Dienstag, 28. März 2017
Solidaritätsanzeige

Wirtschaft & Gewerkschaft

Seit Mittwoch, dem 28.10.2009, verhandelt ver.di-Bezirksvize Andreas Köhn mit der Babylon-Geschäftsführung offiziell über einen Haustarifvertrag. Die im Betrieb vertretene FAU Berlin distanziert sich ausdrücklich von diesen Verhandlungen und gibt bekannt, dass sie eine weitere Zusammenarbeit mit Köhn ausschließt.

Trotz heftiger Kritik an der ver.di-Tarifinitiative, mit welcher der laufende Arbeitskampf im Babylon Mitte unterlaufen wurde, hatte sich die FAU Berlin bis zuletzt bemüht, mit ver.di zu einer Tarifgemeinschaft zu gelangen. Damit versuchte sie, einen einstimmigen Beschluss der Betriebsversammlung umzusetzen, der ein gemeinsames Vorgehen beider Gewerkschaften verlangt.

Lars Röhm, Sekretär der FAU Berlin, dazu: "Für uns gab es von Anfang an nur einen gangbaren Weg, nämlich direkt über die Bildung einer Tarifgemeinschaft zusammen Forderungen aufzustellen und gemeinsam dem Arbeitgeber gegenüberzutreten. Die Gespräche mit ver.di haben gezeigt, dass sie zu einer solch konkreten und verbindlichen Vereinbarung nicht bereit war. Mit dem jetzigen Verhandlungsalleingang ist der Punkt erreicht, wo wir uns endgültig von ver.di distanzieren müssen, zumal wir die Verhandlungsinhalte von ver.di kritisieren. Wie sich in der ersten Verhandlungsrunde zeigte, wird der Tarifvertrag weit unter dem liegen, was die Ziele des Arbeitskampfes waren. Auch die nochmals klar von 3/4 der Belegschaft aufgestellten Forderungen, die die gravierenden betriebspezifischen Probleme lösen sollen, finden kaum oder nur
unter Druck Berücksichtigung. Mit der wahrscheinlichen Ausklammerung von Zuschlägen und Sonderzahlungen wird das Lohnniveau des ver.di-Flächentarifvertrages sogar real unterboten."

"Ohne die stärkste Gewerkschaft im Betrieb besitzen die Verhandlungen keinerlei Legitimität. Dass hier ein betriebs- und branchenfremder
Gewerkschafter verhandelt, der unsere Probleme und Bedürfnisse nicht kennt und sich nur auf einen Phantombasis stützt, ist ein blanker Hohn. Dass dabei noch nicht einmal eine Tarifkommission gebildet wird oder die Beschäftigten ernsthaft einbezogen werden, schlägt dem Fass den Boden aus. Darin drückt sich ein autokratisches Gewerkschaftsverständnis aus, das wir völlig indiskutabel finden. Wenn ver.di noch nicht mal in einem Kleinbetrieb die Einbeziehung der Betroffenen bewerkstelligen kann, ist das ein Offenbarungseid in Sachen gewerkschaftlicher Demokratie," so Benjamin Stange von der FAU-Betriebsgruppe im Babylon.

Die FAU Berlin wird auch weiterhin die Interessen ihrer Mitglieder im Betrieb vertreten und die Probleme angehen, die durch den mangelhaften ver.di-Tarifvertrag ungelöst bleiben. Auch wird sie Schikanen gegen aktive Beschäftigte, die schon jetzt festzustellen sind und durch die Unterlaufung des Arbeitskampfes begünstigt wurden, nicht dulden.

TRANSNET und GDBA streben die Gründung einer neuen Verkehrsgewerkschaft durch Verschmelzung ihrer beiden Organisationen an. Spitzengremien beider Gewerkschaften hätten den Weg dafür frei gemacht, sagten die Vorsitzenden Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel.

Wir verstehen dies als eine politische Entscheidung, so Kirchner und Hommel. Wir entscheiden uns damit für eine effektive, breit aufgestellte Interessenvertretung aller abhängig Beschäftigen im Verkehrsbereich. Derzeit und in Zukunft warte eine Reihe von Herausforderungen auf die Gewerkschaften. Die Gewerkschafter nannten dabei die anhaltende Benachteiligung der Schiene, den wachsenden Wettbewerb im Regionalverkehr und die neue Debatte um die Teilkapitalprivatisierung der DB AG. Auch stünden Schiene, Straße, Schifffahrt und Luftverkehr in direkter Konkurrenz zueinander. Darauf müssten die Gewerkschaften reagieren und sich neu ausrichten.

Das Berliner Arbeitsgericht hat der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft FAU verboten, zu einem Boykott des Kinos Babylon in Berlin-Mitte aufzurufen. Am 7. Oktober gab das Arbeitsgericht dem Antrag auf Einstweilige Verfügung der Kinobetreiber statt. Grund für dieses Urteil war nach Ansicht der Richterin die fehlende Tariffähigkeit der Basisgewerkschaft Freie ArbeiterInnen-Union: die Gewerkschaft sei zu klein. Damit war ausdrücklich nicht der Organisierungsgrad im Kino selbst gemeint, wo über ein Drittel der Belegschaft einen FAU-Ausweis besitzt, sondern die betriebsübergreifende Mitgliederzahl.

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