Drucken
Luxemburg

Schon vor Ausbruch der Corona-Krise hatten zunehmend Menschen große Probleme, um allmonatlich über die Runden zu kommen. Gewusst war, dass zig Tausende seit Jahren schon – besonders seit dem Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise vor zwölf Jahren – gezwungen waren jeden Euro mehrmals in der Hand zu drehen, bevor sie sich dazu entscheiden konnten, ihn auszugeben. Mit der Folge, dass sie immer häufiger beim Einkaufen auf Nahrungsmittel und Haushaltsprodukte verzichten mussten, die früher zu ihren Einkaufsgewohnheiten gehörten. Eine Situation, die sich nach der jetzigen Krise nun weiter verschärfen dürfte.

Was für Banken und Großunternehmer sicher nicht der Fall sein wird. Diese werden weiter Gewinne einfahren, ihre Aktionäre weiter mit hohen Dividenden beglücken können.

Anders wird allerdings die Situation vieler Arbeiter und Rentner sein. Lebten vor Corona bereits rund 19 Prozent aller Haushalte in Armut oder riskierten in Armut gedrängt zu werden, so ist zu befürchten, dass diese Zahlen in den nächsten Monaten weiter deutlich steigen werden.

Es waren vor allem die seit langen Jahren stagnierenden Löhne, die horrenden Mietpreise, die teurer gewordenen Grundnahrungsmittel und die massiven Taxenerhöhungen auf kommunaler Ebene, die dazu geführt hatten, dass viele Familien zunehmend unter spürbarem Kaufkraftverlust zu leiden hatten. Nicht zu vergessen der massive Sozialabbau, der ihnen seit 2007 aufgebrummt worden war.
Hieran wird sich, wie im Kapitalismus eben üblich, auch in Zukunft nichts Grundlegendes ändern. Das Patronat wird bei Lohnfragen weiter fest auf die Bremse treten, neue Arbeitsplätze für Arbeitsuchende mit nur geringer Qualifikation werden auch künftig nicht geschaffen, der Pleitegeier wird weiter aktiv sein, die Mieten weiter steigen, die Preise für Grundnahrungsmittel werden weiter von der Profitgier der Supermarktketten bestimmt, die Steuertabellen nach wie vor nicht an die Inflation angepasst, die Familienzulagen – wenn überhaupt noch – sollen erst in einigen Jahren wieder an den Index gebunden werden, der Mindestlohn wird nicht weiter aufgebessert.

Wie stets in der Vergangenheit, so wird es auch diesmal die Schwächsten am härtesten treffen. Eine Entwicklung, die unbedingt verhindert werden muss. Ohne Umdenken wird dies allerdings kaum gelingen. Die staatstragenden Parteien sind gefordert. Auf die Tagesordnung gehören Entscheidungen, die die Bürger sowohl gesundheitlich wie auch sozial absichern müssen.

Mehr denn je muss dabei die Parole gelten: »De Mënsch virum Profit«.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.