22 | 08 | 2019

Frauendemonstration in DelhiIndiens Frauen stehen auf gegen Diskriminierung, Misshandlungen und Vergewaltigungen, die für sie Alltag sind. Nach der brutalen Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen in der vergangenen Woche in Delhi ist die Lage jetzt eskaliert. Die junge Frau war den Berichten zufolge rund eine Stunde lang von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt, geschlagen und dann aus dem fahrenden Wagen auf eine belebte Straße der indischen Hauptstadt geworfen worden. Sie schwebt noch immer in Lebensgefahr, am heutigen Montag verschlechterte sich ihr Zustand weiter, meldete die kommunistische Tageszeitung Ganashakti. Dabei beziehen sich die Proteste in Indien längst nicht mehr nur auf den Zustand der jungen Frau. In Manipur wurde ein unbefristeter Generalstreik ausgerufen um die Verhaftung eines Mannes zu erreichen, der eine Schauspielerin belästigt haben soll. Als am gestrigen Sonntag die Polizei dort das Feuer auf die Protestierenden eröffnete, wurde der 29-jährige Journalist Nanao Singh getötet.

 

In Delhi ging die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vor, die zur Residenz von Sonia Gandhi, der Chefin der regierenden Kongresspartei, gelangen wollten. Im Zentrum von Delhi wurde von den Behörden eine Ausgangssperre verhängt, wodurch der Verkehr in der Metropole endgültig zusammenbrach. Demonstranten errichteten ihrerseits Barrikaden, mehrfach kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Für weitere Unruhe sorgten Meldungen über ein weiteres Verbrechen. Im Westen Delhis soll ein drei Jahre altes Mädchen in einer Kindertagesstätte vergewaltigt worden sein. Der mutmaßliche Verantwortliche sei am Donnerstag verhaftet worden, teilte die Polizei mit.

Indiens Regierungschef Manmohan Singh wandte sich am Montag in einer Ansprache an die Nation und versprach, die Verantwortlichen für die Vergewaltigung der 23-jährigen dingfest zu machen sowie generell die Sicherheit der Frauen in Indien zu verbessern. Die Wut und die Proteste seien "berechtigt", erklärte Singh, "doch Gewalt wird nicht zum Ziel beitragen".

Wie Ganashakti berichtete, hatten Hunderte Demonstranten - unter ihnen viele Frauen und junge Mädchen - am Samstag abend gegen 21 Uhr eine größere Demonstration verlassen und begonnen, gegenüber den Polizeieinheiten, die das Regierungsviertel abriegelten, Barrikaden zu errichten. Zunächst entzündeten sie Kerzen und begannen, patriotische Lieder zu singen. Wenn diese einzuschlafen drohten, griff mindestens eine Teilnehmerin den Slogan auf "'Beaten but not broken. We will fight for justice." (Geschlagen, aber nicht gebrochen. Wir werden für Gerechtigkeit kämpfen). Die Masse nahm den Sprechchor immer wieder auf. Ohne etwas zu essen oder zu trinken zu haben, hielten die Aktivistinnen die ganze Nacht über durch. Shailesh Sharma, eine Studentin der Delhi-Universität, rief dazu auf, die Demonstrationen "rund um die Uhr" fortzusetzen.

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