Sonntag, 22. Juli 2018
Solidaritätsanzeige

Im Rahmen des gestrigen Internationalen Frauentages, welcher jährlich am 8. März begangen wird, wurde weltweit auf die Situation der Frauen aufmerksam zu machen, die vielerorts noch immer unterdrückt und diskriminiert werden. In den Medien und im Alltagsbild allerdings verschwindet der kämpferische Hintergrund dieses Aktionstages zunehmend und weicht einem kommerzialistischen »Womens Day«, mit Rabatten auf Parfüms oder albernem Slapstick, wie der temporären Umbenennung der deutschen Drogeriekette Rossmann in »Rossfrau«.

Immer wieder wird auch die Frauenquote thematisiert. Was aber daraus wird, sieht man etwa bei der Besetzung politischer Funktionen, wie dieser Tage in Deutschland. Dort wurde die CSU-Politikerin Dorothee Bär, die als Quotenfrau beim parteiinternen Regierungspostengeschacher immerhin noch zur Staatssekretärin gemacht wurde, mit dem Dossier der Digitalisierung betraut und bereits im ersten Interview offenbarte, absolut keinen Schimmer von der Materie zu haben.

Dies zeigt: Die Diskussion, ob es sich bei der Frauenquote um ein Scheingefecht handelt, ist durchaus angebracht und gar nicht frauenfeindlich. Frauenquoten führen zu Quotenfrauen in den Aufsichtsräten und sorgen auch an den Arbeitsplätzen der Normalsterblichen keineswegs für Gerechtigkeit, denn Kandidaten für bestimmte Aufgaben sollten nach ihren Fähigkeiten beurteilt werden und nicht nach dem Geschlecht. Es muß, und dies lassen alle Fürsprecher der Quote nicht aus Versehen völlig außer Acht, eine echte Gleichstellung geben, wenn es um die Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Leben geht. Da ist zunächst einmal die gleichgestellte Entlohnung zu erwähnen.

Auch ist ein Wandel im althergebrachten Gesellschaftsbild der Frau kaum möglich, ohne mit dem System an sich zu brechen. Wie bei so vielen Themen beißt sich die Katze also am Ende bei der Systemfrage in den Schwanz.

Besser und wirkungsvoller wären Anstrengungen zur Bekämpfung sozialer Mißstände, wie Arbeitslosigkeit, Sozialabbau oder Lohndumping. Doch damit würden sich die ach so engagierten Abgeordneten selbst ins Knie schießen.

Auch fragwürdige Aufrufe von Frauenorganisationen, welche den staatstragenden Parteien nahestehen, bei Parlamentswahlen ungeachtet des Parteiprogramms durch Panaschieren ausschließlich Frauen zu wählen, sind absurd. Damit schädigt die Frauenbewegung sich indirekt selbst, denn kleinere Parteien sind kaum in der Lage, Parität auf ihren Listen zu erreichen, weshalb die in der Chamber vertretenen großen Sozialabbauparteien davon profitieren.

Abgesehen davon sollte auch hier Kompetenz vor Geschlecht gelten.

Diese Organisationen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob eine partizipative und gleiche Gesellschaft durch eine solche Quote erreicht werden kann oder ob es eigentlich gar keinen Unterschied macht, ob in einem Unternehmen, wo täglich Angestellte ausgebeutet und schlecht bezahlt werden, Parität im Aufsichtsrat herrscht?

Die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft ist ein Mosaikstein im Kampf für soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt. Und da war sie wieder, die böse Systemfrage.

Christoph Kühnemund

 

Aus: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

 

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