27 | 05 | 2019

Protest in DelhiDie 23-jährige Frau, die am 16. Dezember in einem öffentlichen Bus in der indischen Hauptstadt Delhi von mehreren Männern brutal vergewaltigt worden war, ist am Freitag ihren schweren Verletzungen erlegen. Die junge Frau war in einem Krankenhaus in Singapur behandelt worden, doch die Ärzte konnten ihr Leben nicht mehr retten, nachdem sich ihr Zustand in den letzten Tagen immer weiter verschlechtert hatte. Das Mount Elizabeth Hospital teilte in einer Erklärung mit, das Opfer sei im Beisein ihrer Familie und von Vertretern der indischen Botschaft »friedlich eingeschlafen«, die gesamte Belegschaft trauere um die junge Frau.

Die Frau war gemeinsam mit einem männlichen Begleiter mit dem Bus auf dem Nachhauseweg von einem Kinobesuch, als sie von sechs Männern attackiert wurde, die sie brutal vergewaltigten und misshandelten. Dabei wurden mehrere innere Organe verletzt, was letztlich zu ihrem Tod führte. Auch ihr Begleiter wurde misshandelt.

Die Brutalität des Verbrechens hat Indien schockiert. Seit Tagen demonstrieren Tausende Menschen, vor allem junge Frauen, im ganzen Land gegen die Gewalt und für bessere Sicherheitsvorkehrungen. Inzwischen diskutiert das Land auch die Tatsache, dass oftmals die Opfer selbst für die Verbrechen verantwortlich gemacht werden. »Vergewaltigung wird kulturell sanktioniert durch primitive und gedankenlose Kommentare zu derartigen Vorfällen. Dabei fällt der Blick auf ein Verbrechen gegen Frauen immer durch das Prisma der Verantwortung der Betroffenen«, kommentierte Shoma Chaudhury, eine leitende Redakteurin des indischen Nachrichtenmagazins »Tehelka«, in einem Gastbeitrag für die deutsche Tageszeitung »junge Welt«. In dem am Freitag erschienenen Beitrag heisst es weiter: »Der Diskussion über Gewalt gegen Frauen liegt die Vorstellung zugrunde, daß diese durch ihre Dummheit oder durch ihre Freizügigkeit geradezu darum betteln, vergewaltigt zu werden. (...) Fast jede zweite indische Frau wurde bereits in ihren eigenen vier Wänden begrapscht, belästigt oder vergewaltigt. Sofern sie es wagt, darüber zu sprechen, wird ihr meist geraten, dies für sich zu behalten. Einen Onkel zu benennen, der seine minderjährige Nichte belästigt hat, wäre eine Schande für die Familie. Und daß es so etwas wie Vergewaltigung in der Ehe gibt, übersteigt ohnehin das Vorstellungsvermögen der meisten. Sogar Richter empfehlen Vergewaltigungsopfern häufig, den Täter zu heiraten, um der Hölle eines Lebens als von der Gesellschaft verstoßene Singlefrau zu entgehen.«

Auch am Donnerstag wurden die Proteste gegen die Gewalt fortgesetzt. Wie die kommunistische Tageszeitung »Ganashakti« berichtete, gingen Hunderte junge Frauen im Süden Delhis trotz Demonstrationsverboten auf die Strasse, um mehr Sicherheit zu fordern.

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