Samstag, 22. September 2018
Solidaritätsanzeige

Unerwünschtes KonzertDie deutsche Vertretung in der Türkei verweigert der bekannten linken Musikgruppe »Yorum« Einreisevisa für Deutschland. Damit versuchen die Behörden, die Teilnahme der Gruppe an dem in der kommenden Woche in Oberhausen geplanten Konzert »Ein Herz, eine Stimme gegen Rassismus« zu verhindern.

In einer Erklärung teilt die Gruppe mit: »Obwohl wir zuvor mehrere Konzerte in Deutschland und Europa gespielt haben, wurde unser Visumantrag vergangene Woche vom deutschen Konsulat abgelehnt. Als ob das noch nicht reicht, gibt man an, dass man Maßnahmen einleiten wird, damit den Grup-Yorum-Mitgliedern auch in Zukunft die Rechte aus dem ›Schengener‹ Abkommen vorenthalten werden.

Wir sind in den 30 Jahren unseres Bestehens Hunderte Male ins Ausland gereist. Diese willkürlichen Entscheidungen sind bewusste, politisch motivierte Entscheidungen. Der Grund für diese Entscheidungen, für das Visumverbot, ist unsere sozialistische Gesinnung. Die AKP und Deutschland haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen. Sie denken sich: ›Wir verbieten sie, wir lassen sie nicht nach Deutschland und Grup Yorum verstummt.‹

Weder Deutschland noch die anderen imperialistischen Staaten können uns von unserer Gesinnung abbringen. Seit nunmehr 30 Jahren haben wir im Angesicht jeder Form von Verboten, Verhaftungen und Repressionen nicht geschwiegen. Im Gegenteil, wir haben aus Trotz weiter Musik gemacht, haben Alben herausgebracht. Wir haben die größten Konzerte gespielt, die die Türkei in ihrer Geschichte je gesehen hat. Unsere Stärke und Unbesiegbarkeit wird auch der deutsche Staat noch kennenlernen, wir werden es dem deutschen Staat mit all unseren Hörern beibringen.

Der deutsche Staat arbeitet mit der AKP zusammen, die in der Türkei Kinder hinrichtet, Leichen an Polizeifahrzeuge bindet und sie durch die Stadt fährt, die 25-jährige Dilek Dogan hinrichtet, weil sie die Polizisten darauf hingewiesen hat, Hausschuhe anzuziehen, die jede Form von Presseerklärung verbietet, die täglich Dutzende Menschen festnehmen lässt um sie zu foltern. Das ist das größte Verbrechen.

Der deutsche Staat will nicht, dass das Konzert ›Ein Herz, eine Stimme‹ stattfindet. Er will nicht, dass dieser Slogan sich verbreitet. Warum? Weil auch der deutsche Staat rassistisch ist. Dutzende Wohnungen von Türkeistämmigen wurden in Brand gesetzt, sie wurden durch Kugeln hingerichtet. Welcher der Mörder wurde gefasst, welcher wurde bestraft? KEIN EINZIGER. Genau diese Wahrheit rufen wir seit vier Jahren auf unseren Konzerten aus, genau deswegen soll es verboten werden. Genau wie die AKP will auch Deutschland nicht, dass sich die Bevölkerung organisiert. Deshalb arbeiten sie auch zusammen, fällen gemeinsame Entscheidungen.

Welche Entscheidungen ihr auch treffen wollt, ihr werdet dieses Konzert nicht verbieten können. Ihr werdet unsere Einreise nach Europa nicht verhindern.«

Unter dem Slogan »Keine Kraft kann verhindern, dass unsere Lieder und die Völker zusammenfinden« ruft Grup Yorum ihre Zuhörer auf, beim deutschen Konsulat gegen diese willkürliche Haltung zu protestieren. »Wir erwarten euch alle am 14. November zu unserem Konzert in Oberhausen.«

Kommentare   

# Verbot der Einreise der Grup YorumHerbert Scholle 2015-11-08 16:37
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich finde es empörend, dass Sie das autoritäre Erdogan-Regime unterstützen,
indem Sie der Group Yorum die Einreise verbieten.
Bitte bedenken Sie, dass die jetzige türkische Regierung eine kriegsführende Macht ist, Oppositionelle werden massenweise verhaftet, Arbeitnehmer- rechte existieren in der Türkei kaum.

Sicherlich wollen Sie doch diesen diktaturähnlichen Stil nicht billigen! Bedenken Sie bitte, dass Gegner des Regimes zur Geltung kommen müssen.
Daher bitte ich Sie, der Grup Yorum sofort eine Einreisegenehmigung zu erteilen und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

Herbert Scholle
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