Freitag, 21. Juli 2017
Solidaritätsanzeige

junge WeltVor seinem 80. Geburtstag an diesem Sonntag (19.3.2017) hat der frühere SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzende Egon Krenz der Tageszeitung »junge Welt« ein ausführliches Interview gewährt. In dem Gespräch, das »junge Welt« an diesem Wochenende veröffentlicht, blickt Krenz selbstkritisch auf sein politisches Wirken zurück.

Im Rahmen seiner Tätigkeiten als Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ), in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und an der Spitze der DDR hatte er Umgang mit politischen Entscheidungsträgern aus Ost wie West. Auch aus der Zusammenarbeit mit Erich Honecker, dem Krenz in seinen Staats- und Parteifunktionen nachfolgte, berichtet er. »Ich denke, dass Honecker mit seiner frühzeitigen Einschätzung, dass es mit Perestroika und Glasnost nichts werden würde, grundsätzlich richtig lag«, so Krenz im Interview. Gorbatschow selbst habe er 1984 gemeinsam mit Honecker in Moskau als »demagogischen Scharfmacher« kennengelernt: »Honecker bemühte sich in den ersten Monaten nach der Inthronisation von Gorbatschow um eine Verbesserung ihres Verhältnisses.«

Krenz, dem vor seinem 80. Geburtstag in den Medien verschiedentlich »DDR-Demenz« (Berliner Kurier, 14.3.2017) angedichtet wurde, ist nach wie vor politisch aktiv. »Ende des Monats halte ich einen Vortrag in Minsk, ähnlich der Vorlesung im Oktober, als ich an der Staatlichen Universität in St. Petersburg mehr als 300 Studenten Auskunft über das Ende der DDR gab«, berichtet er. Für Memoiren sei es allerdings zu früh: »Ich muss jetzt, nach Erikas Tod, erst zu mir selbst kommen, das braucht seine Zeit. Ich muss mein Leben neu ordnen und organisieren.« Seine Frau war am 4. März nach schwerer Erkrankung verstorben.

 

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