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Luxemburg

Als vor genau zehn Jahren der Aschestaub des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull die Luftfahrt auf dem europäischen Kontinent weitgehend lahm legte, schätzte der Weltluftfahrtverband IATA den Schaden für die Luftfahrt auf 1,7 Milliarden Dollar.

Die durch die Coronakrise verursachten Schäden in der Luftfahrt haben inzwischen 300 Milliarden Dollar überschritten, was bewirken wird, dass die Folgen verheerend sein werden, umso mehr die Krise zu diesem Zeitpunkt keineswegs überwunden ist.

Je tiefer die Krise sein wird und je länger sie anhalten wird, umso größer wird der kapitalistische Mechanismus der »Marktbereinigung« zuschnappen, dessen erste Opfer die kleinen Fluggesellschaften sein werden. Doch selbst die »Großen«, die als systemisch erklärt und daher mit staatlicher Unterstützung rechnen dürfen, werden großen Erschütterungen ausgesetzt sein.

Vor allem aber dürfte die Frage interessieren, wer welche Opfer und für wie lange bringen wird, damit die Krise überwunden und die Fluggesellschaften, die anderen Luftfahrtinfrastrukturen und die daran gekoppelten Arbeitsplätze für die Zukunft erhalten werden können.

Das gilt auch für Luxemburg. Die erste Zusammenkunft der sektoriellen Tripartite, welche diese Woche stattfand, war erwartungsgemäß nur Auftakt zu längeren Beratungen, die in Arbeitsgruppen bei Luxair, Cargolux und Luxairport fortgesetzt werden, bevor es während der zweiten Septemberhälfte ans Eingemachte gehen wird.

Den späteren Schlussfolgerungen und möglichen strukturellen und finanziellen Folgen sollte man nicht vorgreifen, allerdings muss man – insbesondre aus der Sicht der Tausenden von Lohnabhängigen – ganz allgemein im Hinterkopf behalten, dass bisher alle Krisen weitgehend auf dem Buckel der Lohnabhängigen gelöst wurden, seien es zyklische Krisen, konjunkturelle Krisen in einzelnen Wirtschaftszweigen oder Krisen in einzelnen Unternehmen, wobei das Wort »Krise« oft dann bereits benutzt wird, wenn ein Unternehmen dem Risiko ausgesetzt ist – nach Jahren wachsender Gewinne – während eines Jahres rote Zahlen zu schreiben.

Dies ist aus dem Luftfahrtbereich in Luxemburg bestens bekannt, sei es, dass Luxair den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften während einem halben Dutzend Jahren kollektivvertragliche Nullrunden abpresste, sei es, dass Luxair, Cargolux und Luxairport zum Teil heftige Einsparungen über die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und den Abbau von Löhnen und sozialen Errungenschaften vornahmen, um wirtschaftliche Schwierigkeiten zu überwinden.

Bleibt die Frage, wie das diesmal verhindert werden kann, wohl wissend, dass die Lohnabhängigen und ihre Gewerkschaften in den Diskussionen und Auseinandersetzungen, die während der nächsten Monate erfolgen werden, eigene Interessen zu verteidigen haben, die sich von denen der Unternehmen und der Regierung unterscheiden und darauf hinauslaufen, dass nicht nur die bestehenden Luftfahrtstrukturen bewahrt und entsprechende Investitionen vorgenommen werden, sondern auch die Arbeitsplätze und die sozialen Errungenschaften erhalten bleiben.

Es ist wichtig, das zu betonen, denn in Krisen ist die Gefahr immer größer, dass Unternehmen und Regierung sich dazu verleiten lassen, die Lohnabhängigen damit zu erpressen, dass Arbeitsplätze nur dann gerettet werden können, wenn auf einen Teil der sozialen Errungenschaften verzichtet oder Lohnverzicht geübt wird.

Das ist immer die falsche Alternative, die aber verhindert werden kann, wenn die Lohnabhängigen und ihre Gewerkschaften solidarisch und kämpferisch handeln werden.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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