Traf die Corona-Pandemie Luxemburg unvorbereitet? Wurden die Gefahren zu lange unterschätzt, da China doch weit weg ist und auch Italien nicht zu unseren direkten Nachbarländern zählt?

Wenn wir diese Fragen aufwerfen, dann nicht, um voreilige Schuldzuweisungen zu machen, sondern um lösungsorientiert zu argumentieren.

Ein Beispiel: Während Jahren weigerte sich die Regierung entgegen jeder Vernunft hartnäckig, im Osten des Landes eine »Maison médicale« einzurichten. Nun soll diese medizinische Anlaufstelle über Nacht für Patienten mit Verdacht auf das Corona-Virus entstehen. Warum war das für »normale« Krankheitsfälle nicht möglich?

Die Corona-Pandemie zeigt, dass medizinische Einrichtungen in der Fläche fehlen, eine Folge der von der Sparpolitik vorangetriebenen Zentralisierung. Aber es fehlen – und auch das ist längst bekannt, ohne dass ernsthaft gegengesteuert wurde – auch Allgemeinmediziner und medizinisches Personal, das hierzulande ausgebildet worden wäre und auch hier wohnen würde. Im Falle der Corona-Krise werden diese Versäumnisse aus der Vergangenheit nun zusätzliche Komplikationen mit sich bringen.

Unabhängig davon ist es notwendig, allen, die sich an vorderster Front den Herausforderungen stellen, Respekt und Solidarität zu bekunden.

Die Regierung hat im Kampf gegen Corona inzwischen einschneidende Maßnahmen beschlossen, darunter die Schließung von Kinderkrippen und Schulen, von kulturellen Einrichtungen und Sporthallen, von Cafés und Restaurants. Die beste Schutzmaßnahme aber wäre, so sagen uns Wissenschaftler, vor allem eine Quarantäne von Menschen, die sich krank fühlen oder zu einer Risikogruppe gehören.
Genau das aber ist gegenwärtig nicht der Fall, denn wer zum Beispiel zur Risikogruppe der Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gehört wie Asthma, chronische Bronchitis oder Zuckerkrankheit, wird nicht krankgeschrieben, wenn er keine Corona-Symptome aufweist.

Gerade diese Menschen, denen man allerdings einen Krankenschein verweigert, müssten von der Arbeit freigestellt werden, wenn sie das wünschen und die Situation das erforderlich macht. Doch warum ist das nicht möglich? Etwa weil Profit vor Gesundheit geht?

Wenn wir das schreiben, dann weil uns – trotz aller bisherigen Maßnahmen, die getroffen wurden – die Sorge treibt, dass die kapitalistische Gesellschaft in der wir leben, und vor allem deren Gesundheitssystem schnell an seine Grenzen stoßen kann, wenn die Hilfspakete für das Gesundheitswesen, die dringend notwendig sind, mit den öffentlichen Bezuschussen von Betrieben nicht mithalten können.

Offen ist, ob dann allen, die Hilfe benötigen, auch geholfen werden kann. Es sei denn, die Regierung wird nach dem Prinzip »De Mënsch virum Profit!« handeln – eine Maxime, die sich die Kommunisten schon lange auf die Fahne geschrieben haben.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek