum bewährten Feindbild: den Serben. Wie gut, dass die trotz allem immer noch genügend Souveränität besitzen, um einen Außenminister abzustellen. Dieser Herr, der schneidige Vuk Jeremic, hat bei einem Besuch in der Republika Srpska (Ostbosnien)  gesagt, wer »Freunde wie Frau Kosor hat, der braucht keine Feinde«. Gemeint ist Jadranka Kosor, die Regierungschefin Kroatiens.

Jeremic hatte in Banja Luka mit seiner Äußerung den Besuch der Premierministerin im Kosovo Anfang der Woche kommentiert. Kosor hatte dort mit 45 Firmen im Schlepptau den albanischen Separatisten vor der Weltpresse zugesichert, dass Pristina in Zagreb den »größten Freund in Südosteuropa« haben könne (RedGlobe berichtete). 

Die Empörung über diese für Jeremics Verhältnisse deutlich sarkastische Äußerung ging so weit, dass etwa das kroatische Blatt »Vjesnik« die alte Mär von »großserbischen Aspirationen« und ähnlichem durch Zitate Kosors wieder aufwärmte. Der »Vecernji« war jedoch immerhin so fair zu erwähnen, dass serbische Parlamentarier die Äußerung der Politikerin für problematisch und taktisch fraglich hielten. Die Politik, welche Kosor unterstützt, »kann die Konflikte in der Region wieder anheizen, das Misstrauen vertiefen und, was am wichtigsten ist, zur Vergrößerung des Leids und der Verletzung von Menschenrechten führen«, zitierte die Zeitung einen Belgrader Parlamentarier. Jadranka Kosor wollte die Äußerung Jeremics nicht kommentieren. Schade eigentlich, denn der durch Hitze und Blödsinn hirnerweichende serbische Boulevard hätte sicher auch lustiges Anschauungsmaterial geboten.

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