Dienstag, 27. Juni 2017
Solidaritätsanzeige

Streikende Postler am 12. Juni in Köln. Foto: Marco Verch (CC BY 2.0) Die Beschäftigten der Post AG streiken aktuell gegen die Ausgliederung von befristet Angestellten in firmeneigene Billig-Gesellschaften. Um den Streik zu unterlaufen versucht die Post u.a. Studierende als Streikbrecher anzustellen. Dagegen wehrt sich die Studierendenschaft und der AStA der Uni Hamburg und ruft zur Solidarität mit den Streikenden auf. Beim unieigenen Stellenwerk wurde eine entsprechende Stellenanzeige der Post auf Druck der Studierenden entfernt.

Das privatisierte Unternehmen Deutsche Post AG machte im letzten Jahr drei Milliarden Euro Gewinn. Um diesen Gewinn weiter zu steigern werden innerbetriebliche Billiggesellschaften gegründet, für die niedrigere Tarife gelten. Damit bricht die Post den mit ver.di ausgehandelten Vertrag zum Schutz vor Fremdvergabe. Dagegen ist ver.di in einen unbefristeten Streik getreten. Neben der Nicht-Auslagerung und Bezahlung nach den Tarifverträgen wird auch die 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert. Aktuell sind bundesweit über 25.000 Menschen im Streik.

Derzeit wirbt die Post auf Hochdruck StreikbrecherInnen an, um den Streik zu schwächen und das Alltagsgeschäft aufrechtzuerhalten. So sollen u.a. Studierende für 10,36 Euro pro Stunde als Abrufkräfte im Paketzentrum aushelfen. Mit diesem für Studis relativ hohen Stundenlohn sollen Studierende gegen Beschäftigte ausgespielt werden.

Am Donnerstag, den 25. Juni macht der AStA von 12 bis 16 Uhr mit einem Infostand und einer Fotoaktion auf den aktuellen Streik aufmerksam und ruft Studierende zur Solidarität auf. Artur Brückmann, Sozialreferent im AStA der Uni Hamburg: »Wir freuen uns außerordentlich über die Streiks unserer KollegInnen bei der Post! Den Versuch der Post AG, mit allen nur erdenklichen Mitteln den Streik zu unterlaufen, weisen wir strikt zurück. Gerade das Locken von Studierenden als Streikbrecher ist ein ekelhaftes Ausspielen der prekären sozialen Lage von Studierenden gegen diejenige von befristet Beschäftigten bei der Post. Der Kampf gegen die Ausgliederung in Billiggesellschaften ist ein sinnvoller Kampf für gute Arbeitsbedingungen, dem wir uns  als Studierende anschließen! Wir klären dazu über die versuchte Benutzung von Studierenden als Streikbrecher auf und zeigen uns u.a. mit einer Fotoaktion solidarisch mit den Streikenden.«

Vincent Orth, Vorstand im AStA der Uni Hamburg, ergänzt: »Genau wie Bildung und Wissenschaft ist das Postwesen ein zentraler Baustein der öffentlichen Daseinsfürsorge. Die jetzige Absicht der Post AG, befristet Beschäftigte in unternehmenseigene Gesellschaften zu zwingen, damit die dann die gleiche Arbeit für ein Drittel weniger Gehalt machen, ist Ausdruck der Zuspitzung einer neoliberalen Wirtschaftspolitik, gegen die wir uns auch an den Hochschulen zur Wehr setzen und für eine gesellschaftlich verantwortliche Bildung und Wissenschaft eintreten.«

Schon am 18. Juni hatte sich auch das Studierendenparlament der Uni Hamburg in einer Resolution mit den streikenden Postlern solidarisiert: »Die Post als privatisiertes Unternehmen erwirtschaftet seit Jahren Milliardengewinne, im letzten Geschäftsjahr betrug der Betriebsgewinn drei Milliarden Euro. Doch das reicht den Aktionären und Konzernchefs offensichtlich nicht aus – durch Tricksereien mit Ausgliederungen sollen aktuell die Löhne bei den Zustellern um bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Hier wird erneut deutlich, dass die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge - zu der das Postwesen gewiss gehört - die Grundlagen des Gemeinwesens massiv gefährdet. Um des unbedingten Zwecks der Profitmaximierung willen wird die Zustellung von Briefen und Paketen aller Art in Frage gestellt.

Wir betonen: verantwortlich für die aktuelle Zuspitzung sind diejenigen, die aus dem Postwesen ein profitables Geschäft machen wollten und wollen, und diejenigen, die um der Profite willen die Gewährleistung eines funktionierenden Postwesens in Frage stellen.

Dagegen führen die Streikenden aus den Gewerkschaften einen gesamtgesellschaftlich bedeutsamen und exemplarischen Kampf für solide Arbeitsbedingungen, gegen Lohndumping für vernünftige Bezahlung und für eine verantwortungsvolle Gestaltung der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Insbesondere verurteilt das Studierendenparlament die Versuche der Post, Studierende als StreikbrecherInnen anzuwerben. Hier soll die politisch gewollte und hervorgebrachte soziale prekäre Lage von Studierenden ausgenutzt werden, um die sozialen Bedingungen bei den Postbeschäftigten zu verschlechtern. Das ist zynisch und machen wir nicht mit. Wir rufen alle Studierenden auf, sich diesem unmoralischen Angebot zu verweigern und die Streikenden bei der Post solidarisch zu unterstützen. Gemeinsam wollen wir dafür kämpfen, dass die soziale Lage von lohnabhängig Beschäftigten, von Studierenden und SchülerInnen, von Erwerbslosen und RentnerInnen verbessert wird. Gemeinsam wollen wir dafür streiten, dass der Ausbau des Sozialstaates und der öffentlichen Daseinsvorsorge gegen das Prinzip der Profitmaximierung gestärkt und durchgesetzt wird.

Den Streikenden der Post wünschen wir viel Erfolg für die Erreichung ihrer Ziele.«

Quelle: AStA Uni Hamburg / RedGlobe

Real time web analytics, Heat map tracking
Ähnliche Beiträge

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.