26 | 04 | 2019

Geschäftsführung des Carl-Thiem-Klinikums nutzt FSJler und Pflegeschüler, um Arbeitskampf zu unterlaufen

Am Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in Cottbus rumort es. Ende letztenJahres hatten die Beschäftigten der Thiem-Service-GmbH (TSG), einerTochtergesellschaft des kommunalen Krankenhauses, fünf Tagegestreikt. Die Unternehmensleitung hatte sich eine Zeit langgeweigert, mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zu verhandeln,bis sie schließlich doch dazu bereit war. Für den vergangenenMittwoch war die nächste Tarifrunde angesetzt. Ob die Beschäftigtenerneut in den Ausstand treten müssen, war bis zum Redaktionsschlussdieser Zeitung noch nicht klar. Gewerkschaftssekretär Ralf Frankezeigte sich im Gespräch mit „Unsere Zeit“ entschlossen undbereit, den Arbeitskampf weiter zu führen.

ver.di will einen neuen Tarifvertrag erkämpfen, mit dem dieTSG-Beschäftigten den Angestellten der Klinik gleichgestellt werden.Der Lohnunterschied beträgt bis zu 25 Prozent, beim Weihnachtsgeldsieht es ähnlich aus: Erhalten die CTK-Mitarbeiter eine„Jahressonderzahlung“ von 80 Prozent eines Monatslohns, bekommendie TSG-Angestellten nur 65 Prozent. Auch bei den Urlaubstagen sindsie schlechter dran.

„Die Beschäftigten der Thiem-Service GmbH wollen nicht längerdie Arbeitnehmer zweiter Klasse im Klinikum sein“, so Franke. Siearbeiten unter anderem in der Patientenpflege. Sie reichen denPatienten das Essen, besorgen ihnen auf Wunsch Zeitungen oder anderenLesestoff und führen auch mit ihnen auch Gespräche, wenn einer sichaustauschen will. Die Sterilgutaufbereitung, die Poststelle, dasKrankenhausarchiv und der Sicherheitsdienst zählen ebenfalls zurCTK-Tochtergesellschaft.

Verdi hatte den erstmalig 2016 mit der TSG ausgehandeltenTarifvertrag Ende September gekündigt und die Geschäftsführung zuTarifverhandlungen aufgefordert. Die Arbeitgeberseite hatte erst amzweiten Verhandlungstag, Mitte November, erstmals ein Tarifangebotzur Sondierung unterbreitet. Nach diesem Angebot sollten die Löhneab Januar 2019 nur um zwei Prozent und ein Jahr später um nurweitere 1,5 Prozent steigen. Für die letzten drei Monate in diesemJahr wollte das Unternehmen eine Einmalzahlung in Höhe von insgesamt100 Euro leisten.

Das wären lediglich 18 bis 20 Cent mehr pro Stunde. DerStundenlohn einer Serviceassistentin würde sich dann auf 9,82 Euround ab einer vierjährigen Beschäftigung auf 10,13 Euro erhöhen.ver.di lehnte das Sondierungsangebot als völlig unzureichend ab,denn viele TSG-Mitarbeiter sind nur mit 30 Stunden in der Wochebeschäftigt, und ihr Monatsentgelt würde sich nicht einmal um 26Euro brutto erhöhen.

Den letzten Verhandlungstermin, der für den 20. Dezembervereinbart war, hatte die CTK-Geschäftsführung einseitig abgesagt.Nach Gewerkschaftsangaben war sie zunächst auch nicht bereit, einenneuen Termin zu vereinbaren. Nur wenn sich die ver.di-Positionändere, könnte sich die Geschäftsleitung vorstellen, sich erneutan den Verhandlungstisch zu begeben, ließ sie damals verlauten.

Dass sie letztlich doch einlenkte, dürfte auch mit deröffentlichen Kritik zusammenhängen. Die CTK-Führung hatteversucht, die TSG-Beschäftigten einzuschüchtern. In einem Briefhatte sich Geschäftsführer Götz Brodermann an sie gewandt und denStreik als „unverhältnismäßig und damit rechtswidrig“bezeichnet. Bei Teilnahme an einem rechtswidrigen Streiks drohtenarbeitsrechtliche Konsequenzen, so Brodermann. Außerdem bot dieCTK-Geschäftleitung allen, die sich nicht am Steik beteiligen, einePrämie von 30 Euro an.

Nach Angaben des ver.di-Verhandlungsführers Franke wurdenBeschäftigte im „Freiwilligen Sozialen Jahr“ sowie Pflegeschülervon der Medizinischen Schule des Carl-Thiem-Klinikums alsStreikbrecher eingesetzt. Beides sei illegal.

Der Artikel erscheint in der UZ vom 25. Januar 2019

Quelle:

blog.unsere-zeit.de

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