Montag, 10. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Der unbeschreibliche Jubel über das gemeinsame Einlaufen der süd- und der nordkoreanischen Delegation hinter der »Einheitsfahne« bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hallt offenbar nach. Kam es bereits am Rande des sportlichen Großereignisses zu hochrangigen Treffen zur Förderung des Dialogs, so wurde am Dienstag in Seoul angekündigt, der Staatschef der KDVR und sein Amtskollege aus der Republik Korea würden sich Ende April im Grenzort Panmunjom zu Gesprächen treffen.Die hoffnungsvoll stimmende Gipfelankündigung konnte in Seoul vom südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in nach zweitägigen direkten Gesprächen in Pjöngjang verkündet werden, in denen der Norden Moons Sicherheitsberater Chung Eui-yong offenbar deutlich gemacht hat, daß man zu neuen historischen Gipfelgesprächen bereit ist.

Chung hat auch mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un gesprochen, der als Zeichen des guten Willens erklärte, für die Zeit des Dialogs werde die Arbeit am Atomprogramm ruhen. Der Norden, so wird der Sicherheitsberater des südkoreanischen Präsidenten zitiert, habe »seine Entschlossenheit zur atomaren Abrüstung« erklärt. Es gebe keinen Grund für das Nuklearprogramm, wenn die militärischen Drohungen gegen den Norden aufhören und die Sicherheit des Landes garantiert würden.Auch der Süden hat sich einen großen Schritt auf den Norden zubewegt, hat Moon doch ausdrücklich direkte Verhandlungen zwischen der KDVR und den USA gefordert. Denn in Seoul weiß man sehr genau, daß jetzt nur noch Washington eine Neuauflage der »Sonnenscheinpolitik« hintertreiben könnte.

Soweit war man schon einmal im Oktober 2000, nachdem USA-Außenministerin Madeleine Albright zu Gesprächen in Pjöngjang war. Kurz danach, mit Amtsantritt von George W. Bush als USA-Präsident, wurde der vielversprechende, da kontinuierliche Entspannungsprozeß auf der Koreanischen Halbinsel brachial ausgehebelt. Bereits Anfang März 2001 nannte Bush jun. Nordkorea ohne Umschweife einen »Bedrohungsfaktor in Ostasien«, mit dem weitere Verhandlungen ausgesetzt und erst nach einer grundlegenden Neubestimmung der Asienpolitik der USA eventuell wieder aufgenommen würden.

Nach einjähriger Amtszeit brandmarkte Bush jun. die KDVR nebst Irak und Iran als »Achse des Bösen«, die es zu zertrümmern galt. Der Überfall der USA und ihrer »Koalition der Willigen« auf den Irak verfolgte das Ziel, dort einen »Regime-Change« herbeizubomben. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß sich Bagdad nicht mit Massenvernichtungswaffen dagegen wehren konnte, weil es schlicht und ergreifend keine besaß, wurde man in Pjöngjang nachdenklich. Seitdem setzt die dortige Führung auf das, was sie »größtmögliches Abschreckungspotential« nennt.

In Nordkorea schloß man offenbar spätestens nach der Ermordung des irakischen Staatschefs Saddam Hussein Ende 2006, daß man die USA einzig mit der Fähigkeit zu nuklearer Abschreckung von einem Angriff abhalten könne. Es wäre ein bedeutender Fortschritt, könnte diese Gewaltspirale, die im vergangenen Herbst in wechselseitigen Kriegsdrohungen gipfelte, nun zurückgedreht werden.

Präsident Moon hat jedenfalls schon von 1998 bis 2008 seinen beiden Amtsvorgängern Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun zugearbeitet, die als erste auf die »Sonnenscheinpolitik« gesetzt haben, um die Koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien.

Oliver Wagner

 

Aus: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

 

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